heute morgen verliess ich rishikesh mit einem om-t-shirt (ich konnte einfach nicht wiederstehen... aber bloss zum schlafen, oder fuer den garten, heimlich!!), einem reiki-II-diplom und einer handgemachten klangschale im gepaeck. ausserdem habe ich mir gestern dort eine neue huefttasche gekauft (modell rishikesh) und sie gegen meine uralte aus dem jahr 1998 ausgetauscht.
es war schwer, von rishikesh aufzubrechen, einfach, weil der gedanke daran, wie kompliziert und anstrengend die reise nach dharamsala sein wuerde, mich voellig laehmte.
gestern hatte ich nach einem grossen waschvormittag einen letzten besuch im "little buddha cafe" gemacht, um mir von dem kleinen kellner, der sein t-shirt mit der aufschrift "if being sexy, is a crime you can arrest me" (man beachte das komma!!) trug, eine portion gekochtes gemuese und gekochten reis servieren zu lassen (so viel zum zustand meines magens gestern) und zwei lemon soda zu trinken, waehrend ich in meinem reiki-manual las.
dann hatte ich meine letzte reikisitzung, und nachdem ich am tag zuvor etwas mit meinem lehrer zusammengerumpelt war, weil ich fand, dass er so unkonzentriert und ungeduldig war, nahm er sich jetzt schrecklich viel zeit fuer alles, und ich war erst um 22 uhr, also nach fuenf stunden, wieder im guesthouse, total geschafft und hungrig, aber ich hatte bloss eine kleine tuete cashewnuesse, die ich in mich hineinschuettete, bevor ich mich zum schlafen hinlegte.
auf den naechtlichen gassen traf ich auch die frau aus san francisco noch einmal, die vor ein paar tagen stoehnend und ruelpsend neben mir im "little buddha cafe" gesessen hatte und wuetend auf eine andere frau aus amerika gewesen war, der es aber inzwischen offensichtlich wieder besser ging, denn sie versuchte, einen lang- und schwarzhaarigen juengling an der rezeption des krishna cottage vorbeizuschmuggeln, allerdings ohne erfolg.
in der frueh packte ich, zahlte und lief los, um mich auf dem weg von allen bettlern und sadhus zu verabschieden, von dem lahmenden hund und von der schwangeren kuh, allen, die so meinen weg in den letzten zehn tagen gesaeumt und die ich irgendwie liebgewonnen habe.
ich traf den sadhu wieder, den ich vor ein paar tagen gefragt hatte, wie ich zum shivatempel komme (er teilte grade einen morgenjoint mit zwei anderen sadhus) und er fragte strahlend, ob ich wirklich die dreieinhalb stunden bergauf gelaufen bin. ich bejahte. er war genauso beeindruckt wie der luftwaffeningenieur und rief mir ein "harriooom" hinterher, der typische rishikesh-gruss, von dem ich nicht weiss, was er bedeutet.
ein letztes mal lief ich ueber die haengebruecke, die eigentlich fussgaengerbruecke heisst, was aber in der praxis "fussgaenger"- und "motorisierte zweirad"-bruecke bedeutet, und jetzt ratet mal, wer die vorfahrt hat?
ich ass ein kleines und vorsichtiges fruehstueck im madras-cafe und unterhielt mich mit einer blassen frau aus deutschland, die erst seit zwei tagen hier und seit vier tagen in indien war, aber rishikesh schon vor zwanzig jahren kennengelernt hat.
sie sagte, "als die leprakranken noch auf der anderen seite der bruecke sassen und hinter einem herschrien und -jammerten, das waren noch zeiten".
die frau war gar kein typischer rishikesh-yoga-hippie, sie siezte mich zum beispiel, was mich erst schockierte, mir dann aber gefiel. wir konnten ein kleines, feines, deutsches gespraech fuehren...
ich muss jetzt schnell was zu diesem internetcafe sagen. "internetcafe" ist ein voelliger euphemismus, aber sie nennen sich selber so. dieses "internetcafe" ist ein kleines kabuff, wo ich neben zwei jugendlichen indern sitzen, die grade eine sms mit dem text "when they make love most men have fantasies, their women don't fantasize" an irgendeinen gluecklichen schicken.
