Sonntag, 8. März 2009

little buddha cafe und kopfstand nummer drei

meine lieblingscafes in rishikesh heissen "cafe oasis" und "little buddha cafe".
wie man sich bereits vorstellen kann, sind sie nur von westlern (bzw. auch zahlreichen israelis und erstaunlich vielen russen) mit turban, om-t-shirt, yogahosen usw. bevoelkert, aber sie sind schattig, freundlich, "easy-going", wie man hier so sagt, man kriegt dort fruchtmuesli mit joghurt und honig und kann in ruhe einem niedrigen tisch gegen ein paar kissen gelehnt dasitzen (und z.b. das "glasperlenspiel" von hesse lesen, wie eine frau es tat) und einen milchkaffee oder einen minzentee trinken und sogar vollkorngebaeck von der sog. "german bakery" bestellen.
ich mag auch meinen alten yogalehrer im sri ved niketan ashram inzwischen.
das mikrofonkrachen vom ersten tag war nicht von ihm, sondern von elektrizitaetsschwankungen verursacht, habe ich inzwischen begriffen.
weil heute sonntag war, hatten wir eine zweieinhalbstuendige lektion mit vier verschiedenen meditationstechniken am ende.
nichts von dem, was er sagt, ist bloed, im gegenteil. er ist ganz simpel und hat nicht das geringste guru-gehabe. das yoga, das er lehrt, ist voellig unspektakulaer und vor allem der gesundheit zutraeglich.
"if anybody promises you bliss and peace, he is cheating you. you have to find bliss and peace in yourself".
ich mag auch die betonung, in der er immer wieder sagt: "you must feel comfortable".
wie es zuging, weiss ich nicht. aber gestern punkt fuenf stand ich wieder auf der schwelle meines power-yoga-raums, diesmal frisch gewaschen.
die japanerinnen waren nicht da (haben sie geschwaechelt?). von den anderen vier teilnehmer waren mindestens drei yogalehrer und koennen ihre fusssohlen kuessen, indem sie sich von hinten durch die beine beugen. dann gibt es noch einen thomas mit rastahaaren, der auch schon das erste mal da war und immer verzweifelt stoehnt, waehrend er mit baender und bloecken hantiert.
naja, und ich bin eben auch noch da.
inzwischen habe ich den kopfstand in der dritten position geuebt. d.h., dass man den kopf vom boden abhebt und nur noch auf den unterarmen steht. yogi kamal half mir dabei.
bei der bruecke musste ich allerdings passen.
man macht hier auch so eine komische rueckwaertsrolle, bei der ich auch einen ordentlichen anschubser von yogi kamal brauche, obwohl ich doch vom aikido an rueckwaertsrollen gewoehnt bin.
inzwischen konnte ich dem unterricht besser folgen, verstand besser, was er wollte.
nach dem power yoga ging ich in meinen ashram, um mich etwas waermer anzuziehen und meine stirnlampe zu holen (an den abenden wird es naemlich ziemlich kuehl), und dann ging ich essen. die stirnlampe braucht man, um nicht auf den dunklen wegstrecken in einen kuhfladen zu treten (die kuhfladen werden hier uebrigens ordentlich aufgesammelt und getrocknet und dann als brennmaterial verwendet).
das heisst ich schleppte mich zum essen.
am wegrand machten es sich die maenner der strasse auf steinhaufen bequem. ein bettler (ist es ein bettler oder ein heiliger mann?) hat fuer sein radio eine schoene huelle genaeht, mit loechern fuer die drehknoepfe.
ich sah yogi kamal auf einem schweren motorrad vorbeibrausen. auf dem ruecksitz sass eine kleine japanerin.
ich war so erschoepft, dass ich kaum den loeffel heben konnte, um mein masala-dhosa zu essen.
um halbneun schon kroch ich unter mein moskitonetz.
p.s. gestern waren uebrigens etliche freiwillige westler mit der reinigung des ganges-ufers (im wasser und am ufer) beschaeftigt. ich konnte wegen meines zehs nicht mitmachen, aber ich schaute mit grosser sympathie zu, wie sie mit gummihandschuhen und grossen saecken bewaffnet herumgingen und muell aufsammelten.

Samstag, 7. März 2009

esoteriksupermarkt

als ich mussourie verliess, war es noch frueh am morgen. ich kaufte mir an einem strassenstand einen tee und ein bread omelette, das ich mit einem hund teilte, der vor mir sass und mich auf hundeart anblickte, bis ich ihm ein stueck meines bread omelettes zuwarf.
man moechte vielleicht nicht so genau sehen, wie dieses bread omelette zubereitet wird. z.b. glaube ich, dass die schuessel, in der das ei mit der zwiebel und der chilischote verruehrt wird, nicht so besonders oft abgespuelt wird und dass das tuch, an dem der koch erst seine haende und dann den metallteller fuer mein omelette abwischte, nicht so besonders oft gewaschen wird.
an dem stand arbeiteten vater und sohn. der vater hatte gerade vor irgendeinem hinduistischen goetterbild eine raeucherkerze angezuendet und sich davor gesetzt, um zu beten und danach eine glocke zu laeuten, mit der er um den stand herumging.
der junge mann sah ziemlich missmutig aus mit seinem ihm offensichtlich auferlegten schicksal, sein leben an diesem strassenstand zu fristen und hier alt zu werden.

