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Montag, 6. April 2009

mail aus indien - nachtrag

heute bekam ich eine mail aus indien.
sie hatte den betreff "gratitude".
sie lautete so:

"hi this is arif.
thankyou so so and so much.
so nice of you i will be so thankfull to you.
best wishes for you and your family/
thanks again for the favour.
take care.
ARIF"

arif arbeitet in einem thangka-laden in mcleodganji.
ich habe bei ihm einige thangkas gekauft.
als ich ihm ein paar tage später auf der straße begegnete, sagte er, er hätte vergessen, die nummern abzuschreiben, die auf den thangkas hinten drauf stehen und er bräuchte sie, vor allem sein chef.
ich versprach ihm, die nummern zu schicken, wenn ich nach hause gekommen wäre. und das habe ich heute getan.
und dann bekam ich diese mail...

Donnerstag, 2. April 2009

eine naechtliche busfahrt

dies ist wahrscheinlich mein letzter blogeintrag aus indien.
ich sitze in einem sehr billigen internetcafe, das ich zufaellig gefunden habe, und werde jetzt noch die eindruecke meiner naechtlichen busfahrt von dharamsala nach delhi beschreiben, bevor ich mich wieder auf den weg zur jugendherberge mache, um zu packen, vielleicht nochmal zu duschen (zweimal am tag heiss duschen: der himmel!) und dann nichts mehr zu tun ausser vielleicht lesen.
das abendessen habe ich schon bestellt und bezahlt.
ich habe auch das taxi schon bestellt (aber das habe ich vielleicht schon geschrieben).
ich habe gerade noch so viel geld, dass es fuer das taxi und vielleicht einen tee am flughafen reicht.
aber jetzt zu meiner fahrt im "deluxe"-bus von mcleodganj nach delhi.
was man in indien "deluxe"-bus nennt, ist natuerlich nicht gerade das, was man sich in deutschland unter "deluxe"-bus vorstellt. aber es ist immerhin ein bus, der kopfstuetzen hat und bei dem man die rueckenlehne verstellen kann. ausserdem hat man ziemlich viel beinfreiheit. und es gibt ein ac-system. die fahrerkabine ist vom passagierraum durch eine tuer abgetrennt, wodurch man auch vor den verkehrsgeraeuschen ziemlich geschuetzt ist.
alles in allem war der bus nach indischer art ein wenig heruntergekommen und versifft, doch bequem, und vor allem hatte man viel platz, da nur eine handvoll passagiere mitfuhren.
diese handvoll passagiere waren: meine wenigkeit, ein paar schlecht gelaunte (!) tibeterinnen (die sich in den hinteren teil des busses verzogen), ein doktorand aus delhi, mit dem ich vor der abfahrt ein paar worte gewechselt hatte (er doktorierte ueber die faltung von proteinen) und der wie ein schuetzender engel hinter mir sass.
und dann die maenner.
ich mag maenner. ich liebe maenner. ich bin gern in der gesellschaft von maennern.
aber es gibt maenner, die einen wirklich darueber nachgruebeln lassen, wie jemals das geruecht aufkommen konnte, dass das maennliche geschlecht das ueberlegene ist.
es waren solche maenner.
maenner mittleren alters, mit gewoelbten baeuchen und von selbstbezogenheit getruebten augen, die voellig jede sensibilitaet fuer ihre umgebung vermissen lassen.
sie schreien ungeruehrt in ihr handy, obwohl es im bus schon dunkel ist und die anderen fahrgaeste offensichtlich schon schlafen. (ueberhaupt das handy, dieser mutterbrustersatz!)
sie breiten sich aus und lehnen sich zurueck, und wenn die ruecklehne dann nicht weiter zu faellen geht, dann versuchen sie es mit gewalt noch einmal, und noch einmal, und noch einmal.
wenn der bus in einer kleinen ortschaft anhaelt, dann steigen sie aus und pissen an den strassenrand.
und dann steigen sie ein, eine tuete aus zeitungspapier mit frittiertem kleinzeug in der hand, das sie schmatzend verzehren, wobei sie genuesslich ihre an die wand gestemmten nackten fuesse betrachten, und wenn sie mit dem essen fertig sind, dann wischen sie ihre fettigen finger an der gardine des busses ab.
(ein entruesteter ausruf kam von meinem sitz)
ich verallgemeinere. der doktorand hatte sich auf seiner sitzbank in der "sleeping child position" zusammengerollt und war meine moralische rettung in dieser nacht.
einem der maenner (er war ganz in weiss gekleidet) wurde schlecht.
er taumelte nach vorn in die fahrerkabine und schien aus dem fahrenden bus springen zu wollen. der bussschaffner schrie ihn mit seiner quaekenden stimme an.
dann bremste der busfahrer, und der mann taumelte hinaus in die nacht, versuchte, sich zu erbrechen, wusch sich dann das gesicht an einem wasserhahn.
er bekam eine aus zeitungspapier gefertigte kotztuete vom schaffner.
mir ging auf, dass die inder das stossdaempfersystem eines "deluxe"-busses natuerlich nicht gewohnt sind. und bei der rasenden, staendig von abrupten bremsungen unterbrochenen, bergabfahrt ueber die serpentinen des himalaya hinab in das nordindische flachland schaukelte der bus ganz ordentlich.
dem weissen mann wurde es natuerlich gleich wieder schlecht, und er erbrach sich in die tuete aus zeitungspapier. ich sass stocksteif in meinem sitz und stellte mir vor, wie die tuete durchweichte. wie der mann sich nicht darum scherte und sie auf den boden stellte. wie das erbrochene sich in meine richtung ausbreitete...
aber seltsamerweise roch es nicht einmal, und beim naechsten halt trug der mann sein tuetchen hinaus und entsorgte es ordentlich (liess es auf den boden fallen), wofuer ich ihm sehr dankbar war.
nunja, ich schlief, so gut man in einem bus schlafen kann, und als ich aufwachte, lag vor dem fenster schon die morgendaemmerung ueber den vororten von delhi, und wir waren fast da.
als der bus anhielt, erspaehte mich ein rikschafahrer sofort durch die getoente fensterscheibe und machte mich als das beste opfer dieses noch fruehen morgens aus.
ich liess ihm seine freude, und er brachte mich zur jugendherberge, allerdings nicht zu dem von ihm selbst vorgeschlagenen idiotenpreis, was wiederum der triumph meines tages war (und wofuer ich dem doktoranden dankbar sein musste, der mir gesagt hatte, was die fahrt ungefaehr kosten solle).
ich werde in den naechsten tagen den blog ein wenig ergaenzen und ueberarbeiten und wahrscheinlich auch bilder und kleine filme einfuegen.
meine reise hoert hier nicht auf.
sie geht nur anders weiter.
in tushita habe ich gelernt, die positive energie jeder meditationssitzung sich ueber das ganze universum ausbreiten zu lassen.
moegen alle lebewesen gluecklich sein!