soviel zur privatsphaere. ich hab die tastatur auf den knien und weiss nicht so recht, wohin mit den fuessen, weil davor ein ausrangierter computer steht.
man kann sich indien einfach nicht vorstellen. wie schnell alles verschmuddelt und vernachlaessigt aussieht oder wirklich vernachlaessigt wird. der dreck, der sich auf den tastaturen festsetzen kann, wie man einfach werkzeug und alles moegliche herumliegen laesst und die dreckigen kabel mit einem tesafilm zusammenbindet.
ich dachte es auch auf der busreise. es ist oft ein elend, in welchem dreck und chaos die leute arbeiten und leben mussen, und die frage ist, einen wie grossen anteil das klima hat, die hitze, der monsun, und wieviel anteil die kultur hat, die mentalitaet. ich weiss es nicht. an dieser frage haben sich wahrscheinlich schon viele die zaehne ausgebissen.
es hat mich nach chandigarh verschlagen. ich bekam naemlich gestern die eingebung, hier meine busreise zu unterbrechen. chandigarh wurde auf einer anderen internetseite als etwas beschrieben, was es in indien eigentlich gar nicht geben duerfte. es ist eine stadt, die anfang der fuenfziger jahre von le corbusier auf dem reissbrett entworfen wurde, im wunsch, indien eine stadt zu schenken, in der man von null anfangen kann, in einer menschengerechten und ueberschaubaren umgebung.
deshalb ist die stadtstruktur klar und geradlinig, es gibt lauschig gedachte strassen, die von baeumen bestanden sind, und die stadt ist in sektoren aufgeteilt (ich befinde mich momentan im 22sten), aber diese klare und uebersichtliche struktur ist jetzt nicht nur von der zeit und vom wetter angefressen, sondern natuerlich von indischem leben gefuellt, das resultat ist eine etwas befremdliche mischung.
der busbahnhof ist auf jeden fall der uebersichtlichste und sauberste, den ich in indien jemals gesehen habe. was nichts daran aendert, dass sofort, als ich dem bus enttaumelt war, eine gruppe rikschazuhaelter und hotelhaie mich umringte und an den rand der verzweiflung brachte, worauf sie dann wieder sehr fuersorglich und hilfsbereit wurden.
ich habe leider nicht viel zeit, mir chandigarh anzuschauen, denn ich moechte morgen schon wieder weiter, nicht zuletzt, weil die preise hier ziemlich hoch sind (fuer mein zimmer in einem etwas ranzigen, aber freundlichen guesthouse zahle ich 700 rupies, das ist hoechstpreis auf dieser reise).
ich hatte am morgen uebrigens ziemliches glueck mit den bussen, erwischte sofort einen kleinen bus nach haridwar und dann ohne wartezeit einen anschlussbus nach chandigarh, wo mir ein sitzplatz zugewiesen wurde und es sogar platz fuer meinen rucksack unter der sitzbank gab.
busfahrten sind interessant. man kann nicht lesen (ausser der zeitung, die ich mit meinen sitz- und banknachbarn teilte), also schaut man aus dem fenster und stellt betrachtungen an. oder man schaut sich seine mitreisenden an und stellt ebenfalls betrachtungen an.
wir fuhren durch utter pradesh, wo ich die naehe delhis, bzw. old delhis auf den strassen spueren konnte. dann kamen wir nach punjab, einen teilstaat, in dem es relativ viele anhaenger der sikh-religion gibt.
diese sikh-religion ist mir auf den ersten blick sehr sympathisch. sie verbietet z.b., in abgrenzung gegen den islam und den hinduismus, das kastensystemu und das wegschliessen von frauen und lehnt den yogi-asketismus als mittel zur gottesfindung ab. die begegnung mit gott erfolgt in der meditation.
die sikhs wirken immer recht wohlhabend und gebildet. die maenner tragen diesen typischen riesigen turban und einen (oft) langen vollbart, weswegen sie mir bei dieser hitze ziemlich leid tun.
beim motorradfahren koennen sie natuerlich keinen sturzhelm aufsetzen. ein alter sikh hatte seinen turban mit einem unter dem kinn geknoteten tuch festgebunden, damit er ihm beim motorradfahren nicht wegflog.