mein ziel war also rishikesh, das ich nach vier stunden busfahrt mit einmal umsteigen erreichte, und meine erste reaktion, als ich hier ankam, war mir inzwischen schon bekannt:
"ich will hier wieder weg!!" ("ich will heim!" "ich will in mein bett!" "ich will auf mein klo!"usw.)
inzwischen weiss ich, dass ich jedem ort nur ein wenig zeit geben muss, und das abstossende ist ploetzlich nicht mehr so abstossend. dann finde ich meine stellen und erlebe auch was schoenes, jedenfalls was interessantes, denn langweilig ist es in indien nie.
rishikesh ist eine art yogametropole am ganges, eine heilige stadt, pilgerstadt fuer die hindus, und es gibt hier wirklich ashrams wie sand am meer. es ist die erste stadt, die der ganges erreicht, der im himalaya entspringt, und man kann in seinem wasser, das hier noch ziemlich sauber ist und eilig dahinfliesst, ein bad nehmen und sich von frueheren karma-schichten befreien.
ich glaube, ich habe ziemlich viele ueble karma-schichten. so ein bad im ganges wuerde mich also schon reizen.
das erste, was mir in den sinn kam, als mich die rikscha an der fussgaengerbruecke absetzte, ueber die man geht, um in den "heiligen" teil der stadt zu kommen: "esoteriksupermarkt". die strasse war gesaeumt von allen moeglichen geschaeften, die esoterikkrimskrams verkauften.
es liefen westler mit schlabbrigen kleidern und gebetsketten herum, an den strassenraendern sassen sadhus in orangefarbener kleidung, die ihre haende ausstreckten, kleine jungs versuchten, kiesel aus dem ganges zu verkaufen, die man dann wieder in den ganges hineinwirft, weil das, so nehme ich an, glueck bringt, usw.
wenn es ein klischee von indien gibt, dann glaube ich, man kann es in rishikesh bestaetigt finden.
die stadt war also erstmal ziemlich ueberwaeltigend, und es war nicht leicht, sich zu orientieren.
ich hatte die adresse von einem ashram, der ein ziemlich lockeres programm fuer yoga und meditation anbot und keine voranmeldung erforderte und trabte also in diese richtung, vorbei an unzaehligen heiligen kuehen, heilig aussehenden maennern, staubigen bettlern und bauchladenverkaeufern, die mir postkarten vom taj mahal verkaufen wollten, usw. usw.
die stadt ist uebrigens hundert prozent vegetarisch. ich frage mich nur, was mit allen kuehen geschieht, die sich hier natuerlich auch vermehren und mit den schweinen, die ich hier auch auf den strassen gesehen habe.
im ashram, der ganz am ende dieses stadtteils am ganges lag und ziemlich farbenfroh bemalt ist, hatte man nur noch zwei einzelzimmer, eines mit und eines ohne bad, wie mir ein schlecht gelaunter mann an der rezeption mitteilte. beide raeume lagen am aeussersten ende des ashrams direkt neben dem stromaggregat, das gerade auf vollen touren lief.
ich warf einen schnellen blick in beide zimmer, fand erst das mit bad ekliger, entschied mich aber dann doch dafuer. bekam ein "sauberes" laken, legte gleich mein seidenlaken drauf und begab mich auf eine kleine tour durch den ashram.
ein schwede mittleren alters, der vor der yogahalle des ashrams sass und seine armbanduhr inspizierte, die er am vormittag bei der reparatur gehabt hatte und die jetzt schon wieder nicht mehr funktionierte, sagte, dass er jedes jahr ein paar wochen hierher kommt.
ein paar wochen!! dachte ich. so schlimm kann es ja nicht sein.
er sagte, das yoga am morgen ist angenehm, gut fuer die gelenke und so.
kurz danach kam seine schwester, die gerade einen yoga-vortrag besucht hatte, und sie wollten jetzt zu irgendeiner ayurveda-behandlung.
ich ging mittag essen. im madras cafe, das auf einem riesigen ueber die strasse gespannten banner fuer sich warb, mit dem hinweis darauf, dass es von allen international travel guides empfohlen wird, ass ich ein "meals" und ging aufs klo.
um aufs klo zu kommen, musste man erst aus dem cafe raus und eine treppe hochsteigen. das ist ja soweit nichts besonderes. dann musste man einen raum durchqueren, in dem ein mann auf dem boden lag und schlief (und offensichtlich wohnte). das klo war aber besetzt von einem weiteren mann, der sich gerade duschte, was ich durch eine ritze in der tuer sehen konnte.
nachmittags ging ich zurueck zum ashram, ich wollte ja nicht so sein und mich mal an dem programm beteiligen. fuer 3:30 p.m war naemlich mantra chanting und angeleitete meditation angesagt.
also, sorry. das ist halt mal indien. man kann sich ja nicht gegen alles sperren.
vier hanseln sassen in der riesigen meditationshalle vor einer tafel, auf der vier verschiedene mantras aufgeschrieben waren.
ein orange gekleideter lehrer mit grauem bart, der auf einem kanapee vor vielen bunten figuren (gurus und goettern) sass, sagte, er wuerde jetzt die mantras zeile fuer zeile vorsingen und wir sollten dann nachsingen.
waehrend wir so vor uns hinsangen (gegen das mantra ist an sich nichts zu sagen, ich hatte das schon im shantivanam ashram gesungen), hantierte der mann andauernd mit dem drahtlosen mikrofon herum, es krachte und pfiff und kreischte, und er verschwand hinter der tafel, wo er voellig uninspiriert weitersang und mit diesem mikrofon weiter machte, und wir sangen vor der tafel auch weiter, ebenso uninspiriert.
das hielt ich ungefaehr fuenf minuten aus.
dann ging ich.
ich wollte jetzt entweder weg hier oder was ordentliches finden. das wasser funktionierte immer noch nicht. ich war ziemlich verschwitzt.
ich ging also wieder am ganges entlang und kam an einer tafel vorbei, auf der mit filzschrift fuer tattvaa yoga geworben wurde.
wer sich mit yoga auskennt, sagt jetzt vielleicht "um gottes willen"! aber ich kenne mich mit yoga ueberhaupt nicht aus. der unterricht sollte in zwanzig minuten anfangen.
ich steckte also meinen kopf in einen netten kleinen raum hinein, in dem yogamatten am boden lagen und wo drei junge japanerinnen es sich bereits gemuetlich gemacht hatten.
ich fragte sie, ob sie das schon mal gemacht haetten, und ob es gut sei.
ja, es sei gut, sagten sie, aber: HARD!
naja, dachte ich, was drei kleine japanerinnen koennen, kann ich auch. irgendwie werde ich das schon schaffen. schliesslich kann ich den yogakopfstand und den vollen lotussitz.
der lehrer kam. yogi kamal, ein gut aussehender junger mann, der eine fantastische energie verbreitete. es zeigte sich, dass die japanerinnen schon in japan diesen yogastil geuebt hatten und wussten, was der lehrer wollte, wenn er es in seinem schwer verstaendlichen englischen singsang in den raum hineinrief.
vielleicht nennt man das auch power-yoga. es war jedenfalls das anstrengendste training, das ich jemals besucht habe.
am ende sollten wir nicht nur den yogakopfstand machen, sondern die beine auch zu einem 90 grad-winkel absenken und dabei die balance weiterhalten.
das war aber bei weitem nicht die schwierigste uebung. bei anderen uebungen drehte er meinen oberkoerper, zog an meinen armen und beinen, drueckte von hinten, rief "lift your heart" und gab mir schliesslich einen gutmuetigen klaps auf den ruecken: "rest!"
ich dampfte und genierte mich wegen meinem ungewaschensein.
yogi kamal sagte, ich wuerde wahrscheinlich morgen ein wenig muskelkater haben. dann empfahl er uns, gut zu essen, gut zu schlafen und mehr wasser zu trinken.
ich taumelte auf die strasse und fuehlte mich fantastisch.
nach einer dusche und einer runde kleiderwaschen ging ich dann abendessen in einem rooftop-restaurant, wo ich einen griechen kennenlernte. auch er kommt jedes jahr fuer mehrere wochen nach rishikesh. er hatte schon von yogi kamal und seinen yogastunden gehoert, die den ruf haben, sehr anstrengend zu sein.
wir unterhielten uns ueber ouzo, retsina, fetakaese, ueber lesvos, chios und natuerlich auch ueber indien.
ich glaube, yogi kamal ist es zu verdanken, dass ich in der nach gut schlief, unter meinem moskitonetz, das ich an der waescheleine ueber dem bett aufgehaengt habe und auf dem bett, das so hart war, dass ich mir ein polster unter die huefte legen musste, wenn ich mich zur seite drehte.
als ich am morgen aufwachte, besuchte ich die yogastunde im ashram.
der selbe orangegekleidete gutmuetige aeltere mann, der gestern die mantra-stunde geleitet hatte, sass auf dem kanapee. diesmal war die halle voll und das mikrofon funktionierte.
die uebungen waren einfach und fuer ungeuebte westler geeignet. danach folgte eine viertelstunde angeleitete meditation, bei der wir "om" vor uns hin summten.
immer wieder sagte der lehrer, "make yourself comfortable", und es war nichts gegen die stunde einzuwenden, weil sie, wie der schwede schon sagte, die gelenke schoen aufwaermte.
ich habe im ashram fuer vier naechte bezahlt. heute werde ich mal sehen, was rishikesh sonst noch fuer mich bereithaelt und ob ich mir vielleicht auch vorstellen kann, laenger hierzubleiben.
liebe gruesse!

