meine lieblingscafes in rishikesh heissen "cafe oasis" und "little buddha cafe".
wie man sich bereits vorstellen kann, sind sie nur von westlern (bzw. auch zahlreichen israelis und erstaunlich vielen russen) mit turban, om-t-shirt, yogahosen usw. bevoelkert, aber sie sind schattig, freundlich, "easy-going", wie man hier so sagt, man kriegt dort fruchtmuesli mit joghurt und honig und kann in ruhe einem niedrigen tisch gegen ein paar kissen gelehnt dasitzen (und z.b. das "glasperlenspiel" von hesse lesen, wie eine frau es tat) und einen milchkaffee oder einen minzentee trinken und sogar vollkorngebaeck von der sog. "german bakery" bestellen.
ich mag auch meinen alten yogalehrer im sri ved niketan ashram inzwischen.
das mikrofonkrachen vom ersten tag war nicht von ihm, sondern von elektrizitaetsschwankungen verursacht, habe ich inzwischen begriffen.
weil heute sonntag war, hatten wir eine zweieinhalbstuendige lektion mit vier verschiedenen meditationstechniken am ende.
nichts von dem, was er sagt, ist bloed, im gegenteil. er ist ganz simpel und hat nicht das geringste guru-gehabe. das yoga, das er lehrt, ist voellig unspektakulaer und vor allem der gesundheit zutraeglich.
"if anybody promises you bliss and peace, he is cheating you. you have to find bliss and peace in yourself".
ich mag auch die betonung, in der er immer wieder sagt: "you must feel comfortable".
wie es zuging, weiss ich nicht. aber gestern punkt fuenf stand ich wieder auf der schwelle meines power-yoga-raums, diesmal frisch gewaschen.
die japanerinnen waren nicht da (haben sie geschwaechelt?). von den anderen vier teilnehmer waren mindestens drei yogalehrer und koennen ihre fusssohlen kuessen, indem sie sich von hinten durch die beine beugen. dann gibt es noch einen thomas mit rastahaaren, der auch schon das erste mal da war und immer verzweifelt stoehnt, waehrend er mit baender und bloecken hantiert.
naja, und ich bin eben auch noch da.
inzwischen habe ich den kopfstand in der dritten position geuebt. d.h., dass man den kopf vom boden abhebt und nur noch auf den unterarmen steht. yogi kamal half mir dabei.
bei der bruecke musste ich allerdings passen.
man macht hier auch so eine komische rueckwaertsrolle, bei der ich auch einen ordentlichen anschubser von yogi kamal brauche, obwohl ich doch vom aikido an rueckwaertsrollen gewoehnt bin.
inzwischen konnte ich dem unterricht besser folgen, verstand besser, was er wollte.
nach dem power yoga ging ich in meinen ashram, um mich etwas waermer anzuziehen und meine stirnlampe zu holen (an den abenden wird es naemlich ziemlich kuehl), und dann ging ich essen. die stirnlampe braucht man, um nicht auf den dunklen wegstrecken in einen kuhfladen zu treten (die kuhfladen werden hier uebrigens ordentlich aufgesammelt und getrocknet und dann als brennmaterial verwendet).
das heisst ich schleppte mich zum essen.
am wegrand machten es sich die maenner der strasse auf steinhaufen bequem. ein bettler (ist es ein bettler oder ein heiliger mann?) hat fuer sein radio eine schoene huelle genaeht, mit loechern fuer die drehknoepfe.
ich sah yogi kamal auf einem schweren motorrad vorbeibrausen. auf dem ruecksitz sass eine kleine japanerin.
ich war so erschoepft, dass ich kaum den loeffel heben konnte, um mein masala-dhosa zu essen.
um halbneun schon kroch ich unter mein moskitonetz.
p.s. gestern waren uebrigens etliche freiwillige westler mit der reinigung des ganges-ufers (im wasser und am ufer) beschaeftigt. ich konnte wegen meines zehs nicht mitmachen, aber ich schaute mit grosser sympathie zu, wie sie mit gummihandschuhen und grossen saecken bewaffnet herumgingen und muell aufsammelten.