Sonntag, 22. März 2009

bergneurosen

jetzt glauben sicher meine leser, dass mit den bergneurosen ich gemeint bin. weit gefehlt!
mein porter wartete gestern, wie vereinbart, um 13 uhr am main bus stand in mcleodganji auf mich.
zuvor war ich mit angela aus schweden (und finnland) um die residenz des dalai lama herumgewandert, die von stacheldrahtzaun eingezaeunt und von indischen soldaten bewacht ist.
einige der tibetischen besucher nahmen ihre muetzen ab und beruehrten die mauer mit ihrer stirn.
wir besuchten auch das tibetmuseum, das angenehm klein und ueberschaubar ist und mit eindrucksvollen bildern und texten die geschichte der vereinnahmung tibets durch china, des widerstands und des exils zeigt.
mein porter gab ein zeichen der wiedererkennung von sich, als ich am main bus stand ankam und deutete nach oben, gen himmel, worauf ich nickte. er nahm meinen rucksack, ich verabschiedete mich von angela, dann drehte ich mich um, und - mein porter war verschwunden. ich konnte ihn nicht mehr sehen!
ich dachte, der hat ja ein tempo drauf und wollte mich schon beeilen, um ihn zu erreichen, da deutete ein anderer porter nach oben (gen himmel), und ich sah meinen porter auf dem dach eines busses, wo er gerade meinen rucksack ordentlich verstaute.
sofort runterkommen, deutete ich mit haenden und fuessen an, und der andere porter sagte etwas abfaellig, dass mein porter kein englisch kann (und wollte damit andeuten, dass ich lieber ihn haette nehmen sollen).
beinahe waere mein rucksack also in pathankot oder so gelandet.
als sowohl porter und rucksack wieder auf dem erdboden waren, gingen wir los.
er voraus, ich hinterher, in seinen fussstapfen.
nach einigen minuten fing es an zu troepfeln, dann fing es an zu hageln, schliesslich fing es an zu schuetten. da waren wir aber schon so weit gekommen, dass wir in der naehe eines tea stalls waren, wo wir uns unterstellen konnten.
ich kaufte meinem porter einen tee. wir sassen ungefaehr zwanzig minuten da, mit vielen anderen menschen, die schutz vor dem regen gesucht hatten.
als es nur noch troepfelte, gingen wir weiter, einen sehr schoenen steinweg in einem wald. so gingen wir schweigend ungefaehr zwanzig minuten, dann fragte er: "come from?"
ich antwortete, und wir gingen weiter.
oben angekommen, war er natuerlich nicht zufrieden ueber das geld, das er von mir bekam (sagte aber auch keinen preis), doch ich hatte den wirt meines guesthouses nach dem angemessenen preis gefragt und nochmal 50% auf diese summe draufgelegt und eigentlich gedacht, dass er sich vielleicht freut oder so, aber darauf wartet man vergeblich.
man koennte schliesslich immer mehr geld geben und noch mehr und noch mehr. und "germany is a rich country", deshalb sagt man oft gar nicht so gern, dass man von da kommt.
ich gratulierte mir zu meinem entschluss in die berge zu ziehen. sass auf der terrasse (es regnete nicht mehr) und trank einen tee nach dem anderen, schaute mich um, streckte die beine aus.
ich waehlte schliesslich wegen des wetters nicht das zimmer mit den fenstern in drei himmelsrichtungen, sondern ein zimmer, das etwas geschuetzter lag und auch ein eigenes badezimmer (mit heisswasser und europaeischer toilette) hatte. ich ass ein sandwich, ich schaute die buecher durch, die dort auf einer ablage gestapelt waren.
ich hatte das gefuehl, im urlaub zu sein.
es kam ein junges deutsches paar an, die momentan die einzigen anderen gaeste in meinem guesthouse sind. schnell war ich in ihre abreiseprobleme verwickelt, denn sie muessen in ein paar tagen nach delhi, bloss wie usw.