Donnerstag, 5. März 2009

snaks bar in happy valley

um das sakshama cyber cafe in happy valley, der tibetischen kolonie von mussouri zu kommen, musste ich erstmal eine nicht besonders vielversprechende treppe hinaufsteigen und dann einen nicht besonders vielversprechenden gang entlang gehen. aber dann befand ich mich im herzen der cyber-community von happy valley. das cafe hat eine "snaks bar" und ist in erster linie von jungen maennern bevoelkert. und eben von mir.
newman mein name.
goodbye, newman, sagte der junge mann zu mir, mit dem ich mich im zug unterhalten hatte, im sitzen eingequetscht zwischen oberer und unterer pritsche. er wusste ziemlich viel. z.b. erklaerte er mir, dass es in europa germanische und romanische sprachen gibt, er wusste alle hauptstaedte europas und die verschiedenen laender suedamerikas, er konnte "was machst du" sagen, allerdings verstand ich es nicht, er wusste, dass die mauer 1990 gefallen ist (1989, warf ich ein) und deutschland davor aufgeteilt war in einen kommunistischen und einen kapitalistischen teil. und dass die deutschen hitler vergoettern.
halt. stop. da musste ich ihn natuerlich belehren und ihm einen kleinen vortrag halten. ich hoffe, dass er ihn verstanden hat.
ich gab ihm meinen pass und meinen impfausweis zu lesen. wir unterhielten uns ueber alles moegliche, z.b. ueber die schnarcher, die auf der mittelpritsche lagen, und ich lernte, was schnarchen auf hindi heisst, etwas wie "krate", was ich ziemlich lautmalerisch fand.
als der zug losfuhr, war ich fast allein in einem ganzen sleeper abteil.
was, sollte indien sich ploetzlich in ein paradies verwandelt haben?
aber als der zug an einem anderen bahnhof in delhi anhielt, stroemten die massen herein, hauptsaechlich studenten, die nach dehra dun fuhren, weil der ort naemlich ein zentrum fuer ausbildung ist, wie ich in meinem reisefuehrer gelesen habe. viele exiltibeter. und dann die zwei beleibten und missmutig aussehenden indischen maenner, die natuerlich mein abteil teilten und sich als grosse schnarcher entpuppten.
die studenten mussten sich bis lange in die nacht unterhalten. dann kam ein kleiner aufgeregter mann, der vor meiner sleeperabteilung herumschrie und beinahe eine schlaegerei angefangen haette. ich hatte keine ahnung, worum es ging, aber der schaffner kam dann und klaerte das problem, und die studenten kicherten und glucksten.
in dehra dun stieg ich, mit der hilfe des studenten, der sich so gut auskannte und der mich "newman" nannte, gleich in einen bus nach moussourie, das ist eine hill station.
hauptsaechlich, um irgendwo anzukommen, wo ich mich erstmal in ruhe sortieren kann, meinen rucksack auspacken, irgendwie zu mir kommen, vielleicht ein bisschen spazieren gehen.
was ich jetzt auch gemacht habe. ich wohne im hotel super. das ist kein witz. der hotelboy zog den vorhang beiseite und sagte: "view!" es war vielleicht seine besondere art von humor, ich sah naemlich nur eine mauer. aber das macht nichts. das hotelzimmer ist akzeptabel, fuer indische standards jedenfalls, und ich bleibe nur eine nacht hier.
das hotel wirbt uebrigens mit "wall-to-wall-carpet", was teppichboden bedeutet, aber auf den wuerde ich lieber verzichten, weil er ungefaehr 20 jahre alt ist (meine schaetzung) und der cleaning boy keinen staubsauger hat, sondern nur einen reisigbesen.
dass die bettlaken grosse dunkle flecken haben, liegt auch nur daran, dass einer meiner vorgaenger seinen fruehstueckskaffee darueber ausgeschuettet hat, der beim waschen nicht mehr rausgeht. und schliesslich habe ich mein wunderbares seidenlaken.
der zug und auch die strasse war uebrigens voll von orange gekleideten pilgern und heiligen maennern (sadhus), die unterwegs waren zu irgendeinem guru.
nach einer wunderbaren heissen dusche im hotel super ging ich in frische kleider gekleidet hinaus, um einfach ein bisschen durch die strassen zu schlendern. ich ass etwas zu mittag, in einem tibetisch-chinesischen restaurant mit dem namen "rice bowl" und trank einen ginger honey tee dazu.
irgendwann beschloss ich dann, zum buddha tempel zu gehen. nahm mir eine fahrradrikscha, und das war eine weise entscheidung, weil der weg laenger war als er auf der karte aussah, die ich im tourist office bekommen hatte. und als mich der rikschafahrer absetzte, musste ich immer noch eine halbe stunde laufen.
aber das machte nichts. die luft war kuehl und angenehm, die sonne schien, es gab kaum ein auto auf der strasse.
happy valley ist, wie der name es schon suggeriert, ein stadtteil, in dem wirklich eine friedliche stimmung herrscht.
heute habe ich ein neues sprichwort erfunden: wo man saet und pflanzt, da lass dich nieder.
eine fruehre muellkippe war (von einem herrn yongden oder so) in einen garten verwandelt worden und davor stand ein schild mit der aufforderung, die natur nicht mit gedankenlos weggeworfenem muell zu verschandeln.
viele kleine blumentoepfe (alte blechdosen oder plastikeimer) standen vor den haeusern, bepflanzt mit kraeutern und blumen.
von der tibetischen schule, einem riesigen gelben gebaeude, gingen die aelteren jungs zum tea shop, um dort etwas zu essen und physik zu lernen. ein paar maedchen gingen zum gipfel des bergs, auf dem an langen leinen unzaehlige gebetsfahnen flatterten, setzten sich dort alleine hin und lasen in ihren buechern.
es ist irgendwie so eine ruhige und respektvolle stimmung hier.
ich ging zum tempel, vor dem ein tibetischer moench sass, der in irgendeiner sanskritschrift las. ich zog meine schuhe aus und ging in den tempel hinein, nachdem ich den moench gefragt hatte, ob das in ordnung sei. dort sassen an kleinen tischen zwei schulmaedchen und rezitierten sutren, die auf grosse lange blaetter gedruckt und in orangefarbenen stoff eingeschlagen waren.
vor dem tempel waren auch viele blumentoepfe, mit kleinen pflanzen bepflanzt.
die aussicht ueber die berge war grossartig. eine alte tibetische nonne unterhielt sich mit einer tibeterin.
ich drehte an ein paar tibetischen gebetsmuehlen, die das "om mani padme hum" auf unzaehligen zetteln enthalten.
und jetzt bin ich im sakshama cyber cafe, das die langsamsten computer hat, die ich seit langem erlebt habe und in das grade ein paar kleine und gutgelaunt schnatternde kleine jungs hereingekommen sind, die aber vom cyberchef mit einem schnalzen der zunge wieder hinauskomplimentiert wurden.