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Sonntag, 8. März 2009
Samstag, 7. März 2009
esoteriksupermarkt
als ich mussourie verliess, war es noch frueh am morgen. ich kaufte mir an einem strassenstand einen tee und ein bread omelette, das ich mit einem hund teilte, der vor mir sass und mich auf hundeart anblickte, bis ich ihm ein stueck meines bread omelettes zuwarf.
man moechte vielleicht nicht so genau sehen, wie dieses bread omelette zubereitet wird. z.b. glaube ich, dass die schuessel, in der das ei mit der zwiebel und der chilischote verruehrt wird, nicht so besonders oft abgespuelt wird und dass das tuch, an dem der koch erst seine haende und dann den metallteller fuer mein omelette abwischte, nicht so besonders oft gewaschen wird.
an dem stand arbeiteten vater und sohn. der vater hatte gerade vor irgendeinem hinduistischen goetterbild eine raeucherkerze angezuendet und sich davor gesetzt, um zu beten und danach eine glocke zu laeuten, mit der er um den stand herumging.
der junge mann sah ziemlich missmutig aus mit seinem ihm offensichtlich auferlegten schicksal, sein leben an diesem strassenstand zu fristen und hier alt zu werden.
mein ziel war also rishikesh, das ich nach vier stunden busfahrt mit einmal umsteigen erreichte, und meine erste reaktion, als ich hier ankam, war mir inzwischen schon bekannt:
"ich will hier wieder weg!!" ("ich will heim!" "ich will in mein bett!" "ich will auf mein klo!"usw.)
inzwischen weiss ich, dass ich jedem ort nur ein wenig zeit geben muss, und das abstossende ist ploetzlich nicht mehr so abstossend. dann finde ich meine stellen und erlebe auch was schoenes, jedenfalls was interessantes, denn langweilig ist es in indien nie.
rishikesh ist eine art yogametropole am ganges, eine heilige stadt, pilgerstadt fuer die hindus, und es gibt hier wirklich ashrams wie sand am meer. es ist die erste stadt, die der ganges erreicht, der im himalaya entspringt, und man kann in seinem wasser, das hier noch ziemlich sauber ist und eilig dahinfliesst, ein bad nehmen und sich von frueheren karma-schichten befreien.
ich glaube, ich habe ziemlich viele ueble karma-schichten. so ein bad im ganges wuerde mich also schon reizen.
das erste, was mir in den sinn kam, als mich die rikscha an der fussgaengerbruecke absetzte, ueber die man geht, um in den "heiligen" teil der stadt zu kommen: "esoteriksupermarkt". die strasse war gesaeumt von allen moeglichen geschaeften, die esoterikkrimskrams verkauften.
es liefen westler mit schlabbrigen kleidern und gebetsketten herum, an den strassenraendern sassen sadhus in orangefarbener kleidung, die ihre haende ausstreckten, kleine jungs versuchten, kiesel aus dem ganges zu verkaufen, die man dann wieder in den ganges hineinwirft, weil das, so nehme ich an, glueck bringt, usw.
wenn es ein klischee von indien gibt, dann glaube ich, man kann es in rishikesh bestaetigt finden.
die stadt war also erstmal ziemlich ueberwaeltigend, und es war nicht leicht, sich zu orientieren.
ich hatte die adresse von einem ashram, der ein ziemlich lockeres programm fuer yoga und meditation anbot und keine voranmeldung erforderte und trabte also in diese richtung, vorbei an unzaehligen heiligen kuehen, heilig aussehenden maennern, staubigen bettlern und bauchladenverkaeufern, die mir postkarten vom taj mahal verkaufen wollten, usw. usw.
die stadt ist uebrigens hundert prozent vegetarisch. ich frage mich nur, was mit allen kuehen geschieht, die sich hier natuerlich auch vermehren und mit den schweinen, die ich hier auch auf den strassen gesehen habe.
im ashram, der ganz am ende dieses stadtteils am ganges lag und ziemlich farbenfroh bemalt ist, hatte man nur noch zwei einzelzimmer, eines mit und eines ohne bad, wie mir ein schlecht gelaunter mann an der rezeption mitteilte. beide raeume lagen am aeussersten ende des ashrams direkt neben dem stromaggregat, das gerade auf vollen touren lief.
ich warf einen schnellen blick in beide zimmer, fand erst das mit bad ekliger, entschied mich aber dann doch dafuer. bekam ein "sauberes" laken, legte gleich mein seidenlaken drauf und begab mich auf eine kleine tour durch den ashram.