es schien ein riesiges problem zu sein, dabei gibt es mindestens 30 verschiedene laeden in mcleodganji, die busfahrten nach delhi anbieten.
schliesslich entschieden sie sich fuer ein taxi, buchten, kamen dann wieder ins zweifeln, ueberlegten hin und her und diskutierten alle moeglichen wenns und abers, und ich diskutierte kraeftig mit.
fuer mich dachte ich: nachtbus deluxe und dann jugendherberge, das ist die beste loesung (so wie ich das naemlich mache). ich sagte es natuerlich auch, aber die beiden fanden den gedanken an eine jugendherberge offensichtlich nicht anziehend.
es war ziemlich kuehl. ich trug meine lange unterwaesche, drei schichten kleidung und die tibetische jacke (schoen, nicht doof!), die ich hier gekauft habe, sowie eine dicke wollmuetze. da ich in den fuessen fror, nahm ich ein heisses fussbad.
dann nahm ich auf der terrasse ein wunderbares, warmes abendessen zu mir und fiel ziemlich bald ins bett, schlief mit zwei schichten kleidung und drei decken, von denen die eine ungefaehr 5 kilo wiegt, tief und fest, bis der morgen kam.
nach dem fruehstueck (banana porridge und cheese sandwich) ging ich mit den beiden deutschen, die in berlin wohnen, zu einem anderen guesthouse in der naehe, weil es dort so schoene thangkas (tibetische mandalamalereien) geben sollte.
es war ein ziemliches luxusguesthouse, mit alten moebeln, ausblick auf die hoechsten schneegipfel, eingeglaster veranda, holzkamin, bibliothek, teppichen usw., aber die mandalamalereien waren ausgebleichte reproduktionen, und wir setzten uns hin und tranken kaffee und tee zu europaeischen preisen.
wir liessen uns die preisliste fuer die zimmer geben und schlackerten ziemlich mit den ohren, da ein zimmer ungefaehr ausserhalb der saison ungefaehr das zwanzigfache kosten sollten, was wir in sagar cottage bezahlen.
die besitzerin war aus england/irland, und war offensichtlich ziemlich gestresst. was die preise anging, so fand ich sie voellig unangemessen, und ich glaube sie auch, denn sie verwickelte sich selber staendig in rechtfertigungen, gab irgendwelche versprechungen ab (dass es billiger wuerde, wenn man laenger bleiben wuerde) und wurde am ende sogar pampig, als wir unsere getraenke getrennt zahlen wollten.
das ganze machte auf mich einen ziemlich unangenehmen eindruck.
ich wuerde sagar cottage sowieso gegen kein anderes guesthouse tauschen wollen. bijar, der dort arbeitet, ist ein wunderbar freundlicher und angenehmer mensch. man braucht nur sagen, was man will und gleich rennt er und holt es und bereitet es zu.
er hat ein schoenes laecheln. er ist ein ausgezeichneter koch.
als ich heute vormittag mit ihm auf der terrasse (es ist eine grasflaeche) sass (ich sass an einem tisch, er hockte in einer ecke mit ausblick auf das dorf baghsu), hoerte ich etwas, das wie kindergeschrei klang, und ich fragte ihn, ob das kinder seien.
er sagte, nein, jemand ist gestorben.
von oben konnte man einen grossen trauerzug sehen, der durch das dorf ging, und jetzt hoerte ich auch, dass es klageschreie waren und keine spielenden kinder.
er sagte, es war ein achtzehnjaehriges maedchen. sie ist in der nacht gestorben. sie war die kusine des tea stall besitzers ganz in der naehe von meinem guesthouse, bei dem ich gestern ein snickers gekauft habe, und er war deshalb heute nicht da.
jetzt bin ich in mcleodganji, um "letzte erledigungen" zu machen. morgen moechte ich gern eine wanderung zur schneegrenze machen, die durch ein gebiet mit bluehenden rhododendronbueschen fuehrt.
und dann faengt mein kurs an. ob ich mich vorher noch einmal melde, weiss ich nicht.
es geht mir jedenfalls gut, und ich hoffe, euch allen auch.

