bevor es aufs land geht, noch ein neuer eintrag.
ich weiss naemlich nicht, ob es in thaneepalli und kulitthalai ein internetcafe gibt.
heute morgen bin ich vor dem fruehstueck im hotelpool 20 bahnen geschwommen. ich war ganz allein. die inder gehen nicht ins schwimmbad, glaube ich.
gestern haben wir einen besuch in der Intact Special School gemacht.
Intact Special School ist eine schule fuer geistig behinderte kinder in der naehe von trichy.
ein kleines und duennes maedchen sass in einem kleinen rollstuhl, mit grossen dunklen augen und einem ganz feinen und frohen laecheln.
karuna ebenezer, die leiterin der schule, erzaehlte, dass das maedchen in einem tempel ausgesetzt worden war und dann zu Intact gebracht wurde.
leute aus dem ort erzaehlten, dass die eltern zweimal versucht haetten, ihr kind zu vergiften.
dann hatten sie es ausgesetzt.
wir besuchten die kinder in ihren klassenzimmern, wo sie fuer uns sangen oder uns nur die hand schuettelten und lachten.
geistig behinderte existieren in der indischen gesellschaft nicht als personen.
in der schule lernen sie grundlegende fertigkeiten. sich waschen, aufs klo gehen, sich anziehen, essen. die begabteren lernen lesen und schreiben und rechnen.
alle schueler sollen in der schule lernen, ihren namen zu schreiben.
sie singen und tanzen viel, und jeden tag gibt es eine halbe stunde joga fuer alle schueler.
ausserdem haben sie einen swimming pool, in dem jeder schueler einmal in der woche schwimmt.
die lehrer stellen individuelle teilziele fuer jeden schueler auf, fuenf ziele fuer drei monate. nach drei monaten werden fuenf neue teilziele aufgestellt, die der schueler zu erreichen versucht.
vor ein paar jahren war die schule nur eine strohhuette. jetzt gibt es zwei zweistoeckige gebaeude und einen swimming pool.
von den 82 schuelern haben 50 einen sponsor. diese sponsorengelder finanzieren auch das personal, ich glaube es arbeiten ueber 40 leute dort, von denen einige ehemalige schueler sind. die gebaeude sind auch von sponsoren finanziert, die hauptsaechlich aus schweden kommen.
mit achtzehn jahren verlassen die schueler die schule.
das ist ein problem, da sie natuerlich so gut wie keine moeglichkeiten haben, in der gesellschaft einen platz, dh. eine arbeit, zu finden.
deshalb wurde ein anschlussprojekt gegruendet. es heisst opportunity camp.
zwoelf jugendliche bzw. junge erwachsene (sechs maedchen und sechs jungen) bekommen die moeglichkeit, auf einem stueck land die grundlagen des oekologischen anbaus zu lernen. sie bauen erdnuesse, linsen an, zuechten pilze, haben mehrere kuehe. die erdnuesse werden zu oel verarbeitet, die pilze verkauft, ebenso die milch.
auch die jugendlichen machen eine halbe stunde am tag joga.
wir sammelten geld in der gruppe ein, um ein neues buero fuer die schule zu finanzieren. jeder gab ungefaehr 40 euro, insgesamt etwa 700 euro.
wir trafen auch unser patenkind kausaliya. dies ist ein anderes projekt von Intact. maedchen aus armen familien in bergdoerfern wird die moeglichkeit gegeben, die schule zu besuchen. sponsoren in schweden bezahlen diesen schulbesuch, bis das maedchen seine ausbildung abgeschlossen hat. wenn das maedchen also waehlt, eine universitaetsausbildung zu machen, dann bezahlt man das bis zum ende des universitaetsbesuchs.
diese maedchen sind die ersten in ihrern doerfern, die lesen und schreiben koennen.
vor zwei jahren trafen wir kausalyia. damals war sie klein und sehr schuechtern. jetzt war sie schon selbstbewusster und redete ein bisschen englisch. zum abschied gab sie uns sogar ein bussi auf die backe.
ich fragte sie auch dieses mal, was sie einmal werden will. sie sagte, aerztin.
ich sagte, dann komme ich zu dir, wenn ich alt und krank bin. ihre lehrerin uebersetzte.
kausalyia spielte aerztin und hoerte mein herz ab.
wir gaben ihr ein paar geschenke (stifte und papier und eine schablone, mit der man buchstaben nachzeichnen kann) und bezahlten auch das geld fuer ihre reise.
es ist eine anstrengende tagesreise fuer sie. diese treffen sind aber wichtig, sagt thomas, der der leiter von Intact ist. die sponsoren sind nicht nur anonyme geldgeber, sondern richtige menschen. ausserdem motivieren diese begegnungen die maedchen natuerlich, weiterhin zur schule zu gehen.