ein schwede mittleren alters, der vor der yogahalle des ashrams sass und seine armbanduhr inspizierte, die er am vormittag bei der reparatur gehabt hatte und die jetzt schon wieder nicht mehr funktionierte, sagte, dass er jedes jahr ein paar wochen hierher kommt.
ein paar wochen!! dachte ich. so schlimm kann es ja nicht sein.
er sagte, das yoga am morgen ist angenehm, gut fuer die gelenke und so.
kurz danach kam seine schwester, die gerade einen yoga-vortrag besucht hatte, und sie wollten jetzt zu irgendeiner ayurveda-behandlung.
ich ging mittag essen. im madras cafe, das auf einem riesigen ueber die strasse gespannten banner fuer sich warb, mit dem hinweis darauf, dass es von allen international travel guides empfohlen wird, ass ich ein "meals" und ging aufs klo.
um aufs klo zu kommen, musste man erst aus dem cafe raus und eine treppe hochsteigen. das ist ja soweit nichts besonderes. dann musste man einen raum durchqueren, in dem ein mann auf dem boden lag und schlief (und offensichtlich wohnte). das klo war aber besetzt von einem weiteren mann, der sich gerade duschte, was ich durch eine ritze in der tuer sehen konnte.
nachmittags ging ich zurueck zum ashram, ich wollte ja nicht so sein und mich mal an dem programm beteiligen. fuer 3:30 p.m war naemlich mantra chanting und angeleitete meditation angesagt.
also, sorry. das ist halt mal indien. man kann sich ja nicht gegen alles sperren.
vier hanseln sassen in der riesigen meditationshalle vor einer tafel, auf der vier verschiedene mantras aufgeschrieben waren.
ein orange gekleideter lehrer mit grauem bart, der auf einem kanapee vor vielen bunten figuren (gurus und goettern) sass, sagte, er wuerde jetzt die mantras zeile fuer zeile vorsingen und wir sollten dann nachsingen.
waehrend wir so vor uns hinsangen (gegen das mantra ist an sich nichts zu sagen, ich hatte das schon im shantivanam ashram gesungen), hantierte der mann andauernd mit dem drahtlosen mikrofon herum, es krachte und pfiff und kreischte, und er verschwand hinter der tafel, wo er voellig uninspiriert weitersang und mit diesem mikrofon weiter machte, und wir sangen vor der tafel auch weiter, ebenso uninspiriert.
das hielt ich ungefaehr fuenf minuten aus.
dann ging ich.
ich wollte jetzt entweder weg hier oder was ordentliches finden. das wasser funktionierte immer noch nicht. ich war ziemlich verschwitzt.
ich ging also wieder am ganges entlang und kam an einer tafel vorbei, auf der mit filzschrift fuer tattvaa yoga geworben wurde.
wer sich mit yoga auskennt, sagt jetzt vielleicht "um gottes willen"! aber ich kenne mich mit yoga ueberhaupt nicht aus. der unterricht sollte in zwanzig minuten anfangen.
ich steckte also meinen kopf in einen netten kleinen raum hinein, in dem yogamatten am boden lagen und wo drei junge japanerinnen es sich bereits gemuetlich gemacht hatten.
ich fragte sie, ob sie das schon mal gemacht haetten, und ob es gut sei.
ja, es sei gut, sagten sie, aber: HARD!
naja, dachte ich, was drei kleine japanerinnen koennen, kann ich auch. irgendwie werde ich das schon schaffen. schliesslich kann ich den yogakopfstand und den vollen lotussitz.
der lehrer kam. yogi kamal, ein gut aussehender junger mann, der eine fantastische energie verbreitete. es zeigte sich, dass die japanerinnen schon in japan diesen yogastil geuebt hatten und wussten, was der lehrer wollte, wenn er es in seinem schwer verstaendlichen englischen singsang in den raum hineinrief.
vielleicht nennt man das auch power-yoga. es war jedenfalls das anstrengendste training, das ich jemals besucht habe.
am ende sollten wir nicht nur den yogakopfstand machen, sondern die beine auch zu einem 90 grad-winkel absenken und dabei die balance weiterhalten.