Mittwoch, 4. März 2009

hindi und mein grosser zeh

(der internetmann hat die preise jetzt wieder erhoeht.)
ich weiss nicht, warum mir delhi so unfreundlich vorkommt. aber ich bin ja nicht die einzige. auch die inder bestaetigen es mir. heute hatte ich noch eine weitere theorie: vielleicht liegt es an der sprache. hindi klingt naemlich ziemlich hart, viel anders als das gutturale und singende tamil oder auch mayalayam, das man in kerala spricht.
dabei kann ich mich nicht beschweren. niemand ist ja so richtig unfreundlich zu mir gewesen, und ich bin eigentlich im grossen und ganzen gut zurecht gekommen, vielleicht auch, weil ich meine strassenhundeigenschaften schon ziemlich weit entwickelt habe.
in ein paar stunden geht es jetzt zum zug. das klingt einfach. aber es ist mir doch ein bisschen bange. vor den verhandlungen mit dem rikschafahrer. vor dem gedraenge am bahnhof usw.
ich bin sehr froh, dass bald eine ganze naechtliche zugfahrt zwischen mir und delhi liegt.
heute war museumstag. ich machte mich in der frueh mit saba, meiner zimmergenossin aus kashmir, auf den weg, weil sie in der selben gegend arbeitet, in der das museum liegt.
kurz vor zehn am museum angekommen, lieferte ich meine tasche in einem clark room ab, wo sie von einem sicherheitsmann eingeschlossen wurde, der mir daraufhin den schluessel ueberreichte, ein ziemlich pfiffiges system.
dann ging ich durch die sicherheitssperre mit der aufschrift "ladies" (ueberall in delhi sind solche sicherheitssperren, aber in der regel weiss ich nicht, worauf die sicherheitsmenschen eigentlich achten. es piepst sowieso bei jedem. manchmal muss man seine tasche oeffnen, und sie werfen einen kurzen blick hinein, und das war es dann), kaufte mir eine eintrittskarte zum auslaenderpreis, liess mir eine audiofuehrung aushaendigen, fuer die ich 2000 rupies pfand daliess (ein vermoegen) und liess mir von einer museumsdame mit einer roboterhaften stimme erklaeren, dass leider nicht alle teile der sammlung zugaenglich seien.
dieses museum ist glaube ich das schmuckstueck indiens, 1949 eroeffnet und 1960 in diesem gebaeude untergebracht. es stank fuerchterlich nach dem putzmittel, mit dem hier ueberall geputzt wird.
die audiofuehrung war ganz gut. ich hatte die englische version gewaehlt (es gab auch deutsch) und freute mich an dem schoenen akzent des englischen sprechers und an seinem echten enthusiasmus. das einzige was komisch war: die objekte, die von der audiofuehrung erklaert wurden, waren oft gar nicht beleuchtet, weil die birne ausgefallen war.
ich hatte keinen ehrgeiz, mir was zu merken, lernte aber ein paar interessante dinge. z.b. die legende von ganga, der flussgoettin, die in shiva verliebt war, doch von ihm zurueckgewiesen wurde. daraufhin wurde sie so unglaublich wuetend, dass sie die ganze erde zu verwuesten drohte. aber shiva verwandelte diese wut irgendwie in seinem kopf, so dass ganga zu einem grossen fluss wurde, dem ganges.
es waren natuerlich viel mehr abteilungen geschlossen als nur ein paar, und die die geoeffnet waren (muenzen und waffen) interessierten mich nicht besonders. das ganze museum machte einen etwas duesteren eindruck, obwohl es von aussen ein imponierendes gebaeude ist. als ich nach zweieinhalb stunden wieder in die hitze hinaustaumelte, hatte ich hunger.
mein plan: ich gehe jetzt zur nationalgalerie fuer moderne kunst, die ein ganz neues und frisch eingeweihtes gebaeude hat und sicher eine funkelnagelneue cafeteria, so ungefaehr im stil mit moderna museet in stockholm. ich stellte mir tatsaechlich was wie caffe latte vor, weil ich halt immer noch nichts gelernt habe.
nahm mir fuer den kurzen weg eine rikscha, weil ich aus meinen erfahrungen gestern klug geworden war (wo ich vergeblich versucht hatte, die strasse zu ueberqueren).
ihr habt es natuerlich schon erraten: es gab keine cafeteria und kein restaurant und ueberhaupt nirgendwo in der ganzen gegend, wie man mir am eingang mit duesterem blick versicherte (ich glaube, die bewohner von delhi haben auch nicht meine sorte von humor, ich fand es also gar nicht lustig), und ueberhaupt wuessten sie ueberhaupt nicht, wo man in ganz delhi was zu essen bekommen koennte.
schliesslich liess ich mich von einer rikscha zum naechsten restaurant bringen. ich nahm mir vor, mich heute so richtig zu verwoehnen (schliesslich ist der geburtstag meiner schwester), und ging in ein restaurant mit dem namen ichibana, das von einem mann in uniform bewacht wurde und ziemlich vornehm aussah. es war ein restaurant fuer chinesische, thai und japanische kueche, und die klimaanlage war auf hochtouren eingestellt.
dort bestellte ich sieben gemuese in cremiger knoblauchsosse und dazu reis, pickte mit meinen staebchen hungrig das ganze sauer eingelegte gemuese schnell weg, das man mir als appetitanreger hinstellte, trank ein fruchtbier, verspeiste eine portion, die auch fuer zwei gereicht haette und schluerfte hinterher noch einen eiscafe. dann liess ich noch ein koenigliches trinkgeld da, und zufrieden mit mir und der welt schlenderte ich zurueck zur nationalgalerie fuer moderne kunst.
dort kaempfte ich mich dann in ungefaehr zwei stunden durch eine stattliche anzahl gemaelde. vieles ziemlich interessant, aber eben auch eine bunte mischung, was ziemlich ermuedet, wenn man keinen einzigen namen kennt.
eine kuenstlerin blieb bei mir haengen: amrita sher-gil. ich hatte von ihr noch nie etwas gehoert, aber die bilder hatten wirklich was besonderes. sie war die tochter eines indischen sikh und einer ungarin, studierte in paris kunst und kam im alter von 21 jahren auf der suche nach ihrer indischen identitaet nach indien. tragischerweise starb sie nach einer kurzen krankheit schon im alter von 28. die bilder haben eine unglaublich kraft und eigenstaendigkeit, was man von vielen anderen ausstellungsstuecken nicht sagen konnte. im museumsshop habe ich dann ein buch ueber sie durchgeblaettert und gesehen, dass fast ganze familie kuenstlerisch taetig war.
so, und jetzt bin ich wieder hier.
noch was muss ich erzaehlen. auf dem weg von der jugendherberge zu meinem internetpoint komme ich immer an einem verfallenen haus vorbei, in dem offensichtlich zwei alte leute wohnen. ich freue mich immer, wenn ich da vorbei komme, weil sie eine solche wuerde ausstrahlen. sie haben auch einen hund, einen spitz, der immer stolz und wachsam vor dem eingang liegt und weiss, dass er einer der wenigen hunde in delhi ist, um den sich jemand kuemmert.
ach, und jetzt sehe ich, dass ich in der ueberschrift meinen grossen zeh erwaehnt habe. ich muss also noch sagen, dass ich mir vorgestern den rechten grossen zeh ganz boese angehauen habe, als ich auf dem weg in die metro war. mir wurde so schlecht, dass ich mich am gelaender anhalten musste, was gleich einen alten mann zu schimpftiraden verleitete. der halbe zehennagel hat sich aus dem nagelbett gehoben, ist aber nicht abgegangen. und jetzt ist also der halbe zeh so ziemlich schwarz. ich habe ihn mit einem polster geschuetzt, aber geschlossenen schuhe kann ich die naechsten tage wohl nicht anziehen.
wenn ich mich wieder melde, bin ich schon ein paar hundert kilometer weiter noerdlich.

