so jetz gehts hier ganz schnell und fix weiter.
erstmal muss ich den schock verdauen, dass ich jetzt im bodhizendo angekommen bin. sitze im internet-room. hier ist auf den ersten blick alles irgendwie ein bissi ganz furchtbar viel deutsch, und das ist ein schock nach so viel indien!!!
jedenfalls ist das mein erster eindruck, wenn ich auch beim mittagessen mich mit einer ganz netten frau aus israel unterhalten habe, die nach dem essen sogar ihr kostbares stueck handmade chocolate aus kodaikanal mit mir geteilt hat.
aber ich will nicht voreilig sein. es gibt bestimmt noch viel ueber diesen ort hier zu erzaehlen. ich will ja drei wochen hierbleiben (erstmal vorsichtshalber nicht vier wochen, wie ich gestern noch geschrieben habe).
ich gehe also zurueck zu gestern nacht:
pia und ich waren beide etwas aufgeregt wegen dem heutigen tag. sie musste um zehn nach fuenf einen zug erwischen und ich um fuenf einen bus.
wir bestellten eine rikscha fuer halbfuenf vors hotel, trauten aber der sache nicht so hundertprozentig.
als wir uns endlich schlafen legen wollten, entdeckten wir diese zwei kakerlaken im badezimmer. und der gecko an der wand machte einfach keine anstalten, die biester aufzufressen. selbst waren wir zu moerderischen aktionen zu feige.
das ende vom lied war, dass wir bei licht schliefen. weil kakerlaken ja schliesslich das dunkel lieben und sich bei licht in die hintersten loecher verkriechen. so schliefen wir eigentlich recht gut, so zwischen halbelf und drei. dann weckte uns das reisefieber.
weshalb meine augen grade die groesse von suppentellern haben. aber ich will ja hier noch was verfertigen, bevor der newcomer-empfang ist.
um viertel nach vier stamperten wir den rezeptionisten aus dem schlaf, der sich hinter der theke auf einer matratze hingelegt hatte und seine brille nicht finden konnte.
dann bekamen wir statt einer rikscha sogar zwei, aber nicht die, die wir bestellt hatten. wir verabschiedeten uns also rasch und fuhren in zwei verschiedene richtungen fort.
um halbfuenf schon war ich bei meinem bus. der schreck war gross, als ich erkannte, dass es keinen sitzplatz mehr gab. richtete mich aber auf drei stunden stehen ein. aber ein netter mann bot mir nach einer weile seinen platz an. der engel des tages! ueberhaupt waren alle sehr nett.
zwischendurch konnte ich mal aussteigen und einen tee trinken, und alle halfen bei der aktion.
das habe ich in indien oft erlebt. wenn man in irgendeiner schwierigen situation ist, dann gibt es schnell mindestens einen helfer oder beschuetzer, der einem beisteht.
ein mann mit einer hasenscharte schlief an meinen rucksack gelehnt.
vor mir sass eine junge mutter mit ihrem kleinen kind. in kerala haben die kinder unglaublich grosse und schoene dunkle augen mit langen glaenzenden wimpern. diese augen werden (ich glaube sogar, bei beiden geschlechtern) durch reichlichen gebrauch von kajalstift noch verstaerkt.
ich weiss ausserdem nicht, in welchem anderen land der welt die maenner einen wuerdigen eindruck machen wuerden, wenn sie sich ein handtuch um den kopf wickeln oder als schal um den hals legen wuerden, wie die suedindischen maenner es gerne machen.
ich bin also zurueck in tamil nadu!
stieg in palani um, einer tempel- und pilgerstadt, in der ich mit pia letztes mal eine nacht verbracht habe, und die uns in frenetischer erinnerung geblieben ist. auch heute morgen um acht am busbahnhof war palani sich selber treu:
zahllose pilger (vor allem junger maenner) mit geschorenem und dann mit einem gelben pulver eingeriebenem kopf, ein chipsverkauefer, der mir erst hilfsbereit den bussteig zeigte und dann alle flueche der welt ueber mir ausschuettete, weil ich ihm keine chips abkaufte. (und das lag nur daran, weil ich kein kleingeld mehr hatte, sonst haette ich ihm sogar was gegeben.)
ich versuchte ausserdem, meine indische telefonkarte zu laden... versuche nie, in palani deine telefonkarte zu laden. du gehst fort und zweifelst an allem.
aber ich moechte ja eigentlich ein loblied auf die indischen busschaffner singen:
das ist ein hochleistungsjob, bei dem die auswahlkriterien mindestens so streng sein muessen wie fuer die leibgarde der englischen koenigin.