das war aber bei weitem nicht die schwierigste uebung. bei anderen uebungen drehte er meinen oberkoerper, zog an meinen armen und beinen, drueckte von hinten, rief "lift your heart" und gab mir schliesslich einen gutmuetigen klaps auf den ruecken: "rest!"
ich dampfte und genierte mich wegen meinem ungewaschensein.
yogi kamal sagte, ich wuerde wahrscheinlich morgen ein wenig muskelkater haben. dann empfahl er uns, gut zu essen, gut zu schlafen und mehr wasser zu trinken.
ich taumelte auf die strasse und fuehlte mich fantastisch.
nach einer dusche und einer runde kleiderwaschen ging ich dann abendessen in einem rooftop-restaurant, wo ich einen griechen kennenlernte. auch er kommt jedes jahr fuer mehrere wochen nach rishikesh. er hatte schon von yogi kamal und seinen yogastunden gehoert, die den ruf haben, sehr anstrengend zu sein.
wir unterhielten uns ueber ouzo, retsina, fetakaese, ueber lesvos, chios und natuerlich auch ueber indien.
ich glaube, yogi kamal ist es zu verdanken, dass ich in der nach gut schlief, unter meinem moskitonetz, das ich an der waescheleine ueber dem bett aufgehaengt habe und auf dem bett, das so hart war, dass ich mir ein polster unter die huefte legen musste, wenn ich mich zur seite drehte.
als ich am morgen aufwachte, besuchte ich die yogastunde im ashram.
der selbe orangegekleidete gutmuetige aeltere mann, der gestern die mantra-stunde geleitet hatte, sass auf dem kanapee. diesmal war die halle voll und das mikrofon funktionierte.
die uebungen waren einfach und fuer ungeuebte westler geeignet. danach folgte eine viertelstunde angeleitete meditation, bei der wir "om" vor uns hin summten.
immer wieder sagte der lehrer, "make yourself comfortable", und es war nichts gegen die stunde einzuwenden, weil sie, wie der schwede schon sagte, die gelenke schoen aufwaermte.
ich habe im ashram fuer vier naechte bezahlt. heute werde ich mal sehen, was rishikesh sonst noch fuer mich bereithaelt und ob ich mir vielleicht auch vorstellen kann, laenger hierzubleiben.
liebe gruesse!
man moechte vielleicht nicht so genau sehen, wie dieses bread omelette zubereitet wird. z.b. glaube ich, dass die schuessel, in der das ei mit der zwiebel und der chilischote verruehrt wird, nicht so besonders oft abgespuelt wird und dass das tuch, an dem der koch erst seine haende und dann den metallteller fuer mein omelette abwischte, nicht so besonders oft gewaschen wird.
an dem stand arbeiteten vater und sohn. der vater hatte gerade vor irgendeinem hinduistischen goetterbild eine raeucherkerze angezuendet und sich davor gesetzt, um zu beten und danach eine glocke zu laeuten, mit der er um den stand herumging.
der junge mann sah ziemlich missmutig aus mit seinem ihm offensichtlich auferlegten schicksal, sein leben an diesem strassenstand zu fristen und hier alt zu werden.
mein ziel war also rishikesh, das ich nach vier stunden busfahrt mit einmal umsteigen erreichte, und meine erste reaktion, als ich hier ankam, war mir inzwischen schon bekannt:
"ich will hier wieder weg!!" ("ich will heim!" "ich will in mein bett!" "ich will auf mein klo!"usw.)
inzwischen weiss ich, dass ich jedem ort nur ein wenig zeit geben muss, und das abstossende ist ploetzlich nicht mehr so abstossend. dann finde ich meine stellen und erlebe auch was schoenes, jedenfalls was interessantes, denn langweilig ist es in indien nie.
rishikesh ist eine art yogametropole am ganges, eine heilige stadt, pilgerstadt fuer die hindus, und es gibt hier wirklich ashrams wie sand am meer. es ist die erste stadt, die der ganges erreicht, der im himalaya entspringt, und man kann in seinem wasser, das hier noch ziemlich sauber ist und eilig dahinfliesst, ein bad nehmen und sich von frueheren karma-schichten befreien.
ich glaube, ich habe ziemlich viele ueble karma-schichten. so ein bad im ganges wuerde mich also schon reizen.