Dienstag, 3. März 2009

was zu delhi und was ich hier so gemacht habe

ich habe gestern eine zweistuendige fahrradrikscha-tour durch old delhi gemacht.
voellig apathisch sass ich auf der bank (ich hatte eine rikscha mit sonnendach gewaehlt) und liess mich einfach durch die gassen transportieren.
waere man laenger hier, das chaos wuerde sich ordnen: hier ist die schuhgasse, hier die gewuerzgasse, hier die brillengasse, hier die gasse fuer hochzeitskarten, hier die gasse fuer elektronische artikel, hier die buechergasse usw.
es ist ein voellig unbegreifliches wunder, dass bei dem chaos und dem gedraenge immer noch was weitergeht. der verkehr wird hauptsaechlich von fahrradrikschas bestritten. ausserdem gibt es haufenweise zugkarren, auf denen waren durch die gassen transportiert werden. ein alter mann sass mit mehreren stapeln gefuellter eierkartons in einer fahrradrikscha.
eine muslimische begraebnisprozession kam vorbei, die nur aus maennern bestand.
kleine schulmaedchen in uniform und mit geflochtenen zoepfen wurden mit schulrikschas nach hause gebracht, auf deren baenke jeweils sechs maedchen platz hatten. hinten hingen an einem haken sechs bunte rucksaecke. andauernd wird gerufen und gehupt, ungeduldig an der rikscha des nachbarn geruetttelt.
die traeger haben sich auf ihre zugkarren gelegt und schlafen in der mittagshitze.
irgendwo wird essen in kleinen papierschuesseln kostenlos ausgeteilt, und es bilden sich lange schlangen.
der mann vom internetpoint sagte uebrigens, er hat heute den preis fuer das internet gesenkt, weil ich am vormittag zu ihm gesagt habe, dass dies das teuerste internet ist, das mir in indien begegnet ist. das ist auch delhi. die ganze zeit hat man das gefuehl, dass die stadt gegen einen ist, und dann kommen so nette gesten, auch wenn es vielleicht nur die halbe wahrheit ist.
ich habe heute mit einem mann aus mumbai zu mittag gegessen. ich hatte ihn in irgendeinem kleinen laden gefragt, ob das restaurant nebenan gut sei, weil ich gehoert hatte, dass er gut englisch sprach. er sagte, wenn du gut essen willst, dann iss nicht hier. er bot mir an, mich mit dem auto ein stueck mitzunehmen, zu einem guten restaurant, und schliesslich lud er mich sogar ein. es war das beste essen, das ich in delhi bisher gegessen habe.
er war koch. wir redeten ueber essen. er hat vor, ein restaurant zu eroeffnen, in dem traditionelles indisches essen serviert wird.
was zum beispiel?
zum beispiel gefuellte auberginen, gefuellter indischer kaese (mit einer mischung aus nuessen und spinat gefuellt), etwas mit lotusblueten. klang lecker.
am fernsehen wurden szenen von dem kricketspiel in pakistan gezeigt, bei dem einige spieler aus sri lanka (?) von terroristen angeschossen wurden.
wir unterhielten uns ueber delhi, und er teilte meine ansicht, dass delhi eine harte stadt ist. mumbai sei anders, die leute freundlicher, der verkehr nicht so chaotisch.
auch in chennai sind die menschen viel warmherziger, freundlicher als hier.
hier laechelt einen kaum jemand an.
ich habe heute uebrigens ungefaehr eine viertelstunde lang vergeblich versucht, eine fuenfspurige fahrbahn zu ueberqueren.
dann war ich kurz davor, den verstand zu verlieren. ich zeigte den autofahrern den vogel.
es gab auch nicht das geringste anzeichen eines fussgaengeruebergangs.
und wenn es einen fussgaengeruebergang gibt, dann heisst das so viel wie nichts, null, nada.
gestern lief ich bei connaught place, dem kommerziellen zentrum, von delhi herum und wurde ungefaehr alle fuenfzig meter von jemandem angesprochen.
where do you come from?
ma'm, what are you looking for?
ma'm, you want to go somewhere? riksha? taxi?
ma'm, this block B.
ma'm, can I help you?
einer spielte beleidigt, als ich seine frage nicht beantwortete.
ich sagte zu ihm, jeder, der mich hier anredet, ist sowieso nur an meinem geld interessiert.
ich aber nicht, sagte der beleidigte rikschafahrer, ich will mich nur unterhalten.
ich unterhielt mich also mit ihm. wo ich herkomme, wie lange ich schon hier bin, wie lange ich noch bleibe. ich hatte keine lust, die wahrheit zu sagen und erfand irgendwas.
danke, dass sie sich mit mir unterhalten haben, sagte er.
bitteschoen, sagte ich.
auf wiedersehen.
auf wiedersehen.
ma'm you from france?
no.
germany?
no, finland.
oh, finland, nice.
hundert meter weiter spricht mich ein anderer mann an.
you from finland?
(sein kumpel hatte ihn angerufen und die information weitergegeben)
no, from iceland.
iceland? oh, i thought you from finland. iceland, i don't know so much from iceland.
it's very very cold. only ice. veeeeery cold.
only ice. oh. what you do in india?
i go fishing. i like fishing whales.
ein paar hundert meter weiter:
ma'm, where you come from?
from nowhere.
oh. norway? what are you looking for?
was habe ich noch in delhi gemacht? ich habe ein choco baby (eis am stiel gegessen), ich habe in einer barista espressobar einen cappuccino fuer 55 rupies getrunken und ein gespraech mit einem mann mit dem namen ali gefuehrt, der im sommer eine kanadierin heiratet und nach kanada zieht.
er redete von der korruption in indien und darueber, wie furchtbar delhi ist.
alle inder scheinen nur wegzuwollen aus indien.
auf dem kleinen marktplatz, wo ich immer ins internet gehe, bietet fast jeder kleine kiosk visum-formulare fuer die usa an.
ich hatte heute eine theorie: als tourist in delhi man eine art strassenhund, den gesetzen der strasse ausgeliefert. man muss sich bestimmte ueberlebenstechniken aneignen, schnell reagieren koennen und immer auf der hut sein.
die kunst in delhi bus zu fahren: die kunst auf einen fahrenden bus aufzuspringen und aus einem fahrenden bus wieder auszusteigen und sich davor durch den ganzen bus durchzudraengen und den busfahrer durch gezieltes rufen dazu zu bringen, bei der haltestelle zumindest die geschwindigkeit zu verlangsamen.
ich habe mir in delhi von einem schuster auf der strasse die naht meiner schuhe naehen lassen.
heute habe ich den Qutab Minar besucht, das ist so ein riesiges minarett, das irgendwann im 12. jahrhundert von einem muslimischen herrscher gebaut wurde. ich kann mit dieser art von triumphaler phallischer religionsarchitektur nichts anfangen, schon gar nicht, wenn ich lese, dass dieser herrscher buddhistische kloester zerstoeren und moenche abschlachten liess. daneben wollte dann ein anderer herrscher ein noch groesseres minarett bauen lassen, aber er starb waehrend der bauarbeiten, und jetzt steht nur ein haesslicher kleiner stumpf da.
diese mausoleums-sucht kann ich auch nicht begreifen. vielleicht habe ich deshalb inzwischen keine lust mehr, zum taj mahal zu fahren. es ist mir aber auch ganz einfach zu stressig.
auf dem gelaende des Qutab Minar fand eine filmeinspielung fuer irgendeines dieser indischen musikvideos statt. dreissig oder vierzig junge maenner in dunklen (abgetragenen) anzuegen, mit krawatte und einem vor mund und nase gebundenen taschentuch mussten in der mittagshitze eins ums andere mal eine tanzeinlage wiederholen, bis der regisseur endlich zufrieden war.
ich wollte dann noch in das museum fuer moderne kunst, habe aber so viele widerspruechliche richtungshinweise bekommen, dass das museum, als ich ankam, nur noch zwanzig minuten geoeffnet war und ich das vorhaben also auf morgen verschob.
morgen abend fahre ich dann mit dem nachtzug nach dehra dun. alle sagen, dass uttrakhand schoen ist und dass die leute dort nett sind. wahrscheinlich werde ich dort waermere kleider brauchen.
bis dann, alles liebe.