sie haben immer genau alles im blick. sie treiben die leute beim einsteigen und beim aussteigen mit ihren monotonen rufen an, sie draengen sich mit ihren kleinen fitzelfahrscheinen und mit zwischen die finger geklemmten geldscheinen durch den bus, ohne jemals die geduld zu verlieren, und das unermuedlich, auf stundenlangen reisen ueber strassen mit extremen fahreigenschaften, in bussen, deren getriebe klingt, als waere es kurz vor der explosion. wenn sie zwischendurch mal eine ruhige minute haben, dann zaehlen sie ihr geld und schreiben kleine ziffern auf ein blatt papier, im stehen an einen sitz gelehnt (hat schon mal jemand versucht, in einem indischen bus was zu schreiben?). ich habe nie die befuerchtung, dass ich aus einem bus nicht rauskomme, bloss weil die leute so dicht gedraengt stehen, dass man nicht einmal ahnt, dass der bus eine tuer hat. der indische busschaffner wirds schon regeln. er ruft und klopft, er sagt mit ruhiger stimme zu einem, wait, wait, und wie durch zauber gibt es ploetzlich einen lichten gang, durch den man hinaus spaziert, und auch das gepaeck ist wunderbarerweise mit dabei, und da steht man dann wieder und blinzelt in die sonne und fragt sich: und wo bin ich jetzt wieder gelandet?
(keine angst, der naechste helfer ist schon um die ecke...)
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Sonntag, 1. Februar 2009
Samstag, 31. Januar 2009
internetpause auf dem elefantenberg
sorry dass ich einfach so sang- und klanglos hier eine unverzeihlich lange pause eingelegt habe (und danke all meinen engagierten lesern!).
aber das kam so: erstmal hab ich mir wieder (auf der zugfahrt von chidambaram nach tiruchirapally) eine erkaeltung zugezogen und konnte einfach keinen fuss in ein verschwitztes internetcafe setzen.
dann sind wir nach kerala gefahren und dort sogleich in die berge entschwunden, und da bin ich zwar von meiner erkaeltung genesen, aber ein internetcafe war dort nicht in sicht (ich konnte nicht mal sms-en von dort aus).
aber wie kann ich jetzt eine zusammenfassung der letzten vierzehn tage liefern?
es ist voellig unmoeglich.
vielleicht hilft eine simple aufzaehlung
1. der shiva-tempel in chidambaram mit seinen unbegreiflichen ritualen, hunderte von brahminen mit einer schicken knotenfrisur. dort sah ich eine kuh eine plastiktuete fressen und liess mich mit einer art messingschale segnen, die man mir kurz auf den kopf stuelpte. ausserdem habe ich wieder mal heiliges wasser geschluerft.
2. eine bootsfahrt auf den backwatern von pichivaram (den namen habe ich gerade erfunden!). der bootsfahrer fing ploetzlich an, ein endlos langes improvisiertes lied ueber einen bootsmann und sein boot zu singen.
3. auf der zugfahrt von chidambaram nach tiruchirapalli fragten mich meine zwei nachbarinnen, zwei indische maedchen (elf und zwoelf jahre alt), was fuer eine seife ich benuetze, weil meine haut so weiss ist...
4. dann holte ich meine brille im st.joseph's eye hospital ab. es sind nicht die brillenglaeser, die lila sind, sondern das gestell, aber es hat bei der bestellung ein missverstaendnis gegeben, was fuer indien so typisch ist, dass ich es kaum fuer erwaehnenswert halte, und, naja, mal sehen, ob ich sie in den naechsten jahren mal aufsetzen werde.
5. wir fuhren also nach palakkad. pia und ich. wir hatten es ploetzlich so satt zu reisen. wir wollten irgendwo sein, unsere taschen auspacken, am besten weit weg vom laerm und dreck und gestank der staedte. also nahmen wir einen bus nach nelliampathy, einen winzigen ort inmitten von tee- und kaffeeplantagen in 1500 m hoehe und mieteten uns in einem guesthouse mit dem schoenen namen 'ciscilia heritage' ein, wo wir beschlossen, neun tage zu bleiben. wir waren meist die ganze zeit die einzigen gaeste im haus, betreut von einem wunderbaren wesen mit dem namen appu. nur ueber das wochenende kamen ein paar indische mittelschichtsfamilien mit ihren mittelschichtsgewohnheiten, darueber vielleicht spaeter mehr.
um dorthin zu kommen, musste man von nelliampathy einen der vielen jeeps nehmen, in denen die jungen maenner des ortes den ganzen tag lang auf kunden warten. der jeep brauchte fuer die sechs kilometer ungefaehr zwanzig minuten, was etwas ueber den zustand des weges aussagt.
