auszuege aus meinem sesshin-tagebuch:
"Don't expect anything!"
"Everything is already here!"
"Ordinary mind, ordinary life."
in der nacht traeume ich, dass ich ein kleines auto (eigentlich ein moped) habe, bei dem ich mittreten muss.
4. tag: (die planungsphase) - ich plane alle moeglichen und unmoeglichen kunstprojekte (z.b. stromkabel, in wachs getaucht, kleine origamifiguren, die ueber porzellanteller laufen, ein vergoldeter holzstecken "shitstick", und weiteres dieser art).
"Come to your true self. You are already there!"
allein im zendo: ein augenblick vollkommener stille.
meine aufgabe (dining hall). es ist ein schoener augenblick, wenn ich am abend in dem leeren raum die tische abwische und dann alle lichter ausknipse.
ich sah heute dem hin und her der kleinen streifenhoernchen auf dem weg zu.
ich steckte eine blume in die schale vor britt-maris grabstein.
"What is the meaning of your life? What is the ultimate reality?"
traeumte, zwei alte schulfreunde wollten zum fruehschoppen gehen und beschrieben mir genau den weg zur kneipe.
traeumte, eine frau aus der gruppe sagte, sie haette sich das innere der flugzeuge nach indien golden vorgestellt. aber wenigstens habe es genug toiletten gegeben.
jemand setzte sich beim "freien zazen" auf "meinen platz".
ich will aus meiner haut heraus.
gleichzeitig: es ist hier. in diesem augenblick. nichts hinzufuegen. nichts wegnehmen.
jemand fuellt die pfefferdoeschen mit reis. ein(e) verrueckte(r)?
mache plaene fuer den tag meiner abreise, fuer meine ankunft in chennai, fuer meine zeit in delhi. unterhosen kaufen!
mystery. graciousness.
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Montag, 23. Februar 2009
Sonntag, 1. Februar 2009
kakerlaken by night und indische busschaffner
so jetz gehts hier ganz schnell und fix weiter.
erstmal muss ich den schock verdauen, dass ich jetzt im bodhizendo angekommen bin. sitze im internet-room. hier ist auf den ersten blick alles irgendwie ein bissi ganz furchtbar viel deutsch, und das ist ein schock nach so viel indien!!!
jedenfalls ist das mein erster eindruck, wenn ich auch beim mittagessen mich mit einer ganz netten frau aus israel unterhalten habe, die nach dem essen sogar ihr kostbares stueck handmade chocolate aus kodaikanal mit mir geteilt hat.
aber ich will nicht voreilig sein. es gibt bestimmt noch viel ueber diesen ort hier zu erzaehlen. ich will ja drei wochen hierbleiben (erstmal vorsichtshalber nicht vier wochen, wie ich gestern noch geschrieben habe).
ich gehe also zurueck zu gestern nacht:
pia und ich waren beide etwas aufgeregt wegen dem heutigen tag. sie musste um zehn nach fuenf einen zug erwischen und ich um fuenf einen bus.
wir bestellten eine rikscha fuer halbfuenf vors hotel, trauten aber der sache nicht so hundertprozentig.
als wir uns endlich schlafen legen wollten, entdeckten wir diese zwei kakerlaken im badezimmer. und der gecko an der wand machte einfach keine anstalten, die biester aufzufressen. selbst waren wir zu moerderischen aktionen zu feige.
das ende vom lied war, dass wir bei licht schliefen. weil kakerlaken ja schliesslich das dunkel lieben und sich bei licht in die hintersten loecher verkriechen. so schliefen wir eigentlich recht gut, so zwischen halbelf und drei. dann weckte uns das reisefieber.
weshalb meine augen grade die groesse von suppentellern haben. aber ich will ja hier noch was verfertigen, bevor der newcomer-empfang ist.
um viertel nach vier stamperten wir den rezeptionisten aus dem schlaf, der sich hinter der theke auf einer matratze hingelegt hatte und seine brille nicht finden konnte.