3. was ein mensch so macht

(diesen eintrag habe ich eigentlich gestern schon mal geschrieben, aber dann kroch der internetmann unter meinen tisch und sagte, just a minute, und ich dachte noch, soll ich jetzt vielleicht vorsichtshalber auf "speichern" druecken, aber da hatte er schon das stromkabel herausgezogen, und alles geschriebene war verschwunden. ihr koennt euch vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe. er murmelte was von "technical problems", aber es tat ihm wirklich leid.)
also, wo war ich stehen geblieben.
als ich mich um sieben uhr anzog und hinunter zur rezeption des "star palace" ging, um zu sagen, dass ich von hier weg will, auschecken, um jeden preis in der welt, da begegnete man mir mit gleichmut. eigentlich, dachte ich, ist es vielleicht hier gar nicht so schlecht. bei tageslicht besehen sieht ja alles immer ein bisschen rosiger aus. nicht mal die erhoehten parkgebuehren fuers taxi wollte der mann an der rezeption jetzt haben.
sogar der boiler in meinem "badezimmer" funktionierte. das haette ich mir nie gedacht, weil naemlich die haelfte von diesem boiler irgendwie an ein paar duennen kabeln hing.
ich schuettete also heisses wasser ueber mich, fuehlte mich zwar furchtbar unausgeschlafen, aber wie eine art mensch, und ging mit meinem rucksack hinaus in die kuehle delhi-morgenluft. also wenn ihr euch jetzt eine normale strasse vorstellt und einen buergersteig oder so was, dann kann ich nur sagen: falsch. falsch. falsch. es war eine art hinternebengasse, schmal und staubig.
gleich neben dem hotel "star palace" fiel ich ein paar stufen hinunter in ein kleines schummeriges cafe, das sich "momos cave" nannte und ungefaehr fuenfzehn plaetze an vier tischen hatte. eine art gemuetliches wohnzimmer mit chinalaternen und marokkanischen hockern, und an der wand war ein buecherregal, in dem englische, deutsche und sogar schwedische buecher standen.
"momos cave" war voellig fuer die beduerfnisse von travellern eingerichtet und auch nur von solchen besucht. am nebentisch sassen zwei indienerfahrene reisende aus mexico, die gerade einem jungen mann aus korea erklaerten, was man in delhi alles machen konnte.
ich ass ein "healthy breakfast", das aus muesli mit fruechten und joghurt und honig bestand (nur wer zwei monate in indien gewesen ist, weiss, wie gut ein muesli schmecken kann) und trank dazu einen milchkaffee (dito!).
dann machte ich mich auf die suche nach einer autorikscha, was natuerlich nicht schwer war.
der erste rikschafahrer war sofort bereit, mich zur jugendherberge zu fahren, obwohl er nicht genau wusste, wo sie lag. wir vereinbarten einen preis, der natuerlich viel zu hoch war, aber ich hatte keine kraft zum kaempfen mehr und kannte auch delhi nicht gut genug und liess ihn durch nebenstrassen kurven (damit mir der weg laenger vorkam), ohne zu protestieren, fragte ihn nach seiner familie und war insgesamt ziemlich nett. schliesslich brachte er mich aus der hoelle weg. als ich ihm schliesslich die 200 rupies in die hand drueckte, kuesste er sie, bevor er sie in die hemdtasche steckte und nannte mich seinen "gott". naja, das war ein leicht erworbener titel.
die jugendherberge liegt in new delhi, im diplomatischen viertel, und eigentlich kann man sich nicht vorstellen, dass eine stadt solche extreme beherbergt. hier sind die strassen breit, der himmel hoch, es stehen baeume herum, der verkehr ist maessig. es ist ein reiches, reiches viertel, aber deshalb faehrt man ja eigentlich nicht nach indien.
mann, war ich erleichtert, als ich in der rezeption der jugendherberge sass. alles war so sauber und ging irgendwie so geordnet vor sich. sogar fuer meinen schwedischen jugendherbergsausweis hatte ich ploetzlich verwendung.
ein bett im mehrbettzimmer kostet 150 rupies, das sind umgerechnet 2 euro 50. inklusive fruehstueck.
weil grade geputzt wurde, machte ich mich auf einen spaziergang durchs diplomatenviertel. ich kam sogar an der deutschen botschaft vorbei, vor der ich stehenblieb und ueber die mauer auf die verspiegelten fenster blickte, um zu denken: da sitzen leute, die fuer dich da sind. fuehlte sich irgendwie einen moment lang erhebend an.
eine sehr breite paradestrasse war in abstaenden von ungefaehr hundert metern von vielen polizisten gesaeumt, die mir immer aufgeregt zuwinkten, was aber nicht bedeutete, dass ich dort nicht gehen durfte, nur, dass ich mich irgendwie beeilen sollte. ich verstand es nicht genau und ging einfach weiter. schliesslich wurde ich von einem polizisten ganz von der strasse weg- und in eine gruenanlage hineingewunken, wo schon ein paar leute standen, als faende eine verschwoerung im gebuesch statt. ich bekam die erklaerung, dass wir hier ein paar minuten warten muessten, bis irgendeine wichtige person mit polizeieskorte vorbeigefahren waere.