am wegrand waren ueber kilometer weg saeuberlich aufgestapelte kuhfladentuermchen zu sehen, wahrscheinlich der brennstoffvorrat fuer das jahr. es war wirklich kunstvoll gemacht, und wenn ein solches sich nach oben verjuengendes kuhfladentuermchen fertig war, wurde es mit kuhdung ummantelt und dann mit stroh bedeckt.
ich habe mir nur meine eigenen erklaerungen zurecht gezimmert.
es ist naemlich unglaublich schwer, mit leuten ein gespraech zu fuehren, das ueber die aeussersten selbstverstaendlichkeiten hinausgeht. ihr englisch reicht einfach nicht dafuer.
manchmal gibt es inder, die eine gute schule besuchen und besonders gut englisch koennen, und sie moechten sich auch gern mit einem unterhalten. aber sie sind auch nur auf einen bestimmten typ von gespraechen gepolt und getrimmt, so dass sie manchmal klingen wie kleine sprachcomputer, humorlos und ein wenig anbiedernd.
einen inder im bus nach den kleinen kuhfladentuermchen am wegrand zu fragen kam mir ganz einfach nicht in den sinn.
die busfahrt haridwar-chandigarh dauerte sechseinhalb stunden, inkl. einer viertelstunde pause bei einem effektiven schnellrestaurant, wo man dal und naan essen konnte.
ich beschraenkte mich aber wegen meinem magen auf zwei trockene naan.
mein abendessen nahm ich im chinesischen restaurant "chopstick" zu mir. ich bestellte nudeln mit gemuese und ueberraschte den kellner wahrscheinlich dadurch, dass ich die gesamte familienportion ratzeputz aufass.
soll man einem kellner trinkgeld geben, der das fussballspiel australien-griechenland vom fernsehbildschirm wegschaltet, obwohl man als einziger gast gerade dieses fussballspiel interessiert betrachtet hat?
ich fand nein. aber ich akzeptiere auch, wenn jemand eine andere meinung hat.
noch ein nachwort: in der zeitung las ich gestern, dass der kleine junge, der von einer rostigen eisenstange durchbohrt wurde, als er von einem dach herunterfiel, ausser gefahr sei. das war doch mal eine gute nachricht!
Montag, 16. März 2009
Samstag, 14. März 2009
der heilige berg und ein horrorfilm aus israel
heute bin ich also gepilgert. ich schluckte meine gruene und meine braunen pillen, packte cashewnuesse und rosinen und sechs bananen sowie eine flasche wasser in meinen rucksack, schmierte mich mit sonnenmittel ein und lief los richtung stadauswaerts.
vom shivatempel hatte ich nur gehoert und dass man dorthin drei stunden bergauf laeuft (aber mit dem taxi zurueckfahren kann), deshalb lief ich sozusagen nach hoerensagen und in die richtung, in die ich gestern die pilger laufen gesehen habe, die kleine plastikflaschen mit gangeswasser vor sich hertrugen und sehr gesammelt und fromm aussahen.
vom sadhu, den ich fragte, bekam ich eine falsche wegbeschreibung, aber schliesslich war ich dann auf dem richtigen weg, einem betonierten (oder zementierten) pfad, der in den wald hineinfuehrte und auf dem ich gleich auf einen verkaufsstand stiess, an dem man u.a. affenfutter verkaufte, wozu ich mich hinreissen liess.
die ersten affen, die mir dann begegneten, sahen sofort das beutelchen in meiner hand, und jetzt war es natuerlich schluss mit possierlichem affenfuettern, koernchen-hinschmeissen usw., weil ich sofort aus angst vor dem groessten affen, der an mir hochzuklettern versuchte, das beutelchen hinwarf und seinem schicksal ueberliess (wahrscheinlich hat der grosse affe alles allein aufgefressen).
erst dachte ich, ich sei allein auf dem weg, der links und rechts eher einer muellhalde glich.
ich verstehe nicht wirklich, warum die inder allen abfall einfach an ort und stelle fallen lassen, als wuerde ihnen staendig eine grosse fegende mami hinterher laufen.
diese gleichgueltigkeit fuer umwelt und natur ging mir heute frueh ziemlich an die nieren.
als ich ungefaehr eine halbe stunde gelaufen war, hatte ich die ersten pilger eingeholt.