dann bekamen wir statt einer rikscha sogar zwei, aber nicht die, die wir bestellt hatten. wir verabschiedeten uns also rasch und fuhren in zwei verschiedene richtungen fort.
um halbfuenf schon war ich bei meinem bus. der schreck war gross, als ich erkannte, dass es keinen sitzplatz mehr gab. richtete mich aber auf drei stunden stehen ein. aber ein netter mann bot mir nach einer weile seinen platz an. der engel des tages! ueberhaupt waren alle sehr nett.
zwischendurch konnte ich mal aussteigen und einen tee trinken, und alle halfen bei der aktion.
das habe ich in indien oft erlebt. wenn man in irgendeiner schwierigen situation ist, dann gibt es schnell mindestens einen helfer oder beschuetzer, der einem beisteht.
ein mann mit einer hasenscharte schlief an meinen rucksack gelehnt.
vor mir sass eine junge mutter mit ihrem kleinen kind. in kerala haben die kinder unglaublich grosse und schoene dunkle augen mit langen glaenzenden wimpern. diese augen werden (ich glaube sogar, bei beiden geschlechtern) durch reichlichen gebrauch von kajalstift noch verstaerkt.
ich weiss ausserdem nicht, in welchem anderen land der welt die maenner einen wuerdigen eindruck machen wuerden, wenn sie sich ein handtuch um den kopf wickeln oder als schal um den hals legen wuerden, wie die suedindischen maenner es gerne machen.
ich bin also zurueck in tamil nadu!
stieg in palani um, einer tempel- und pilgerstadt, in der ich mit pia letztes mal eine nacht verbracht habe, und die uns in frenetischer erinnerung geblieben ist. auch heute morgen um acht am busbahnhof war palani sich selber treu:
zahllose pilger (vor allem junger maenner) mit geschorenem und dann mit einem gelben pulver eingeriebenem kopf, ein chipsverkauefer, der mir erst hilfsbereit den bussteig zeigte und dann alle flueche der welt ueber mir ausschuettete, weil ich ihm keine chips abkaufte. (und das lag nur daran, weil ich kein kleingeld mehr hatte, sonst haette ich ihm sogar was gegeben.)
ich versuchte ausserdem, meine indische telefonkarte zu laden... versuche nie, in palani deine telefonkarte zu laden. du gehst fort und zweifelst an allem.
aber ich moechte ja eigentlich ein loblied auf die indischen busschaffner singen:
das ist ein hochleistungsjob, bei dem die auswahlkriterien mindestens so streng sein muessen wie fuer die leibgarde der englischen koenigin.
sie haben immer genau alles im blick. sie treiben die leute beim einsteigen und beim aussteigen mit ihren monotonen rufen an, sie draengen sich mit ihren kleinen fitzelfahrscheinen und mit zwischen die finger geklemmten geldscheinen durch den bus, ohne jemals die geduld zu verlieren, und das unermuedlich, auf stundenlangen reisen ueber strassen mit extremen fahreigenschaften, in bussen, deren getriebe klingt, als waere es kurz vor der explosion. wenn sie zwischendurch mal eine ruhige minute haben, dann zaehlen sie ihr geld und schreiben kleine ziffern auf ein blatt papier, im stehen an einen sitz gelehnt (hat schon mal jemand versucht, in einem indischen bus was zu schreiben?). ich habe nie die befuerchtung, dass ich aus einem bus nicht rauskomme, bloss weil die leute so dicht gedraengt stehen, dass man nicht einmal ahnt, dass der bus eine tuer hat. der indische busschaffner wirds schon regeln. er ruft und klopft, er sagt mit ruhiger stimme zu einem, wait, wait, und wie durch zauber gibt es ploetzlich einen lichten gang, durch den man hinaus spaziert, und auch das gepaeck ist wunderbarerweise mit dabei, und da steht man dann wieder und blinzelt in die sonne und fragt sich: und wo bin ich jetzt wieder gelandet?