Freitag, 20. März 2009

die besonderheit von mcleodganji

die besonderheit von mcleodganji ist, dass man jedes mal, wenn man ein restaurant besucht, einen zettel und einen stift vorgelegt bekommt. darauf soll man seine bestellung notieren.
das erste mal sagte ich, was soll ich mit dem zettel, aber jetzt kenne ich mich schon aus und greife beim betreten des lokals sofort nach zettel und stift.
ich habe heute mit der schwedin angela (die uebrigens eine finnlandschwedin ist, was sich am ende unserer wanderung herausstellte, auf der wir ausschliesslich englisch sprachen) eine wunderbare ungefaehr sechsstuendige wanderung gemacht.
dabei habe ich auch ein guesthouse gefunden, in das ich morgen umziehen werde.
es ist etwa eine stunde fussweg (bergauf) von mcleodganji entfernt und liegt mitten in der natur. man hat aussicht auf viele berggipfel. das zimmer, das ich mir zeigen liess, hat grosse fenster in drei himmelsrichtungen.
ich muss mir morgen einen "porter" nehmen, weil ich mein gepaeck, das inzwischen ungefaehr 20 kg wiegt, nicht selber hochschleppen kann.
da es in meinem guesthouse ab morgen kein zimmer mehr fuer mich gibt, dachte ich, ich koennte gleich richtig zuschlagen und noch was besonderes machen.
nicht weit davon entfernt wohnt "meine" frau, bei der ich gestern minztee getrunken habe.
angela und ich versuchten auch heute, sie zu besuchen, aber sie war nicht zuhause. also assen wir mit zwei frauen und einem maedchen aus dem dorf eine packung kekse, die wir mitgebracht hatten, und gingen dann wieder zurueck. auch die bueffeldame war natuerlich wieder da (sie ist ja angebunden und kann nicht weg) und drehte uns heute neugierig ihren kopf zu.
ich kann zwar jeden tag nach mcleodganji kommen, aber ich verspreche erstmal keine taeglichen blogeintraege fuer die naechsten tage.
im "brothers in exile" ass ich eine nudelsuppe, aus gruenden der originalitaet. danach kaufte ich mir in der tibetischen baeckerei einen apfelkuchen.
im "green shop", wo man sehr schoene handgemachte tagebuecher aus recyceltem papier verkauft, begegnete mir eine franzoesin, die es fuerchterlich satt hatte, immer nur englisch zu reden (dabei verstand der alte mann in dem shop gar kein englisch) und sich gleich auf mich stuerzte, als sie merkte, dass ich ihren franzoesischen verzweiflungs-wortschwall verstand.
an einem dvd-stand kaufte ich zwei dokumentarfilme ueber tibet. der verkaeufer versprach mir, dass ich beim anschauen weinen wuerde, jedenfalls beinahe.
in meinem zimmer im "ladies venture" bildete sich ein feuchter fleck an der decke und ich ging, um bescheid zu sagen, aber der "mann fuer alles" sagte, das sei "no problem", das passiere andauernd, es sei irgendwas mit dem darueberliegenden badezimmer nicht in ordnung.
ich bin heute nicht vom weg abgekommen, bloss ueber einen stacheldrahtzaun geklettert, deshalb gibt es gar nicht so viel zu erzaehlen.
jetzt muss ich ein wenig arbeiten und hoffentlich geld verdienen.