es war eine gruppe von vier maennern, vor denen ich angst gehabt haette, wenn nicht ein alter mann mit einem freundlichen gesicht dabei gewesen waere, mit dem ich ein paar worte wechselte. einer der maenner hatte eine sehr schlechte kondition und bewegte sich schnaufend, stoehnend und schlenkernd vorwaerts.
ich wusste nicht genau, ob es fuer sie eine provokation darstellt, wenn eine frau sie ueberholt. dass ich diese gedanken ueberhaupt dachte, sagt einiges ueber die ausstrahlung, die die indischen maenner in nordindien haben.
ich begegnete so allmaehlich einigen maennergruppen und sah ein, dass der berg nur von maennern bewandert wurde, jedenfalls heute, was natuerlich wieder gedanken in mir entstehen liess, ob sie es vielleicht unpassend fanden, dass eine frau hier herumlief.
andauernd ueberlegte ich, ob ich vielleicht angst haben sollte.
die blicke, die mir begegneten, waren selten freundlich, hauptsaechlich neugierig und ein wenig misstrauisch, wenn nicht sogar voller abneigung. ich habe es jedenfalls so wahrgenommen.
ich versuchte, immer freundlich zu sein und zu laecheln, fragte mich aber auch zwischendurch, ob das vielleicht die falsche strategie war.
ich liess ihnen den vortritt, sagte "namaste" und "tired?", wenn einer sich hinsetzte, um zu verschnaufen, ueberlegte dann gleich wieder ob diese frage vielleicht eine demuetigung und beleidigung fuer sie darstellte.
ich dachte an die geschmeidigen und sanften maenner suedindiens.
mein gehirn lief kurz gesagt auf volltouren. selten war ich auf einer wanderung so wenig entspannt. die natur konnte ich nicht geniessen, sie war auch so verschandelt.
ich machte die beobachtung, dass die meisten pilger das wandern nicht gewohnt waren, sie hatten also ueberhaupt keine technik und auch nicht viel kondition.
die jungen bewegten sich mit jugendlicher kraft vorwaerts und manchmal mit in der gruppe ausgestossenen kraftschreien, fielen aber nach ein paar hundert metern wieder ermattet zusammen und legten sich hin.
die alten bewegten sich mit willen und prustend, watschelnd und schwitzend vorwaerts, und wenn ich es wagte, einen zu ueberholen, dann erhoehte er gleich das tempo und es war mir, als floegen kleine fluchpfeile hinter mir her.
es gab ein paar zaehe, denen man ansah, dass sie in ihrem leben schon sehr viel gelaufen waren.
wegen meiner von der krankheit noch geschwaechten kondition war ich von anfang an ziemlich langsam gegangen, mit kleinen schritten, machte nur manchmal pause, um wasser zu trinken, setzte mich aber nie hin.
an manchen verfallenen mauern waren fotokopierte bilder von menschen mit text auf hindi angebracht und ich fantasierte, dass das menschen waren, die hier auf diesem weg verschwunden waren und auf diesem weg gesucht wurden. auf einem blatt konnte ich 25.000 lesen und dachte, 25.000 rupies belohnung fuer jeden sachdienlichen hinweis...
wahrscheinlich ging meine fantasie mit mir durch, jedenfalls war ich froh, dass ich, als der weg die "zivilisation" wieder erreichte, noch bei guter gesundheit war.
vielleicht war dieser pilgerweg frueher einmal bedeutender, aber am ende des waldes wartete jetzt nur eine tote stadt mit wenig bevoelkerung, verfallene und verfallende haeuser, leere strassen, leblosigkeit.
der shivatempel (der fuer mich eigentlich nur der vorwand fuer eine wanderung gewesen war) war im vergleich zu den tempeln suedindiens ziemlich popelig.
die meisten pilger waren uebrigens mit autos dorthin gekommen. man konnte opfergaben kaufen und sich dann einen roten shivadreizack mit einem metallstempel auf den kopf druecken lassen. diese aufgabe erfuellte ein brahmane mit einer fliessjacke und einer verfilzten hippiefrisur, der sich aber offensichtlich aufrichtig freute, mir einen shiva-dreizack auf die stirn druecken zu duerfen.
in einem anderen kleinen raum konnte man die russgeschwaerzten werkzeuge shivas, die aus einer feuerstelle ragten und von einem weiteren brahmanen bewacht wurden, beruehren.