aber erst als wir die zweistuendige jeepfahrt nach manpaara gemacht hatten (viewpoint, gaanz wichtig in indien), hatte ich das gefuehl, wirklich in die extreme dessen eingeweiht worden zu sein, was man landlaeufig strassen oder wege nennt.
der besitzer unseres guesthouses hatte den schoenen namen joe sunny, seine frau hiess femmi, sie waren grosse gartenphantasten, und sie ueberschlugen sich darin, uns jeden tag neue spezialitaeten der kerala-kueche aufzutischen. gestern haben sie uns einige rezepte verraten, und wir haben eine vereinbarung: wenn ich das naechste mal komme, dann bekomme ich einen privaten kochkurs.
heute haben wir ausgerechnet, dass uns diese rundum-versorgung pro tag ungefaehr 10 euro per person gekostet hat. fuer indien sind das gehobene preise. fuer uns ist das erschwinglicher luxus.
taeglich haben wir wanderungen und spaziergaenge in die umgebenden teeplantagen gemacht, haben mit den arbeitern geredet, die den tee gepflueckt haben (ungefaehr 3 woerter), und jedesmal, wenn ich an einem speziellen stein vorbei kam, habe ich eine banane fuer die affen dagelassen, die auch naechstes mal garantiert weg war.
an den abenden sind wir immer auf unseren hausberg gestiegen, ein aufstieg von ungefaehr einer halben stunde, wo man einen wunderbaren ausblick hatte, und dort haben wir uns in die abendsonne gesetzt und auf die tiere gewartet.
wir haben riesige schwarze hirsche gesehen und einen bisonochsen. wir haben kleinere zierliche rehe gesehen und drei verschiedene sorten affen (eine art silberner punk-affe von unserer fruestuecksterrasse aus), wir haben rieseneichhoernchen gesehen und viele glueckliche kuehe (worueber man in indien schon froh ist), und ausserdem haben wir viel elefantenkacke gesehen und die ganze zeit gehofft, dass uns doch irgendwann einmal so ein ruesseltier ueber den weg laeuft. was wir dann gemacht haetten, weiss ich allerdings nicht.
die tage waren unterteilt in dreimal essen, einmal tea time, der rest war wandern und lesen und viel schreiben.
es gab den regenschirmmann, den shortsmann , streifenmann und den kuhmann.
allein darueber koennte ich eine menge schreiben.
von den pflanzen habe ich jetzt gar nichts gesagt. heute morgen, kurz vor unserer abfahrt durften wir noch jede eine frische passionsfrucht ausloeffeln und die ayurvedapflanzungen des gelaendes bewundern. wir haben viele, viele fotos gemacht.
so, und morgen trennen sich unsere wege. pia faehrt nach chennai und fliegt von dort nach hause. und ich fahre nach kodaikanal, wo ich im bodhizendo angemeldet bin. ob es dort ein erreichbares internetcafe gibt, weiss ich nicht. ich hoffe aber, dass ich euch bald wieder auf dem laufenden halten kann.
jetzt ist jedenfalls erst mal stille angesagt und meditation. ich hoffe, dass ich den ganzen februar dort bleiben kann.
aber das kam so: erstmal hab ich mir wieder (auf der zugfahrt von chidambaram nach tiruchirapally) eine erkaeltung zugezogen und konnte einfach keinen fuss in ein verschwitztes internetcafe setzen.
dann sind wir nach kerala gefahren und dort sogleich in die berge entschwunden, und da bin ich zwar von meiner erkaeltung genesen, aber ein internetcafe war dort nicht in sicht (ich konnte nicht mal sms-en von dort aus).
aber wie kann ich jetzt eine zusammenfassung der letzten vierzehn tage liefern?
es ist voellig unmoeglich.
vielleicht hilft eine simple aufzaehlung
1. der shiva-tempel in chidambaram mit seinen unbegreiflichen ritualen, hunderte von brahminen mit einer schicken knotenfrisur. dort sah ich eine kuh eine plastiktuete fressen und liess mich mit einer art messingschale segnen, die man mir kurz auf den kopf stuelpte. ausserdem habe ich wieder mal heiliges wasser geschluerft.
2. eine bootsfahrt auf den backwatern von pichivaram (den namen habe ich gerade erfunden!). der bootsfahrer fing ploetzlich an, ein endlos langes improvisiertes lied ueber einen bootsmann und sein boot zu singen.
3. auf der zugfahrt von chidambaram nach tiruchirapalli fragten mich meine zwei nachbarinnen, zwei indische maedchen (elf und zwoelf jahre alt), was fuer eine seife ich benuetze, weil meine haut so weiss ist...