(keine angst, der naechste helfer ist schon um die ecke...)
erstmal muss ich den schock verdauen, dass ich jetzt im bodhizendo angekommen bin. sitze im internet-room. hier ist auf den ersten blick alles irgendwie ein bissi ganz furchtbar viel deutsch, und das ist ein schock nach so viel indien!!!
jedenfalls ist das mein erster eindruck, wenn ich auch beim mittagessen mich mit einer ganz netten frau aus israel unterhalten habe, die nach dem essen sogar ihr kostbares stueck handmade chocolate aus kodaikanal mit mir geteilt hat.
aber ich will nicht voreilig sein. es gibt bestimmt noch viel ueber diesen ort hier zu erzaehlen. ich will ja drei wochen hierbleiben (erstmal vorsichtshalber nicht vier wochen, wie ich gestern noch geschrieben habe).
ich gehe also zurueck zu gestern nacht:
pia und ich waren beide etwas aufgeregt wegen dem heutigen tag. sie musste um zehn nach fuenf einen zug erwischen und ich um fuenf einen bus.
wir bestellten eine rikscha fuer halbfuenf vors hotel, trauten aber der sache nicht so hundertprozentig.
als wir uns endlich schlafen legen wollten, entdeckten wir diese zwei kakerlaken im badezimmer. und der gecko an der wand machte einfach keine anstalten, die biester aufzufressen. selbst waren wir zu moerderischen aktionen zu feige.
das ende vom lied war, dass wir bei licht schliefen. weil kakerlaken ja schliesslich das dunkel lieben und sich bei licht in die hintersten loecher verkriechen. so schliefen wir eigentlich recht gut, so zwischen halbelf und drei. dann weckte uns das reisefieber.
weshalb meine augen grade die groesse von suppentellern haben. aber ich will ja hier noch was verfertigen, bevor der newcomer-empfang ist.
um viertel nach vier stamperten wir den rezeptionisten aus dem schlaf, der sich hinter der theke auf einer matratze hingelegt hatte und seine brille nicht finden konnte.
dann bekamen wir statt einer rikscha sogar zwei, aber nicht die, die wir bestellt hatten. wir verabschiedeten uns also rasch und fuhren in zwei verschiedene richtungen fort.
um halbfuenf schon war ich bei meinem bus. der schreck war gross, als ich erkannte, dass es keinen sitzplatz mehr gab. richtete mich aber auf drei stunden stehen ein. aber ein netter mann bot mir nach einer weile seinen platz an. der engel des tages! ueberhaupt waren alle sehr nett.
zwischendurch konnte ich mal aussteigen und einen tee trinken, und alle halfen bei der aktion.
das habe ich in indien oft erlebt. wenn man in irgendeiner schwierigen situation ist, dann gibt es schnell mindestens einen helfer oder beschuetzer, der einem beisteht.
ein mann mit einer hasenscharte schlief an meinen rucksack gelehnt.
vor mir sass eine junge mutter mit ihrem kleinen kind. in kerala haben die kinder unglaublich grosse und schoene dunkle augen mit langen glaenzenden wimpern. diese augen werden (ich glaube sogar, bei beiden geschlechtern) durch reichlichen gebrauch von kajalstift noch verstaerkt.
ich weiss ausserdem nicht, in welchem anderen land der welt die maenner einen wuerdigen eindruck machen wuerden, wenn sie sich ein handtuch um den kopf wickeln oder als schal um den hals legen wuerden, wie die suedindischen maenner es gerne machen.
ich bin also zurueck in tamil nadu!
stieg in palani um, einer tempel- und pilgerstadt, in der ich mit pia letztes mal eine nacht verbracht habe, und die uns in frenetischer erinnerung geblieben ist. auch heute morgen um acht am busbahnhof war palani sich selber treu:
zahllose pilger (vor allem junger maenner) mit geschorenem und dann mit einem gelben pulver eingeriebenem kopf, ein chipsverkauefer, der mir erst hilfsbereit den bussteig zeigte und dann alle flueche der welt ueber mir ausschuettete, weil ich ihm keine chips abkaufte. (und das lag nur daran, weil ich kein kleingeld mehr hatte, sonst haette ich ihm sogar was gegeben.)