nach einem kurzen mittagsschlaf in der jugendherberge (ich kann diese jugendherberge nicht genug loben. alles total sauber. der schlafsaal, in dem sechs betten stehen, hat ein eigenes klo und eine eigene dusche) versuchte ich irgendwie das oeffentliche transportsystem dieser stadt zu erkunden.
ich hatte naemlich die indischen rikschafahrer ziemlich satt.
nach einigem herumirren und fragen fand ich schliesslich auch einen bus, der mich zur metrostation "central secretariat" fuhr, und von dort nahm ich eine metro nach old delhi.
die u-bahn hier hat ein seltsames token-system. man kann auf einem plan nachschauen, wieviel rupies es zu der u-bahn-station kostet, die man ansteuert, und dann kauft man an einer kasse einen entsprechenden token. erst dachte ich, ich kann ja gleich zehn tokens kaufen, kaufte aber dann erstmal nur zwei, einen fuer die hinfahrt und einen fuer die rueckfahrt.
jetzt weiss ich, dass man immer nur einen token kaufen darf. ein kontrolleur zog meinen zweiten token ein und schaute mich mit ironischem laecheln an. erst dachte ich, he, spinnt der. dann kam sofort ein englischsprechender inder zur hilfe, konnte aber meine aufregung auch nicht besaenftigen. ich sagte schliesslich zu dem laechelnden kontrolleur. sie brauchen gar nicht so zu laecheln, ich bin schliesslich fremd hier und kenne ihre regeln nicht.
dann fing ich zum ersten mal an diesem tag wirklich an zu heulen.
draussen vor der u-bahnstation lag erstmal eine reihe bettler. ein mann mit von der lepra zerfressenen haenden. ein mann mit einer voellig infektierten hand. ein paar uebel aussehende hunde. kinder, die gleich die haende ausstreckten nach mir.
ich war an meiner indiengrenze angelangt.
jeder arme fahrradrikschafahrer, der mich mit "hallo, ma'm" zu werben versuchte, wurde erstmal angeschrien: will you please leave me alone? ich tat mir ehrlich ziemlich leid und ging schlucksend weiter.
liess mich in die gassen von old delhi hineinziehen. kam zur moschee jama masjid, wurde aber nicht eingelassen, ob es daran lag, dass ich eine frau war und gerade irgendeine besondere zeit nach oder vor irgendeinem gebet oder vor dem sonnenuntergang war, spielte eigentlich keine rolle fuer mich. ich hatte alles satt, setzte mich auf die stufen und versuchte mich zu sammeln.
ploetzlich spritzte was von hinten gegen meinen ruecken. ich drehte mich um. ein paar stufen ueber mir kotzte ein mann.
naja. ich weiss nicht, ob es jemanden wundert, dass ich delhi ziemlich scheisse fand.
ich trank in einem auf autoreifen spezialisierten viertel einen tee an einem stand. als ich den tee schon fast ausgetrunken hatte, sah ich das wasser, in dem die teeglaeser abgespuelt wurden. es hatte ungefaehr teefarbe.
der teeverkaeufer spuckte in einem strahl eine rote fluessigkeit auf den boden.
ich hatte immer noch nicht genug. schliesslich litt ich unter schlafmangel und bewegte mich wie einer schlafwandlerin. kennt vielleicht jemand diesen zustand?
liess mich also weiter durch die gassen treiben. es zeigte sich, dass ich in einem muslimischen viertel gelandet war. verschleierte frauen, maenner mit kaeppi. enge gassen, und trotzdem fahrradrikscha- und mopedverkehr in beide richtungen.
hammel und schafe an kurzen leinen oder ketten, die gefuettert und spaeter geschlachtet werden.
huehner in enge kaefige gepfercht, und neben ihnen werden ihre artgenossinnen gekoepft und gerupft und gleich gegrillt.
ich stolperte einfach irgendwie so weiter. es war, als ginge es staendig bergab und wuerde staendig dunkler oder duesterer. schliesslich war ich am ende meines muts angelangt. alles kam mir heute so bedrohlich vor.
ich stieg also auf eine fahrradrikscha und liess mich wieder zu u-bahn fahren. von dort aus zurueck zur jugendherberge. ich traf meine zimmergenossin, eine junge frau aus kaschmir. ich duschte und dann ging ich mit der jungen frau, die saba heisst, abendessen im speisesaal der jugendherberge.
sie erzaehlte mir was von kaschmir, ihr erzaehlte ihr was vom hotel "star palace", und um halbneun legten wir uns schlafen. ich schlief sofort ein und schlief wie ein stein die ganze nacht.
sorry, dass dieser eintrag so lang wurde. hoffe, ihr seid nicht eingschlafen.