das erste, was mir in den sinn kam, als mich die rikscha an der fussgaengerbruecke absetzte, ueber die man geht, um in den "heiligen" teil der stadt zu kommen: "esoteriksupermarkt". die strasse war gesaeumt von allen moeglichen geschaeften, die esoterikkrimskrams verkauften.
es liefen westler mit schlabbrigen kleidern und gebetsketten herum, an den strassenraendern sassen sadhus in orangefarbener kleidung, die ihre haende ausstreckten, kleine jungs versuchten, kiesel aus dem ganges zu verkaufen, die man dann wieder in den ganges hineinwirft, weil das, so nehme ich an, glueck bringt, usw.
wenn es ein klischee von indien gibt, dann glaube ich, man kann es in rishikesh bestaetigt finden.
die stadt war also erstmal ziemlich ueberwaeltigend, und es war nicht leicht, sich zu orientieren.
ich hatte die adresse von einem ashram, der ein ziemlich lockeres programm fuer yoga und meditation anbot und keine voranmeldung erforderte und trabte also in diese richtung, vorbei an unzaehligen heiligen kuehen, heilig aussehenden maennern, staubigen bettlern und bauchladenverkaeufern, die mir postkarten vom taj mahal verkaufen wollten, usw. usw.
die stadt ist uebrigens hundert prozent vegetarisch. ich frage mich nur, was mit allen kuehen geschieht, die sich hier natuerlich auch vermehren und mit den schweinen, die ich hier auch auf den strassen gesehen habe.
im ashram, der ganz am ende dieses stadtteils am ganges lag und ziemlich farbenfroh bemalt ist, hatte man nur noch zwei einzelzimmer, eines mit und eines ohne bad, wie mir ein schlecht gelaunter mann an der rezeption mitteilte. beide raeume lagen am aeussersten ende des ashrams direkt neben dem stromaggregat, das gerade auf vollen touren lief.
ich warf einen schnellen blick in beide zimmer, fand erst das mit bad ekliger, entschied mich aber dann doch dafuer. bekam ein "sauberes" laken, legte gleich mein seidenlaken drauf und begab mich auf eine kleine tour durch den ashram.
ein schwede mittleren alters, der vor der yogahalle des ashrams sass und seine armbanduhr inspizierte, die er am vormittag bei der reparatur gehabt hatte und die jetzt schon wieder nicht mehr funktionierte, sagte, dass er jedes jahr ein paar wochen hierher kommt.
ein paar wochen!! dachte ich. so schlimm kann es ja nicht sein.
er sagte, das yoga am morgen ist angenehm, gut fuer die gelenke und so.
kurz danach kam seine schwester, die gerade einen yoga-vortrag besucht hatte, und sie wollten jetzt zu irgendeiner ayurveda-behandlung.
ich ging mittag essen. im madras cafe, das auf einem riesigen ueber die strasse gespannten banner fuer sich warb, mit dem hinweis darauf, dass es von allen international travel guides empfohlen wird, ass ich ein "meals" und ging aufs klo.
um aufs klo zu kommen, musste man erst aus dem cafe raus und eine treppe hochsteigen. das ist ja soweit nichts besonderes. dann musste man einen raum durchqueren, in dem ein mann auf dem boden lag und schlief (und offensichtlich wohnte). das klo war aber besetzt von einem weiteren mann, der sich gerade duschte, was ich durch eine ritze in der tuer sehen konnte.
nachmittags ging ich zurueck zum ashram, ich wollte ja nicht so sein und mich mal an dem programm beteiligen. fuer 3:30 p.m war naemlich mantra chanting und angeleitete meditation angesagt.
also, sorry. das ist halt mal indien. man kann sich ja nicht gegen alles sperren.
vier hanseln sassen in der riesigen meditationshalle vor einer tafel, auf der vier verschiedene mantras aufgeschrieben waren.
ein orange gekleideter lehrer mit grauem bart, der auf einem kanapee vor vielen bunten figuren (gurus und goettern) sass, sagte, er wuerde jetzt die mantras zeile fuer zeile vorsingen und wir sollten dann nachsingen.