ich versuchte ausserdem, meine indische telefonkarte zu laden... versuche nie, in palani deine telefonkarte zu laden. du gehst fort und zweifelst an allem.
aber ich moechte ja eigentlich ein loblied auf die indischen busschaffner singen:
das ist ein hochleistungsjob, bei dem die auswahlkriterien mindestens so streng sein muessen wie fuer die leibgarde der englischen koenigin.
sie haben immer genau alles im blick. sie treiben die leute beim einsteigen und beim aussteigen mit ihren monotonen rufen an, sie draengen sich mit ihren kleinen fitzelfahrscheinen und mit zwischen die finger geklemmten geldscheinen durch den bus, ohne jemals die geduld zu verlieren, und das unermuedlich, auf stundenlangen reisen ueber strassen mit extremen fahreigenschaften, in bussen, deren getriebe klingt, als waere es kurz vor der explosion. wenn sie zwischendurch mal eine ruhige minute haben, dann zaehlen sie ihr geld und schreiben kleine ziffern auf ein blatt papier, im stehen an einen sitz gelehnt (hat schon mal jemand versucht, in einem indischen bus was zu schreiben?). ich habe nie die befuerchtung, dass ich aus einem bus nicht rauskomme, bloss weil die leute so dicht gedraengt stehen, dass man nicht einmal ahnt, dass der bus eine tuer hat. der indische busschaffner wirds schon regeln. er ruft und klopft, er sagt mit ruhiger stimme zu einem, wait, wait, und wie durch zauber gibt es ploetzlich einen lichten gang, durch den man hinaus spaziert, und auch das gepaeck ist wunderbarerweise mit dabei, und da steht man dann wieder und blinzelt in die sonne und fragt sich: und wo bin ich jetzt wieder gelandet?
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Freitag, 9. Januar 2009
trichy by night
und wieder sitze ich in einem internetcafe. es ist ueberhaupt nicht schwer, in indien ein internetcafe zu finden. es gibt sie an allen ecken. eine stunde surfen kostet 25-30 rupies, das sind ungefaehr 50 cent. eine stunde reicht, um meine mails zu lesen und etwas in meinen blog zu schreiben.
wir sind jetzt in tiruchirapally, kurz trichy genannt.
gestern kamen wir mit dem zug hierher.
es ist ein besonderes erlebnis, zug zu fahren.
erstmal ist mir aufgefallen, dass ich mich ueberhaupt nicht fuer den fahrplan interessierte, waehrend ich in deutschland oft dasitze und den "zugbegleiter" minutioes lese und kontrolliere, ob wir auch nicht irgendwo zwei minuten zu spaet abfahren.
hier entwickelt man irgendwie ein anderes verhaeltnis zur zeit.
ungeduld scheinen inder nicht zu kennen, und selbst wird man von ihrer gelassenheit angesteckt. ich sass am offenen fenster, liess mich vom fahrtwind anblasen und las die "zeit", die ich noch von der flugreise mit mir habe und die ich bis auf das letzte wort ausquetsche. das war natuerlich wegen des fahrtwinds nicht so leicht, vor allem, wenn ich versuchte, die zeitung umzublaettern.
dann wieder schaute ich hinaus auf reisfelder, halbtrockene flussbetten, doerfer, kinder, die dem zug zuwinkten, bunte dorftempel, flaches land, palmenhaine.
in einem beinahe ununterbrochenen strom gehen zugverkaeufer durch den zug und verkaufen tee, kaffee, frittierte linsenbaelle oder pepperoni oder reis mit gemuese, und an den bahnhoefen kommen die fliegenden verkaeufer ans fenster, mit kalten getraenken, mehr tee und mehr kaffee.