Montag, 2. März 2009

2. von der hitze chennai in die hoelle delhis

ich traf meinen rikschafahrer wieder!
er stand wie immer vor dem ywca, begruesste mich ueberschwenglich. er brachte mich nach dem fruehstueck in die stadt. ich hatte naemlich beschlossen, ein paar kleider zu kaufen.
dann ueberredete er mich, mit ihm am nachmittag zum flughafen zu fahren.
die hitze in chennai ueberwaeltigte mich ziemlich. ich huepfte von einem schatten zum naechsten. irrte ein wenig herum auf der suche nach einem geldautomaten, der mir geld geben wollte, dann ging ich in mein geliebtes fabindia und gruschte mindestens zwei stunden herum. alle kleidungsstuecke dort sind einzelstuecke, und alles hat gute qualitaet, ist irgendwie fair hergestellt und mit beruecksichtigung alten handwerks usw., die preise sind etwas gehobener, aber fuer uns immer noch guenstig. und alles ist wahnsinnig schoen.
ich kaufte vier blusen und eine hose und einen schal fuer mich.
ich fand auch ein geburtstaggeschenk fuer ingrid, verrate aber nicht, was es ist.
dann nahm ich eine rikscha zurueck und war rechtzeitig im hotel, um mittag zu essen.
es war ein ziemlich angenehmer und luxurioeser tag.
dann packte ich ein paar alte kleider, die ich nicht mehr mitnehmen wollte, in eine papiertuete und ging zum bahnhof, wo ich ein paar strohhuetten gesehen hatte.
ich gab die tuete zwei jungen frauen, die gerade abspuelten. ich habe natuerlich keine ahnung, ob sie was damit anfangen koennen.
ausserdem hatte ich noch ein paar stifte, die ich an die kinder verteilte, die dort herum liefen.
dann trank ich tee im hotelfoyer, setzte mich in den garten und schaute einer gans zu, die herumlief und gras rupfte. der rikschafahrer tauchte auf und winkte mir zu.
schliesslich zahlte ich meine koenigliche rechnung.
es begann schliesslich eine irre fahrt zum flughafen. ich glaube, ein auto braucht eine dreiviertelstunde. mit meinem rikschafahrer schaffte ich die strecke in einer guten halben stunde. dabei hatte ich es gar nicht so eilig. er ist vielleicht der beste fahrer, den ich in meinem leben erlebe habe, auch wenn ich seinen fahrstil nicht zur nachahmung empfehlen moechte. er jagte ueber die strassen, als sei der teufel hinter ihm her, draengte sich in jeden zwischenraum, der sich oeffnete, ueberholte links und rechts und drueckte immer wieder die kleine gruene troete, die an seiner rikscha festgeschraubt ist.
er fand dann den vereinbarten preis natuerlich doch zu niedrig und ueberredete mich, ihm mehr zu geben, worauf ich mit einem "god bless you" ins flughafengebaeude entlassen wurde.
um es kurz zu machen: wir kamen mit zwei stunden verspaetung in delhi an, und am flughafen indira gandhi erwartete mich ein sauerer kleiner taxifahrer mit wollpullunder. das hotel hatte ihn naemlich nicht ueber die verspaetung informiert, obwohl ich angerufen hatte. ausserdem war das flugzeug mindestens eine stunde ueber delhi gekreist, bevor wie landeerlaubnis bekamen.
ich weiss nicht, warum es mich beruhigte, dass der pilot einen amerikanischen akzent hatte...
dieser kleine und eigentlich ziemlich unsympathische mann fuhr mich dann zu meinem hotel "star palace".
was den fahrstil angeht, so war der unterschied zu meinem rikschafahrer die fehlende eleganz. waehrend jener ein kuenstler ist, ein taenzer der strasse, so war dieser taxifahrer ein kleiner wuetender bulldozer.
einmal fragte ich ihn an der ampel, warum er hupte, obwohl die ampel doch rot war und offensichtlich alle autos warten mussten. er sah mich verstaendnislos an und laechelte ein wenig bloed. er blinkte auch staendig mit dem licht auf und ab, obwohl es ueberhaupt keinen grund dafuer gab.
von der geschwindigkeitsbegrenzung will ich gar nicht reden.
im flugzeug haelt sich auch kaum einer dran, dass man sein handy erst wieder einschalten soll, wenn das flugzeug steht.
wenigstens hatte dieses auto einen sicherheisgurt.
schliesslich zog sich delhi zusammen, wurde enger, es standen ploetzlich kuehe herum, die strasse bestand ausschliesslich aus loechern, ueberall lag muell herum, und eine prozession mit trommeln und laternen hielt den verkehr auf. es war inzwischen schon nach elf.
der taxifahrer hupte natuerlich trotzdem wie ein bloeder, ich hielt meine kamera aus dem fenster. "eine hochzeit", klaerte mich der taxifahrer auf.
paharganj? fragte ich. es ist das beruehmte backpackerviertel in der naehe vom bahnhof, wo ich nicht wohnen wollte und jetzt doch wohnte. ja, paharganj.
und da waren wir schon beim hotel.
wenn ich eine lektion gelernt habe, dann ist es die: mach dir nie, wirklich niemals vorstellungen. und glaube niemals, was du im internet siehst.
der "star palace" war naemlich eine ziemlich heruntergekommene kaschemme.
erstmal wurde ich drueber aufgeklaert, dass ich wegen der verspaetung meines flugzeugs die erhoehten parkgebuehren des autos zahlen musste.
mein adrenalinspiegel stieg wieder ein bisschen mehr. nie im leben, sagte ich. schliesslich habe ich angerufen. und. und. das problem wurde auf den naechsten tag verschoben.
dann wurde ich zu meinem zimmer gefuehrt. erstmal kramte ein alter mann aus einem stapel waesche, der sauber sein sollte, aber ziemlich schmutzig aussah, ein handtuch.
dann ging es ein paar treppen hoch. voila. das zimmer. es war klein und schmuddlig. und das bad war noch kleiner und noch schmuddliger (es hatte ungefaehr die groesse meines schreibtischs). ein nasser fussabtreter lag davor. auf dem boden lag noch der muell des vorgaengers, und auf dem bett lag eine zur blume gefaltete decke, die ich sofort davon wegtat, was einen grossen riss im bettlaken offenbarte. im badezimmerspiegel konnte ich ueberhaupt nichts sehen. um die klospuelung zu betaetigen, musste man in den klokasten ins wasser langen und den hebel hochziehen.
das fenster ging zum innenhof. dort war auch um zwoelf uhr nachts noch einiges los.
der kleine schmutzige fernseher funktionierte nicht.
ich war noch nie so dankbar fuer mein seidenlaken.
ich legte mich ins bett. das heulen steckte in meiner kehle, kam aber nicht hoch.
warum wollte ich eigentlich nach delhi?
in der nacht schlief ich nur drei stunden. ich ging alle moeglichkeiten durch. sofort weg von hier. ich hatte das hotel fuer vier naechte gebucht. aber vier naechte wuerde ich es niemals hier aushalten.
mein koerper konnte sich einfach nicht entspannen. ich schaltete immer wieder das licht ein, nahm meinen reisefuehrer, ueberlegte mir alternativen. ein inder im bodhizendo hatte mir die jugendherberge empfohlen. sauber und guenstig sei es dort. in die jugendherberge? hatte ich da gesagt. ich doch nicht.
ich beschloss, am naechsten morgen sofort in der jugendherberge anzurufen.
ich schlief dann irgendwann zwischen halbdrei und halbsechs, und kurz nach sieben rief ich in der jugendherberge an.
eine verschlafene stimme antwortete mir. jaja, ich koennte kommen, um neun, no problem, es gibt aber kein einzelzimmer mehr, nur noch mehrbettzimmer. macht nichts. danke, danke, danke.