waehrend wir so vor uns hinsangen (gegen das mantra ist an sich nichts zu sagen, ich hatte das schon im shantivanam ashram gesungen), hantierte der mann andauernd mit dem drahtlosen mikrofon herum, es krachte und pfiff und kreischte, und er verschwand hinter der tafel, wo er voellig uninspiriert weitersang und mit diesem mikrofon weiter machte, und wir sangen vor der tafel auch weiter, ebenso uninspiriert.
das hielt ich ungefaehr fuenf minuten aus.
dann ging ich.
ich wollte jetzt entweder weg hier oder was ordentliches finden. das wasser funktionierte immer noch nicht. ich war ziemlich verschwitzt.
ich ging also wieder am ganges entlang und kam an einer tafel vorbei, auf der mit filzschrift fuer tattvaa yoga geworben wurde.
wer sich mit yoga auskennt, sagt jetzt vielleicht "um gottes willen"! aber ich kenne mich mit yoga ueberhaupt nicht aus. der unterricht sollte in zwanzig minuten anfangen.
ich steckte also meinen kopf in einen netten kleinen raum hinein, in dem yogamatten am boden lagen und wo drei junge japanerinnen es sich bereits gemuetlich gemacht hatten.
ich fragte sie, ob sie das schon mal gemacht haetten, und ob es gut sei.
ja, es sei gut, sagten sie, aber: HARD!
naja, dachte ich, was drei kleine japanerinnen koennen, kann ich auch. irgendwie werde ich das schon schaffen. schliesslich kann ich den yogakopfstand und den vollen lotussitz.
der lehrer kam. yogi kamal, ein gut aussehender junger mann, der eine fantastische energie verbreitete. es zeigte sich, dass die japanerinnen schon in japan diesen yogastil geuebt hatten und wussten, was der lehrer wollte, wenn er es in seinem schwer verstaendlichen englischen singsang in den raum hineinrief.
vielleicht nennt man das auch power-yoga. es war jedenfalls das anstrengendste training, das ich jemals besucht habe.
am ende sollten wir nicht nur den yogakopfstand machen, sondern die beine auch zu einem 90 grad-winkel absenken und dabei die balance weiterhalten.
das war aber bei weitem nicht die schwierigste uebung. bei anderen uebungen drehte er meinen oberkoerper, zog an meinen armen und beinen, drueckte von hinten, rief "lift your heart" und gab mir schliesslich einen gutmuetigen klaps auf den ruecken: "rest!"
ich dampfte und genierte mich wegen meinem ungewaschensein.
yogi kamal sagte, ich wuerde wahrscheinlich morgen ein wenig muskelkater haben. dann empfahl er uns, gut zu essen, gut zu schlafen und mehr wasser zu trinken.
ich taumelte auf die strasse und fuehlte mich fantastisch.
nach einer dusche und einer runde kleiderwaschen ging ich dann abendessen in einem rooftop-restaurant, wo ich einen griechen kennenlernte. auch er kommt jedes jahr fuer mehrere wochen nach rishikesh. er hatte schon von yogi kamal und seinen yogastunden gehoert, die den ruf haben, sehr anstrengend zu sein.
wir unterhielten uns ueber ouzo, retsina, fetakaese, ueber lesvos, chios und natuerlich auch ueber indien.
ich glaube, yogi kamal ist es zu verdanken, dass ich in der nach gut schlief, unter meinem moskitonetz, das ich an der waescheleine ueber dem bett aufgehaengt habe und auf dem bett, das so hart war, dass ich mir ein polster unter die huefte legen musste, wenn ich mich zur seite drehte.
als ich am morgen aufwachte, besuchte ich die yogastunde im ashram.
der selbe orangegekleidete gutmuetige aeltere mann, der gestern die mantra-stunde geleitet hatte, sass auf dem kanapee. diesmal war die halle voll und das mikrofon funktionierte.
die uebungen waren einfach und fuer ungeuebte westler geeignet. danach folgte eine viertelstunde angeleitete meditation, bei der wir "om" vor uns hin summten.
immer wieder sagte der lehrer, "make yourself comfortable", und es war nichts gegen die stunde einzuwenden, weil sie, wie der schwede schon sagte, die gelenke schoen aufwaermte.
ich habe im ashram fuer vier naechte bezahlt. heute werde ich mal sehen, was rishikesh sonst noch fuer mich bereithaelt und ob ich mir vielleicht auch vorstellen kann, laenger hierzubleiben.
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