unser hotel in trichy ist ein ziemlicher luxuskasten, mit swimmingpool, mehreren geschaeften und restaurants und einer grossen empfangshalle. wir sind hier zwei naechte, und morgen fahren wir weiter aufs land, wo wir eher spartanisch wohnen werden.
wenn man das hotel betritt, kommen einem gleich mehrere uniformierte inder entgegen, die einem das gepaeck abnehmen und auch sonst jeden wunsch von den augen ablesen wollen.
heute oeffnete ich am nachmittag nur kurz die zimmertuer, weil ich glaubte, dass jemand geklopft hatte, da stand ein inder vom room service vor der tuer und fragte, ob ich vielleicht kaffee oder tee wollte oder sonst einen wunsch hatte. ja, wenn ich es mir recht ueberlegte, wollte ich kaffee. ich bekam also nach einer weile kaffee in einer kleinen thermoskanne. dann bezahlte ich und der mann ging wieder, um wenig spaeter zurueck zu kommen und mir die quittung mit dem stempel "bezahlt" zu ueberreichen.
es geht alles sehr korrekt zu. noch nie hat ein inder versucht, mich irgendwie uebers ohr zu hauen. ueberall werden quittungen ausgestellt, mit blaupause und stempel und am liebsten von mehreren leuten unterschrieben und kontrolliert.
ich hatte meine kleidung in mamallapuram selbst gewaschen, wollte sie aber hier zum buegeln bringen lassen (es ist wichtig, dass man gebuegelte kleidung traegt) und liess sie vom room service abholen. heute bekam ich sie zurueck, in zeitungspapier eingeschnuert, und als ich die blusen und hosen herausholte, entdeckte ich, dass in jede bluse ein zusammengefaltetes zeitungspapier eingeschoben war.
auf der strasse gibt es staende, an denen man seine kleider buegeln lassen kann. viele buegler benuetzen noch buegeleisen, die mit kohlen geheizt werden.
heute haben wir Intact Special School besucht. das ist eine schule fuer geistig behinderte kinder, und ich muss vielleicht morgen mehr darueber schreiben.
nachmittags schwamm ich im pool des hotels. dann sass ich auf dem balkon vor unserem zimmer, trank kaffee, las in der "zeit" und betrachtete die adler, die ueber der stadt schwebten.
(ich weiss, dass es adler sind, weil der poolwaechter es mir vor zwei jahren gesagt hat.)
es ist warm, kurz vor zehn uhr abends, im internetcafe laufen die ventilatoren. ausser mir sitzen nur inder in den kleinen orangefarbenen gehaeusen.
wir sind jetzt in tiruchirapally, kurz trichy genannt.
gestern kamen wir mit dem zug hierher.
es ist ein besonderes erlebnis, zug zu fahren.
erstmal ist mir aufgefallen, dass ich mich ueberhaupt nicht fuer den fahrplan interessierte, waehrend ich in deutschland oft dasitze und den "zugbegleiter" minutioes lese und kontrolliere, ob wir auch nicht irgendwo zwei minuten zu spaet abfahren.
hier entwickelt man irgendwie ein anderes verhaeltnis zur zeit.
ungeduld scheinen inder nicht zu kennen, und selbst wird man von ihrer gelassenheit angesteckt. ich sass am offenen fenster, liess mich vom fahrtwind anblasen und las die "zeit", die ich noch von der flugreise mit mir habe und die ich bis auf das letzte wort ausquetsche. das war natuerlich wegen des fahrtwinds nicht so leicht, vor allem, wenn ich versuchte, die zeitung umzublaettern.
dann wieder schaute ich hinaus auf reisfelder, halbtrockene flussbetten, doerfer, kinder, die dem zug zuwinkten, bunte dorftempel, flaches land, palmenhaine.
in einem beinahe ununterbrochenen strom gehen zugverkaeufer durch den zug und verkaufen tee, kaffee, frittierte linsenbaelle oder pepperoni oder reis mit gemuese, und an den bahnhoefen kommen die fliegenden verkaeufer ans fenster, mit kalten getraenken, mehr tee und mehr kaffee.