ich fragte kausalyia, was ihr lieblingsfach in der schule ist. englisch, sagte sie. english is important. letztes mal sagte sie tamil, das ist die sprache ihres landes.
kausalyia hat eine geistig behinderte schwester, die zuhause lebt. ihre eltern sind arme feldarbeiter.
ohne das Intact projekt waere diese familie auf einer der niedrigsten stufen der indischen gesellschaft. aber bereits jetzt kann kausalyia, sie ist zehn jahre alt, lesen und schreiben und hat allein dadurch unendlich mehr moeglichkeiten.
jetzt habe ich viel geschrieben, und ich hoffe, es war nicht allzu langweilig zu lesen. es gibt wahrscheinlich ein paar tage pause, bevor ich mich wieder auf diesem weg melde.
uebrigens, es sind fuenfeinhalb stunden zeitunterschied zwischen indien und deutschland.
wenn es hier kurz vor elf am vormittag ist, so wie jetzt, liegt ihr wahrscheinlich noch in euren betten und schlummert.
alles gute und bis zum naechsten mal!
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Samstag, 10. Januar 2009
Freitag, 9. Januar 2009
trichy by night
und wieder sitze ich in einem internetcafe. es ist ueberhaupt nicht schwer, in indien ein internetcafe zu finden. es gibt sie an allen ecken. eine stunde surfen kostet 25-30 rupies, das sind ungefaehr 50 cent. eine stunde reicht, um meine mails zu lesen und etwas in meinen blog zu schreiben.
wir sind jetzt in tiruchirapally, kurz trichy genannt.
gestern kamen wir mit dem zug hierher.
es ist ein besonderes erlebnis, zug zu fahren.
erstmal ist mir aufgefallen, dass ich mich ueberhaupt nicht fuer den fahrplan interessierte, waehrend ich in deutschland oft dasitze und den "zugbegleiter" minutioes lese und kontrolliere, ob wir auch nicht irgendwo zwei minuten zu spaet abfahren.
hier entwickelt man irgendwie ein anderes verhaeltnis zur zeit.
ungeduld scheinen inder nicht zu kennen, und selbst wird man von ihrer gelassenheit angesteckt. ich sass am offenen fenster, liess mich vom fahrtwind anblasen und las die "zeit", die ich noch von der flugreise mit mir habe und die ich bis auf das letzte wort ausquetsche. das war natuerlich wegen des fahrtwinds nicht so leicht, vor allem, wenn ich versuchte, die zeitung umzublaettern.
dann wieder schaute ich hinaus auf reisfelder, halbtrockene flussbetten, doerfer, kinder, die dem zug zuwinkten, bunte dorftempel, flaches land, palmenhaine.
in einem beinahe ununterbrochenen strom gehen zugverkaeufer durch den zug und verkaufen tee, kaffee, frittierte linsenbaelle oder pepperoni oder reis mit gemuese, und an den bahnhoefen kommen die fliegenden verkaeufer ans fenster, mit kalten getraenken, mehr tee und mehr kaffee.
unser hotel in trichy ist ein ziemlicher luxuskasten, mit swimmingpool, mehreren geschaeften und restaurants und einer grossen empfangshalle. wir sind hier zwei naechte, und morgen fahren wir weiter aufs land, wo wir eher spartanisch wohnen werden.
wenn man das hotel betritt, kommen einem gleich mehrere uniformierte inder entgegen, die einem das gepaeck abnehmen und auch sonst jeden wunsch von den augen ablesen wollen.
heute oeffnete ich am nachmittag nur kurz die zimmertuer, weil ich glaubte, dass jemand geklopft hatte, da stand ein inder vom room service vor der tuer und fragte, ob ich vielleicht kaffee oder tee wollte oder sonst einen wunsch hatte. ja, wenn ich es mir recht ueberlegte, wollte ich kaffee. ich bekam also nach einer weile kaffee in einer kleinen thermoskanne. dann bezahlte ich und der mann ging wieder, um wenig spaeter zurueck zu kommen und mir die quittung mit dem stempel "bezahlt" zu ueberreichen.
es geht alles sehr korrekt zu. noch nie hat ein inder versucht, mich irgendwie uebers ohr zu hauen. ueberall werden quittungen ausgestellt, mit blaupause und stempel und am liebsten von mehreren leuten unterschrieben und kontrolliert.
ich hatte meine kleidung in mamallapuram selbst gewaschen, wollte sie aber hier zum buegeln bringen lassen (es ist wichtig, dass man gebuegelte kleidung traegt) und liess sie vom room service abholen. heute bekam ich sie zurueck, in zeitungspapier eingeschnuert, und als ich die blusen und hosen herausholte, entdeckte ich, dass in jede bluse ein zusammengefaltetes zeitungspapier eingeschoben war.
auf der strasse gibt es staende, an denen man seine kleider buegeln lassen kann. viele buegler benuetzen noch buegeleisen, die mit kohlen geheizt werden.
heute haben wir Intact Special School besucht. das ist eine schule fuer geistig behinderte kinder, und ich muss vielleicht morgen mehr darueber schreiben.
nachmittags schwamm ich im pool des hotels. dann sass ich auf dem balkon vor unserem zimmer, trank kaffee, las in der "zeit" und betrachtete die adler, die ueber der stadt schwebten.