Donnerstag, 19. März 2009

der ziegenweg und ein tee mit nanaminze

wolltet ihr die einzelheiten zu meiner verdauung hoeren? nur so viel: ich bin der modernen medizin sehr, sehr dankbar!
nachdem ich mich heute viel gesuender fuehlte, plante ich sogleich eine wanderung.
ich fruehstueckte wieder im "peace cafe" und stellte fest, dass ich nicht die einzige reisende bin, die sich rasch gewohnheiten zulegt, denn an genau den selben tischen wie gestern sassen genau die selben leute und assen genau die selben sachen wie gestern.
bloss ich ass was anderes, naemlich nudelsuppe mit gemuese und kaese. aus china weiss ich, dass das voellig in ordnung ist, zum fruehstueck eine suppe zu essen. und mir war einfach nicht mehr nach honigtoast zumute...
eine frau kam strahlend auf meinen tisch zu und fragte auf schwedisch, ob ich schwedisch spreche.
ja, sagte ich.
bist du schwedin?
nein, antwortete ich, aber ich wohne in schweden.
sie hatte meinen fjaell-raeven-rucksack gesehen und daraus geschlossen, dass ich schwedin sei.
sie entschuldigte sich sofort (auf englisch), sie wollte mich nicht stoeren, entschuldigung, falls sie mich vielleicht gestoert habe, also entschuldigung, entschuldigung. darauf zog sie sich zurueck.
dabei hatte ich gar nichts gesagt.
ich fand diese begegnung so typisch fuer schweden und die schweden, dass es mich beinah ein wenig deprimiert hat. waere ich echte schwedin gewesen (nicht nur ein mensch, der in schweden wohnt und schwedisch spricht), haette sie dann mit mir geredet?
ich ging spaeter dann jedenfalls zu ihr hin und erklaerte, dass die fjaell-raeven-rucksaecke einfach eine super qualitaet haben und nicht kaputt zu kriegen sind.
darauf entspann sich dann doch ein gespraech (auf englisch), mit dem resultat, dass ich vorgeschlagen habe, wir koennten morgen gemeinsam wandern gehen.
aber erstmal packte ich bananen, walnuesse, joghurt und wasser in meinen rucksack und machte mich allein auf den weg.
ich kaufte auch ein busticket fuer meine rueckfahrt nach delhi, kaufte dann noch eins, weil die zeiten besser waren, und brachte das andere ticket wieder zurueck, wobei ich natuerlich einen teil vom preis verlor (ungefaehr 2 euro).
macht doch nichts, sagte ich zu dem sauren inder, jetzt koennen sie das ticket doch noch einmal verkaufen.
ich wusste, dass es einen kleinen pfad gibt, der zu einem kleinen wasserfall fuehrt, und auch wenn kleine wasserfaelle mich nicht besonders interessieren, so sind sie doch immer ein gutes ziel fuer eine wanderung.
als ich von mcleodganji schon ziemlich hoch gestiegen war und die strasse sich in einen pfad verwandelt hatte, kam ich durch eine ansammlung von haeusern. ziegen und kuehe standen angepflockt herum, frauen waren mit irgendwelchen arbeiten beschaeftigt.
der pfad fuehrte genau zwischen diesen haeusern hindurch, und ich wurde ein wenig zoegerlich, aber eine junge indische frau winkte mich weiter. sie ging ein stueck mit mir (sie war mit der machete auf dem weg, weizen zu ernten) und fragte, ob ich vielleicht auf meinem rueckweg bei ihr ein glas tee trinken moechte.
wir verabredeten sogar eine zeit.
ich liess mir den weg zum wasserfall erklaeren (erst bergab, dann wieder bergauf) und trabte los.
ein junger inder sagte, der pfad, den ich gehen wolle, sei ein wenig "risky", aber wenn man aufpasse, koenne nichts passieren.
irgendwo habe ich mich dann offensichtlich verstiegen und bin viel zu hoch in die berge hinein gewandert. der pfad verwandelte sich in ein pfaedlein und hoerte dann irgendwie auf, und ich stand zwischen felsen und wusste nicht genau, wie ich weitergehen sollte. zurueck wollte ich nicht, aber nach vorne gab es nichts ausser ein wenig heruntergetrampeltes gras, steine und rutschspuren und abhaenge.
ich bewegte mich auf dem ziegenpfad weiter, glaube ich, es ging steil bergab, und es war nicht besonders lustig. ein paar mal trat ich ins leere, rutschte aus oder verhakte mich in einem ast. der weg war ausserdem gesaeumt von stacheligem gestruepp, unter dem ich mich wegzuducken versuchte, das trotzdem an mir kratzte und riss. ich ueberlegte natuerlich, was ich tun sollte, wenn ich mir den knoechel verstauchen oder sogar brechen wuerde, oder sonstwas...
irgendwann hatte ich dann wieder festeren boden unter den fuessen und sah den richtigen wanderpfad, den der indische mann als "risky" bezeichnet hatte, der aber im vergleich zu meinem abstieg eine art sonntagswanderweg war.
ich lief zum wasserfall, der ein schnuersenkelduennes rinnsal war und beeilte mich dann zurueck zu kommen, schliesslich hatte ich eine verabredung.
drei maenner mit roten haenden begegneten mir. ich fragte, warum sie rote haende haetten. sie haetten ein haus rot angemalt, sagten sie und zeigten in die richtung, wo das rote haus lag.
nach gut drei stunden anstrengender wanderung war ich schon ein wenig schwach und bewegte mich in zeitlupe vorwaerts.
die junge frau hatte schon auf mich gewartet und lud mich in ihr haus ein. das haus hatte ungefaehr eine grundflaeche von zehn quadratmetern, aber zwei stockwerke, in denen sie mit ihrem mann und ihren zwei kindern wohnte.
ich sollte mich aufs bett setzen. das zimmer war sehr einfach, aber sehr sauber. metallenes geschirr stand an den waenden aufgereiht. in einem kleinen regal waren in plastikschraubglaesern sachen, die man zum kochen braucht.
sie hatte frische minze gepflueckt. dann machte sie feuer an der herdstelle mit etwas holzspaenen und dann trockenen aesten, die sie langsam immer weiter hineinschob.
es kam eine nachbarin mit ihrer kleinen tochter mit dazu, setzte sich auf den boden und trank auch tee.
der ungefaehr zehnjaehrige sohn kam und setzte sich neben mich und erzaehlte, dass er sehr gerne kricket spielt und dass englisch sein lieblingsfach in der schule ist, wie seine englischlehrerin heisst, und dass er heute frei hat, weil irgendeine zeit nach einer pruefung ist.
seine schwester sei gerade in mcleodganji beim einkaufen.
die frau waermte auch ein paar chapati uber dem ofen, und alle in dem kleinen raum assen chapati und tranken tee. die zwei frauen unterhielten sich miteinander, der kleine junge unterhielt sich mit mir, und das kleine maedchen unterhielt sich mit dem hund duffy, der vor der tuer lag.
dort lag, ein paar treppenstufen tiefer, auch eine riesige bueffeldame, die mir ihr hinterteil zudrehte, das ich durch die offene tuer ausgiebig studieren konnte.
es war wirklich nett. die frau sagte, ich solle wiederkommen. ich gab ihr etwas geld, obwohl ich nie weiss, was in solchen situation angemessen ist.
spaeter habe ich mich in mcleodganji nach der moeglichkeit erkundigt, einen kochkurs fuer tibetisches essen zu machen. vielleicht lerne ich uebermorgen, wie man tibetische suppen macht.