unser hotel in trichy ist ein ziemlicher luxuskasten, mit swimmingpool, mehreren geschaeften und restaurants und einer grossen empfangshalle. wir sind hier zwei naechte, und morgen fahren wir weiter aufs land, wo wir eher spartanisch wohnen werden.
wenn man das hotel betritt, kommen einem gleich mehrere uniformierte inder entgegen, die einem das gepaeck abnehmen und auch sonst jeden wunsch von den augen ablesen wollen.
heute oeffnete ich am nachmittag nur kurz die zimmertuer, weil ich glaubte, dass jemand geklopft hatte, da stand ein inder vom room service vor der tuer und fragte, ob ich vielleicht kaffee oder tee wollte oder sonst einen wunsch hatte. ja, wenn ich es mir recht ueberlegte, wollte ich kaffee. ich bekam also nach einer weile kaffee in einer kleinen thermoskanne. dann bezahlte ich und der mann ging wieder, um wenig spaeter zurueck zu kommen und mir die quittung mit dem stempel "bezahlt" zu ueberreichen.
es geht alles sehr korrekt zu. noch nie hat ein inder versucht, mich irgendwie uebers ohr zu hauen. ueberall werden quittungen ausgestellt, mit blaupause und stempel und am liebsten von mehreren leuten unterschrieben und kontrolliert.
ich hatte meine kleidung in mamallapuram selbst gewaschen, wollte sie aber hier zum buegeln bringen lassen (es ist wichtig, dass man gebuegelte kleidung traegt) und liess sie vom room service abholen. heute bekam ich sie zurueck, in zeitungspapier eingeschnuert, und als ich die blusen und hosen herausholte, entdeckte ich, dass in jede bluse ein zusammengefaltetes zeitungspapier eingeschoben war.
auf der strasse gibt es staende, an denen man seine kleider buegeln lassen kann. viele buegler benuetzen noch buegeleisen, die mit kohlen geheizt werden.
heute haben wir Intact Special School besucht. das ist eine schule fuer geistig behinderte kinder, und ich muss vielleicht morgen mehr darueber schreiben.
nachmittags schwamm ich im pool des hotels. dann sass ich auf dem balkon vor unserem zimmer, trank kaffee, las in der "zeit" und betrachtete die adler, die ueber der stadt schwebten.
(ich weiss, dass es adler sind, weil der poolwaechter es mir vor zwei jahren gesagt hat.)
es ist warm, kurz vor zehn uhr abends, im internetcafe laufen die ventilatoren. ausser mir sitzen nur inder in den kleinen orangefarbenen gehaeusen.
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Mittwoch, 7. Januar 2009
erste tage in indien
ich sitze jetzt das erste mal in einem indischen internetcafe.
die tastatur klemmt ein wenig. ueber mir dreht sich ein grosser ventilator.
draussen hupt es und droehnt es. rikschas, busse, mopeds, autos fahren vorbei.
ich bin in mamallapuram, einem bildhauerdorf 50 km suedlich von chennai.
ein bildhauer neben dem anderen hat seine werkstatt am strassenrand.
sie haben taschentuecher vor ihre nase und ihren mund gebunden und schlagen und saegen in stein.
das ist das geraeusch, das einen den ganzen tag lang begleitet.
sie hauen shivas und krishnas und ganeeshas, buddhas, parvatis und die gesamte hinduistische goettergalerie in stein.
es hat in der nacht geregnet, und heute sind die wege und strassen etwas schlammig.
die ersten tage verbrachte ich damit, von einer erkaeltung zu genesen, die ich mitgebracht hatte.
in chennai lag ich den halben ersten tag im bett, dann ging ich vorsichtig hinaus und setzte mich in den garten, schaute den eichhoernchen zu, die auf baeume kletterte, den gaensen, die im garten herumwatschelten, und dem kommen und gehen durch das tor.
gestern kamen wir hier an.