4. dann holte ich meine brille im st.joseph's eye hospital ab. es sind nicht die brillenglaeser, die lila sind, sondern das gestell, aber es hat bei der bestellung ein missverstaendnis gegeben, was fuer indien so typisch ist, dass ich es kaum fuer erwaehnenswert halte, und, naja, mal sehen, ob ich sie in den naechsten jahren mal aufsetzen werde.
5. wir fuhren also nach palakkad. pia und ich. wir hatten es ploetzlich so satt zu reisen. wir wollten irgendwo sein, unsere taschen auspacken, am besten weit weg vom laerm und dreck und gestank der staedte. also nahmen wir einen bus nach nelliampathy, einen winzigen ort inmitten von tee- und kaffeeplantagen in 1500 m hoehe und mieteten uns in einem guesthouse mit dem schoenen namen 'ciscilia heritage' ein, wo wir beschlossen, neun tage zu bleiben. wir waren meist die ganze zeit die einzigen gaeste im haus, betreut von einem wunderbaren wesen mit dem namen appu. nur ueber das wochenende kamen ein paar indische mittelschichtsfamilien mit ihren mittelschichtsgewohnheiten, darueber vielleicht spaeter mehr.
um dorthin zu kommen, musste man von nelliampathy einen der vielen jeeps nehmen, in denen die jungen maenner des ortes den ganzen tag lang auf kunden warten. der jeep brauchte fuer die sechs kilometer ungefaehr zwanzig minuten, was etwas ueber den zustand des weges aussagt.
aber erst als wir die zweistuendige jeepfahrt nach manpaara gemacht hatten (viewpoint, gaanz wichtig in indien), hatte ich das gefuehl, wirklich in die extreme dessen eingeweiht worden zu sein, was man landlaeufig strassen oder wege nennt.
der besitzer unseres guesthouses hatte den schoenen namen joe sunny, seine frau hiess femmi, sie waren grosse gartenphantasten, und sie ueberschlugen sich darin, uns jeden tag neue spezialitaeten der kerala-kueche aufzutischen. gestern haben sie uns einige rezepte verraten, und wir haben eine vereinbarung: wenn ich das naechste mal komme, dann bekomme ich einen privaten kochkurs.
heute haben wir ausgerechnet, dass uns diese rundum-versorgung pro tag ungefaehr 10 euro per person gekostet hat. fuer indien sind das gehobene preise. fuer uns ist das erschwinglicher luxus.
taeglich haben wir wanderungen und spaziergaenge in die umgebenden teeplantagen gemacht, haben mit den arbeitern geredet, die den tee gepflueckt haben (ungefaehr 3 woerter), und jedesmal, wenn ich an einem speziellen stein vorbei kam, habe ich eine banane fuer die affen dagelassen, die auch naechstes mal garantiert weg war.
an den abenden sind wir immer auf unseren hausberg gestiegen, ein aufstieg von ungefaehr einer halben stunde, wo man einen wunderbaren ausblick hatte, und dort haben wir uns in die abendsonne gesetzt und auf die tiere gewartet.
wir haben riesige schwarze hirsche gesehen und einen bisonochsen. wir haben kleinere zierliche rehe gesehen und drei verschiedene sorten affen (eine art silberner punk-affe von unserer fruestuecksterrasse aus), wir haben rieseneichhoernchen gesehen und viele glueckliche kuehe (worueber man in indien schon froh ist), und ausserdem haben wir viel elefantenkacke gesehen und die ganze zeit gehofft, dass uns doch irgendwann einmal so ein ruesseltier ueber den weg laeuft. was wir dann gemacht haetten, weiss ich allerdings nicht.
die tage waren unterteilt in dreimal essen, einmal tea time, der rest war wandern und lesen und viel schreiben.
es gab den regenschirmmann, den shortsmann , streifenmann und den kuhmann.
allein darueber koennte ich eine menge schreiben.
von den pflanzen habe ich jetzt gar nichts gesagt. heute morgen, kurz vor unserer abfahrt durften wir noch jede eine frische passionsfrucht ausloeffeln und die ayurvedapflanzungen des gelaendes bewundern. wir haben viele, viele fotos gemacht.
so, und morgen trennen sich unsere wege. pia faehrt nach chennai und fliegt von dort nach hause. und ich fahre nach kodaikanal, wo ich im bodhizendo angemeldet bin. ob es dort ein erreichbares internetcafe gibt, weiss ich nicht. ich hoffe aber, dass ich euch bald wieder auf dem laufenden halten kann.
jetzt ist jedenfalls erst mal stille angesagt und meditation. ich hoffe, dass ich den ganzen februar dort bleiben kann.
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