Mittwoch, 18. März 2009

mein tag

dies war mein tag. ich hatte mehrere dinge vor. erstens wollte ich zum arzt gehen, zweitens mich wegen einer reisemoeglichkeit nach delhi erkundigen, drittens ein wenig shoppen.
die nacht war etwas kuehl und vor allem sehr hart. zwischendurch musste ich mich ein wenig anstrengen, um wieder einzuschlafen. ich kaufte mir gleich nach dem aufstehen ein paar handgestrickte wollsocken. mit meiner zimmergenossin, einer englaenderin, verabredete ich, am abend ins kino zu gehen.
wir wollen uns "slum dog millionaire" anschauen, ein film, von dem ich in den letzten wochen so viel in der zeitung gelesen habe, dass ich wirklich gluecklich bin, ihn mir jetzt anschauen zu koennen.
in indien ins kino, koennt ihr euch das vorstellen? es ist wie ein wunder...
ein weiteres wunder war mir beschert: ich konnte sofort nach dem fruehstueck (das ich im "peace cafe" zu mir nahm), in ein eigenes zimmer umziehen. es ist ein doppelzimmer mit schoenem ausblick. das fenster schliesst zwar nicht, aber dafuer habe ich sehr viele dicke decken. das badezimmer teile ich mit meinen zimmernachbarn.
ich erkundigte mich nach einem arzt und wurde zu einem doktor mawarh neben dem dalai lama tempel geschickt.
erst brachte ich meine waesche zum laundry service, da das waschen im guesthouse nicht erlaubt ist.
dann wanderte ich langsam richtung dalai lama tempel.
ich mag dharamsala. es hat eine wunderbare ausstrahlung. die tibeter sind freundlich und wirken modern. ich habe einen viel direkteren bezug zu ihnen als zu den indern. vor allem die frauen sehen selbstbewusst aus.
das schoenste laecheln haben die tibetischen moenche und nonnen, die einem auf schritt und tritt begegnen. haben die gar kein moenchs- und nonnenleben?, fragte ich mich heute. sie sitzen auf der sonnenterrasse im cafe und trinken cappuccino, sie lassen ihre schuhe putzen, sie trinken pepsi cola, sie kaufen turnschuhe, sie laufen herum und laecheln einen mit diesem wunderbaren laecheln an.
da ich etwas zeit hatte, bis mein doktor in die praxis kam, ging ich in den dalai lama tempel, wanderte ehrfuerchtig herum, betrachtete die wunderbaren wandmalereien und riesigen buddhafiguren und die pilger, die sich auf blankgewetzten brettern eins ums andre mal auf den boden warfen, ich kaufte ein paar buecher und ging dann zum doktor.
er stellte mir ein paar gezielte fragen, drueckte mir auf den bauch und auf den magen, steckte dann ein paar tabletten in ein tuetchen aus zeitungspapier und schrieb auf einen zettel, was ich essen darf (und vor allem, was nicht). ich glaube, dass ich in diesen tagen ziemlich viel abnehme, bei einer joghurt-toast-bananen-diaet...
natuerlich vertilgte ich im eifer des gefechts dann gleich die doppelte menge an verschriebenen tabletten: kann ich eigentlich gar nichts richtig machen?
er sagte, die krankheit braucht sieben tage, um auszubrechen und sie heilt nicht von selbst, weshalb ich jetzt antibiotika essen muss.
war es doch der tee in delhi, der mir den garaus gemacht hat?
nach einer ausgiebigen shoppingrunde (wie ausgiebig, berichte ich hier lieber nicht, aber es ist fuer einen guten zweck) ass ich im "brothers in exile", das bereits mein lieblingslokal geworden ist, eine schuessel gekochte kartoffeln in ingwerbruehe und trank einen kraeutertee dazu.
ich redete ein wenig mit dem hund, der zum cafe gehoert, nannte ihn "moppelchen", weil er ein sehr gut genaehrter spitz ist.
es gibt hier viele gut genaehrte hunde.
ein inder, der am nebentisch sass und eine rote pudelmuetze aus einem unsaeglichen, glaenzenden kunstfasermaterial trug, fragte mich, ob ich den namen des hundes wuesste.
nein, sagte ich.
handsome, sagte er und schnalzte ein wenig mit der zunge, um handsome zu sich zu locken. er kennt mich schon, sagte er laechelnd. dann bat er mich an seinen tisch, und ich setzte mich zu ihm.
er hiess swami und war meditationslehrer und reikimeister.
er begann, mir einen vortrag ueber meditation zu halten und darueber, dass es moeglich ist, dadurch frei zu werden. ich liess ihn reden, obwohl ich eigentlich keine lust drauf hatte, dass mir jemand einen vortrag haelt.
er versprach mir eine meditationsmethode, die wirklich gluecklich macht.
ich will eigentlich nur in dharamsala herumlaufen, sagte ich, und shoppen.
ich fand ihn doch irgendwie interessant und ging ein stueck mit ihm. er zeigte mir sein "behandlungslokal", das ein zimmer in einem guesthouse ist und nahm seine pudelmuetze ab, unter dem ein wirrer haarschopf zum vorschein kam. unter seiner gelben yogi-kleidung zeichnete sich ein ordentlicher kugelbauch ab.
er sagte, er sei sicher, dass unsere begegnung nicht zufaellig gewesen sei. erst der hund, handsome, dann haben wir angefangen, miteinander zu reden, so was passiere schliesslich nicht alle tage.
natuerlich war ich auf meiner hut, aber es gab nichts, was mein misstrauen erweckte.
ich glaube nicht, dass ich zu ihm gehe, um mir die meditationsmethode fuer "happiness" zeigen zu lassen. ich glaube auch nicht, dass ich sechs stunden mit ihm wandern gehe, wie er auch vorschlug.
aber der ausblick von seinem guesthouse war phantastisch.
ich habe uebrigens auch punkt drei erfuellt, mich wegen einer reisemoeglichkeit nach delhi erkundigt, und es sieht aus, als haette ich etwas gefunden, was meine beduerfnisse genau erfuellt.
und jetzt ist es zeit fuers kino.
ich liebe dharamsala!!