eine frau unserer gruppe hatte eine magenerkrankung aus schweden mitgebracht und ich begleitete sie hier zum krankenhaus, wo sie von einer aerztin untersucht wurde.
das krankenhaus ist etwas anderes, als der name vielleicht suggeriert.
neben dem eingang stand eine rostige metallpritsche. man zog seine schuhe aus, und dann ging man in einen dunklen und ziemlich schmutzigen gang hinein.
weissgekleidete maedchen standen herum und sahen unsicher und schuechtern aus. erst nach einer weile begriff man, dass sie krankenschwestern darstellen sollten.
die aerztin, die im sari an einem unglaublich unaufgeraeumten tisch sass und einen gruenen mundschutz trug, war fuer eine inderin ungewoehnlich gross.
aber ihre assistentin, die kleine tablettenstreifen aus einem nachbarraum hereintrug und dann in kleine, aus zeitungspapier gefertigte tuetchen verpackte, war eine zwergin.
ich hatte sie zuerst fuer ein kleines ungefaehr siebenjaehriges maedchen gehalten.
wir waren insgesamt dreimal dort, dann durfte g. so viel bezahlen, wie sie fuer angemessen hielt. es wuerde den armen zugute kommen, die kein geld haetten, um ihre medizinische behandlung selber zu bezahlen.
die 'krankenschwestern' sassen zu viert hinter der rezeption und drehten in ihrer handflaeche watte zu kleinen baellen.
gestern suchte ich einen mann auf, den ich vor zwei jahren fotografiert habe. ich brachte das foto mit, das ich von ihm gemacht hatte.
er war ein blumenkettenverkaeufer.
ich war mir nicht ganz sicher, ob ich den richtigen blumenkettenverkaeufer gefunden hatte und fragte einen jungen mann auf der strasse, ob er den mann auf dem foto erkannte. er deutete auf den blumenkettenverkaeufer vor mir: this is the man.
ich gab ihm das foto, und er schenkte mir eine blumenkette. dann drueckte er mir die hand ueber seine blumentheke hinweg und sagte 'welcome in India'.
zum fruehstueck ass ich heute reispfannkuchen mit verschiedenen sossen vom bananenblatt.
ich habe jetzt eine inderin mit der linken hand essen sehen, seitdem wage ich selbst auch die linke hand zum essen zu benutzen.
zum mittagessen esse ich 'thali', auch vom bananenblatt und mit der hand, das sind verschiedene schaelchen mit sossen und reis dazu.
ein kleines kuriosum: in der 6-millionen-stadt chennai traf ich den rikschafahrer wieder, mit dem ich auch vor zwei jahren ein paar mal gefahren bin, und er erkannte mich wieder: MY FRIEND!
der indische verkehr ist eine sache fuer sich. seltsam ist, dass keiner wuetend zu werden scheint, selbst wenn es ein staendiges hupen und draengeln ist. mein rikschafahrer in chennai war ein meister des waghalsigen kurvens und setzte sich an jeder ampel an die spitze der schlange.
und staendig drueckte er die gruene troete, die am rahmen seiner rikscha angebracht war.
so das war erstmal der anfang.
heute faellt in mamallapuram staendig der strom aus. ich glaube, es liegt am regen. die computer scheinen aber notstromaggregate zu haben, so dass die bildschirme weiterleuchten und die daten nicht verloren gehen.
macht es gut zuhause und anderswo! bis bald.
die tastatur klemmt ein wenig. ueber mir dreht sich ein grosser ventilator.
draussen hupt es und droehnt es. rikschas, busse, mopeds, autos fahren vorbei.
ich bin in mamallapuram, einem bildhauerdorf 50 km suedlich von chennai.
ein bildhauer neben dem anderen hat seine werkstatt am strassenrand.
sie haben taschentuecher vor ihre nase und ihren mund gebunden und schlagen und saegen in stein.
das ist das geraeusch, das einen den ganzen tag lang begleitet.
sie hauen shivas und krishnas und ganeeshas, buddhas, parvatis und die gesamte hinduistische goettergalerie in stein.