(ich weiss, dass es adler sind, weil der poolwaechter es mir vor zwei jahren gesagt hat.)
es ist warm, kurz vor zehn uhr abends, im internetcafe laufen die ventilatoren. ausser mir sitzen nur inder in den kleinen orangefarbenen gehaeusen.
wir sind jetzt in tiruchirapally, kurz trichy genannt.
gestern kamen wir mit dem zug hierher.
es ist ein besonderes erlebnis, zug zu fahren.
erstmal ist mir aufgefallen, dass ich mich ueberhaupt nicht fuer den fahrplan interessierte, waehrend ich in deutschland oft dasitze und den "zugbegleiter" minutioes lese und kontrolliere, ob wir auch nicht irgendwo zwei minuten zu spaet abfahren.
hier entwickelt man irgendwie ein anderes verhaeltnis zur zeit.
ungeduld scheinen inder nicht zu kennen, und selbst wird man von ihrer gelassenheit angesteckt. ich sass am offenen fenster, liess mich vom fahrtwind anblasen und las die "zeit", die ich noch von der flugreise mit mir habe und die ich bis auf das letzte wort ausquetsche. das war natuerlich wegen des fahrtwinds nicht so leicht, vor allem, wenn ich versuchte, die zeitung umzublaettern.
dann wieder schaute ich hinaus auf reisfelder, halbtrockene flussbetten, doerfer, kinder, die dem zug zuwinkten, bunte dorftempel, flaches land, palmenhaine.
in einem beinahe ununterbrochenen strom gehen zugverkaeufer durch den zug und verkaufen tee, kaffee, frittierte linsenbaelle oder pepperoni oder reis mit gemuese, und an den bahnhoefen kommen die fliegenden verkaeufer ans fenster, mit kalten getraenken, mehr tee und mehr kaffee.
unser hotel in trichy ist ein ziemlicher luxuskasten, mit swimmingpool, mehreren geschaeften und restaurants und einer grossen empfangshalle. wir sind hier zwei naechte, und morgen fahren wir weiter aufs land, wo wir eher spartanisch wohnen werden.
wenn man das hotel betritt, kommen einem gleich mehrere uniformierte inder entgegen, die einem das gepaeck abnehmen und auch sonst jeden wunsch von den augen ablesen wollen.
heute oeffnete ich am nachmittag nur kurz die zimmertuer, weil ich glaubte, dass jemand geklopft hatte, da stand ein inder vom room service vor der tuer und fragte, ob ich vielleicht kaffee oder tee wollte oder sonst einen wunsch hatte. ja, wenn ich es mir recht ueberlegte, wollte ich kaffee. ich bekam also nach einer weile kaffee in einer kleinen thermoskanne. dann bezahlte ich und der mann ging wieder, um wenig spaeter zurueck zu kommen und mir die quittung mit dem stempel "bezahlt" zu ueberreichen.
es geht alles sehr korrekt zu. noch nie hat ein inder versucht, mich irgendwie uebers ohr zu hauen. ueberall werden quittungen ausgestellt, mit blaupause und stempel und am liebsten von mehreren leuten unterschrieben und kontrolliert.
ich hatte meine kleidung in mamallapuram selbst gewaschen, wollte sie aber hier zum buegeln bringen lassen (es ist wichtig, dass man gebuegelte kleidung traegt) und liess sie vom room service abholen. heute bekam ich sie zurueck, in zeitungspapier eingeschnuert, und als ich die blusen und hosen herausholte, entdeckte ich, dass in jede bluse ein zusammengefaltetes zeitungspapier eingeschoben war.
auf der strasse gibt es staende, an denen man seine kleider buegeln lassen kann. viele buegler benuetzen noch buegeleisen, die mit kohlen geheizt werden.
heute haben wir Intact Special School besucht. das ist eine schule fuer geistig behinderte kinder, und ich muss vielleicht morgen mehr darueber schreiben.
nachmittags schwamm ich im pool des hotels. dann sass ich auf dem balkon vor unserem zimmer, trank kaffee, las in der "zeit" und betrachtete die adler, die ueber der stadt schwebten.
(ich weiss, dass es adler sind, weil der poolwaechter es mir vor zwei jahren gesagt hat.)
es ist warm, kurz vor zehn uhr abends, im internetcafe laufen die ventilatoren. ausser mir sitzen nur inder in den kleinen orangefarbenen gehaeusen.
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