Dienstag, 17. März 2009

der verlust eines guesthouses und letzte station

liebe leser, die ihr es bis hierher ausgehalten habt! ich bin an meiner letzten station angekommen:
dharamsala. hier bleibe ich, bis es wieder zurueck nach delhi geht und dann zum flughafen. aber so weit bin ich noch nicht.
gestern abend in chandigarh habe ich mein guesthouse verloren.
dazu muss ich aber vielleicht erst erklaeren, wie ich es gefunden habe. ich hatte aus dem guidebook eine hotelempfehlung herausgesucht und liess mich von dem wiederstrebenden fahrradrikschafahrer dorthin fahren. er sagte, "fully booked", ich glaubte ihm aber nicht, weil ich den rikschafahrern irgendwie nicht so viel glaube, was natuerlich furchtbar ist, denn manchmal sprechen sie die wahrheit.
erst mal haute es mich vor dem hotel auf die schnauze und der rucksack fiel mir ueber beide ohren. ich rappelte mich wieder auf und kletterte die treppe des hotels hoch, um mir sagen zu lassen, das hotel sei "fully booked", es gaebe aber einhundert meter weiter ein hotel, in dem zimmer frei waeren.
als ich aus dem hotel ins freie trat, sprach mich ein lauernder mann an, ob ich ein guesthouse suche.
ich sagte natuerlich nein, weil ich in indien zu einem menschen voller misstrauen geworden bin.
der kleine lauernde mann liess mich aber nicht allein, folgte mir und wiederholte seine frage, bis ich ihn endlich anschnauzte, er solle mich jetzt in ruhe lassen, ich wuesste schon was, naemlich das hotel so-und-so.
ich ging zum empfohlenen hotel, liess mir ein scheussliches zimmer zeigen, einen horrenden preis sagen (der bereits die reduktion eines noch horrenderen preises war) und stand wenig spaeter wieder auf der strasse, so ziemlich am ende meines lateins. sollte ich vielleicht den nachtbus nach dharamsala nehmen? ein schrecklicher gedanke.
da tauchte der kleine lauernde mann wieder auf. taeuschte ich mich oder war in seinem gesicht ein gewisser triumph zu lesen?
guesthouse, ma'm?
na gut, sagte ich und schluckte meinen stolz hinunter, zeigen sie mir mal, was sie auf lager haben.
also fuehrte er mich ueber die strasse, in ein ruhiges wohnviertel hinein, wir bogen einmal rechts ab, dann wieder (oder links) und dann standen wir vor dem guesthouse, von dem ich gestern geschrieben habe.
der kleine mann begleitete mich dann noch einmal zurueck, zeigte mir den weg, und dieser war pipi-einfach, das viertel wirkte wohlhabend und gar nicht gefaehrlich. moppelige hunde sassen vor gartentoren, kinder spielten, frauen und maenner spazierten herum.
als ich dann, nach essen und internetbesuch, wieder zurueck wollte, fand ich das guesthouse nicht mehr.
ich ging ueber die strasse, in das wohnviertel hinein, dann einmal rechts, und dann wusste ich nicht mehr weiter. jetzt links oder rechts? ich probierte alles aus, aber ich fand einfach das guesthouse nicht.
um jetzt ein gestaendnis ueber mein leicht seltsames gehirn abzugeben, muss ich vielleicht einfuegen, dass ich kurze zeit sogar dachte, sie haetten das guesthouse-schild nur aufgehaengt, um mich zu taeuschen und einzufangen, und jetzt haetten sie es wieder weggetan, weshalb auch immer, um meine schmutzwaesche zu klauen?
ich fragte vater und sohn sikh, die ihren turban schon abgemacht hatten und mit barem haarknoten im garten ihres hauses mit irgendwas beschaeftigt waren (es war schon dunkel), aber sie konnten mir nicht helfen, was sie jedoch in ausgezeichnetem englisch formulierten.
als ich schliesslich noch ein wenig herumgeirrt war, fragte ich eine sikh-familie, einen mann und eine frau mit einer kleinen tochter, die einen mit kleinen spiegeln bedeckten anzug anhatte.
die frau wusste bescheid, und die familie begleitete mich zu meinem guesthouse. natuerlich gab mir der mann den guten rat, ich sollte naechstes mal die adresse aufschreiben...
und so sah das fruehstueck aus, das ich in meinem guesthouse zu mir nahm und das aus zitronentee und buttertoast bestand: heute morgen war ich also am long-distance-busbahnhof von chandigarh. wieder ein indisches wunder an sauberkeit und klarheit. ich konnte sogar einen jungen mit einem zucken meiner augenbrauen dazu bringen, eine serviette wieder aufzuheben, die er soeben auf den boden hatte fallen lassen.