es hat in der nacht geregnet, und heute sind die wege und strassen etwas schlammig.
die ersten tage verbrachte ich damit, von einer erkaeltung zu genesen, die ich mitgebracht hatte.
in chennai lag ich den halben ersten tag im bett, dann ging ich vorsichtig hinaus und setzte mich in den garten, schaute den eichhoernchen zu, die auf baeume kletterte, den gaensen, die im garten herumwatschelten, und dem kommen und gehen durch das tor.
gestern kamen wir hier an.
eine frau unserer gruppe hatte eine magenerkrankung aus schweden mitgebracht und ich begleitete sie hier zum krankenhaus, wo sie von einer aerztin untersucht wurde.
das krankenhaus ist etwas anderes, als der name vielleicht suggeriert.
neben dem eingang stand eine rostige metallpritsche. man zog seine schuhe aus, und dann ging man in einen dunklen und ziemlich schmutzigen gang hinein.
weissgekleidete maedchen standen herum und sahen unsicher und schuechtern aus. erst nach einer weile begriff man, dass sie krankenschwestern darstellen sollten.
die aerztin, die im sari an einem unglaublich unaufgeraeumten tisch sass und einen gruenen mundschutz trug, war fuer eine inderin ungewoehnlich gross.
aber ihre assistentin, die kleine tablettenstreifen aus einem nachbarraum hereintrug und dann in kleine, aus zeitungspapier gefertigte tuetchen verpackte, war eine zwergin.
ich hatte sie zuerst fuer ein kleines ungefaehr siebenjaehriges maedchen gehalten.
wir waren insgesamt dreimal dort, dann durfte g. so viel bezahlen, wie sie fuer angemessen hielt. es wuerde den armen zugute kommen, die kein geld haetten, um ihre medizinische behandlung selber zu bezahlen.
die 'krankenschwestern' sassen zu viert hinter der rezeption und drehten in ihrer handflaeche watte zu kleinen baellen.
gestern suchte ich einen mann auf, den ich vor zwei jahren fotografiert habe. ich brachte das foto mit, das ich von ihm gemacht hatte.
er war ein blumenkettenverkaeufer.
ich war mir nicht ganz sicher, ob ich den richtigen blumenkettenverkaeufer gefunden hatte und fragte einen jungen mann auf der strasse, ob er den mann auf dem foto erkannte. er deutete auf den blumenkettenverkaeufer vor mir: this is the man.
ich gab ihm das foto, und er schenkte mir eine blumenkette. dann drueckte er mir die hand ueber seine blumentheke hinweg und sagte 'welcome in India'.
zum fruehstueck ass ich heute reispfannkuchen mit verschiedenen sossen vom bananenblatt.
ich habe jetzt eine inderin mit der linken hand essen sehen, seitdem wage ich selbst auch die linke hand zum essen zu benutzen.
zum mittagessen esse ich 'thali', auch vom bananenblatt und mit der hand, das sind verschiedene schaelchen mit sossen und reis dazu.
ein kleines kuriosum: in der 6-millionen-stadt chennai traf ich den rikschafahrer wieder, mit dem ich auch vor zwei jahren ein paar mal gefahren bin, und er erkannte mich wieder: MY FRIEND!
der indische verkehr ist eine sache fuer sich. seltsam ist, dass keiner wuetend zu werden scheint, selbst wenn es ein staendiges hupen und draengeln ist. mein rikschafahrer in chennai war ein meister des waghalsigen kurvens und setzte sich an jeder ampel an die spitze der schlange.
und staendig drueckte er die gruene troete, die am rahmen seiner rikscha angebracht war.
so das war erstmal der anfang.
heute faellt in mamallapuram staendig der strom aus. ich glaube, es liegt am regen. die computer scheinen aber notstromaggregate zu haben, so dass die bildschirme weiterleuchten und die daten nicht verloren gehen.
macht es gut zuhause und anderswo! bis bald.
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