ich hatte glueck: der bus fuhr bald ab, ich hatte einen sitzplatz und etwas miniproviant in meinem rucksack.
punjab gefiel mir eigentlich immer besser, je weiter noerdlich wir kamen. in meinem reisefuehrer hatte ich gelesen, dass dieser teilstaat relativ wohlhabend ist, was auf den einfluss der sikh zurueckgefuehrt wird, die hier wirklich das strassenbild beherrschen, obwohl sie nicht die majoritaet der bevoelkerung darstellen.
ab und zu kamen uns jetzt schon phantasievoll angemalte lastwagen aus himachal pradesh entgegen, und ich bekam ein gutes vorgefuehl.
ich teilte meine sitzbank zuerst mit zwei sich sehr ausbreitenden maennern, dann mit zwei sich zusammendrueckenden frauen mit kleinem kind.
der fahrer trug einen fliederfarbenen turban, hatte sich seinen vollbart schwarz gefaerbt und war so sehr in seine hupe verliebt, dass ich zum ersten mal in indien meine gehoerschutzstoepsel aus der tasche kramte.
ich wusste nicht genau, wie lange die busfahrt dauern wuerde. da ich aber bisher, wenn ich leute nach sowas gefragt habe, nie eine zutreffende antwort bekommen habe, beschloss ich, einfach abzuwarten. alles zwischen sechs und neun stunden erschien mir moeglich, fuer eine strecke von 250 km.
dann endlich fuhren wir in die berge, und mir ging das herz auf. hier gefiel es mir. es gab gepflegte haeuser, gepflegte gaerten, eine wunderbare landschaft, es gab gruen und blumen und grosse steine, taeler, gewaesser, menschen, die irgendwie zufrieden aussahen, und auch die kuehe und ziegen machten wieder einen zufriedeneren eindruck.
es gibt hier eine neue erscheinung, die ich aus suedindien noch nicht kenne: es sind die fliegenden busverkaeufer. einer hatte einen ganzen gemischtwarenladen von naehzeug bis taschenlampe in seiner umhaengetasche. ein anderer verkaufte wortreich ein mittel zur wasserreinigung (da ich kein hindi kam, ist das der schluss aus der tatsache, dass er das wort "pani" fuer "wasser" sehr oft verwendete und dann kleine weisse plastikflaeschchen aus der tasche zog). ein dritter verkaufte eine "maschine" (das war jedenfalls das wort, das er dafuer verwendet), mit der man aus orangen und zitronen den saft direkt extrahieren kann, ohne sie also aufzuschneiden und auszupressen.
eine solche "maschine" kaufte ich mir.
zum essen kaufte ich mir eine geschaelte und geschnittene gurke mit salz und kraeutern mit zitronensaft auf einem blatt, was sehr gut schmeckte, und eine mischung aus frittierten linsen, roten zwiebeln und einer art selleriewurzel (und natuerlich chili), auch mit zitronensaft, serviert auf einem stueck zeitungspapier. als esswerkzeug bekam man einen kleinen karton. auch das schmeckte sehr gut.
dann war ich in dharamsala, fuhr mit dem bus weiter nach mcleodganji, suchte ein guesthouse (auch das eine lange geschichte), fand ein bett im angenehmen "ladies venture" und werde morgen dort in ein eigenes zimmer umziehen.
mcleodganji ist ein freundlicher ort, es sind viele traveller auf der strasse unterwegs, aber auch viele tibetische moenche. viele exiltibeter leben hier, und ich ass eine tibetische nudelsuppe in dem kleinen sympathischen lokal mit dem namen "brothers in exile", das etwas wie ein musikrestaurant ist (die brueder haben auch eine eigene cd herausgegeben).
mein guesthouse, in dem ich ein bett im mehrbettzimmer bezogen habe, liegt neben einem nonnenkloster. es gibt tibetische buchlaeden, buddhistische buchlaeden, "normale" buchlaeden, man kann alle moeglichen dvds mit buddhistischen filmen kaufen, es gibt restaurants mit "original italian food", es gibt einen "green shop" mit ausschliesslich umweltfreundlichen artikeln.
und ich habe die ersten schneebedeckten gipfel des himalaya gesehen.
kurz, es gefaellt mir hier, ich bin froh, hierher gefahren zu sein, und ich werde die naechsten tage noch mehr berichten, bevor ich dann ins kloster einchecke.