ich hatte ziemlich schnell meine runde gemacht und wollte jetzt mit dem taxi zurueck fahren.
ein taxifahrer sprach mich gleich an, bot mir rishikesh fuer 50 rupies an, ich dachte nanu, und dann verfrachtete er mich in ein taxi, das bereits mit zwei frauen und zwei kindern besetzt waren, die bei meinem anblick vor schreck erstarrten (die kinder, nicht die frauen).
die frauen betrachteten mich gleich als ihr maskottchen und liessen sich von ihren noch draussen stehenden maennern mit mir fotografieren. sie legten mir die arme um die schultern und ich sollte auch die arme um ihre schultern, meine hand in die ihre legen, und auf diese weise wurden mit mehreren kameras mehrere bilder gemacht.
der taxifahrer hatte jetzt ein weiteres ehepaar aufgetrieben, die er neben mir ins taxi quetschen wollte. ich musste den schaltknueppel zwischen die beine nehmen. die beiden waren aber ziemlich beleibt, ausserdem wahnsinnig schlecht gelaunt und weigerten sich, neben mir platz zu nehmen.
es folgte ein wortwechsel auf hindi, dem ich gleichgueltig zusah, denn ich sass ja schon. dann bat mich der taxifahrer auszusteigen, frachtete das ehepaar auf den beifahrersitz und fuhr dann mit seiner fracht von insgesamt 6 erwachsenen und 2 kindern weg, begleitet von einem "fuck you!" aus meinem mund.
ich lief die lange reihe der taxis entlang, ohne zu begreifen, nach welchem prinzip sie besetzt werden, fragte hin und wieder "rishikesh?", worauf ein finger in irgendeine richtung deutete, in die ich dann auch lief, ohne erfolg zu haben.
es war ploetzlich sehr heiss, ich war ploetzlich sehr hungrig, ich war ploetzlich sehr muede, ich tat mir ploetzlich sehr leid.
da fragte mich ein mann "are you looking for something?" und ich sagte wahrheitsgemaess, dass ich ein taxi nach rishikesh suchte, und er sagte, ich koennte mit ihm und seiner familie und seinen freunden und deren familie in dem grossen gelaendewagen mitfahren, der dort drueben stand.
die sieben leute quetschten sich also zusammen, ich nahm neben den frauen platz, und der mann, der mich angesprochen hatte und, wie sich zeigte, ingenieur bei der indischen luftwaffe war, begann mich gleich auszufragen, ueber meine reise, meine meinung zu indien, meinen ehestand usw.
sie kamen aus delhi und machten eine kurze reise, um ein examen des ungefaehr fuenfzehnjaehrigen sohnes zu feiern.
auch die soehne wurden aufgefordert, mir fragen zu stellen. der aeltere sohn hatte eine sony digitalkamera, mit der er mich andauernd filmte.
sie fragten mich, was ich an indien aendern wuerde (ich sagte, die einstellung der leute zum muell), und hielten dann an einem teestand, um mich laenger bei sich zu behalten, wie sie sagten.
die frau des luftwaffeningenieurs bat mich, auf der steinstufe neben ihr platz zu nehmen, legte den arm um mich, nannte mich ihre freundin und lachte mich immer freundlich an. leider konnte sie nicht englisch reden, aber verstehen, was geredet wurde.
es wurde weiter gefilmt, und ich wurde weiter ausgefragt. wir tranken tee und assen jeder einen teller "maeggi" (instantnudelsuppe). wir redeten ueber die indische familienkultur und darueber, dass man in europa freier entscheiden kann, ob man heiratet oder nicht. der aeltere sohn sagte dann, er wolle auch nicht heiraten, und der bruder der anderen frau sagte, er auch nicht.
ich wusch mir meinen shiva-dreizack von der stirn, der inzwischen ein grosser verschmierter roter fleck war.
sie diskutierten im auto auf hindi weiter, ich schaute aus dem fenster auf den ganges, der inzwischen aufgetaucht war, mit weissen strudeln und darauf tanzenden rafting-booten, die der sohn filmte.
schliesslich liessen sie mich bei rishikesh aussteigen, obwohl der luftwaffeningenieur sagte, dass sie mich am liebsten fuer immer bei sich behalten wuerden, und ich ging, erleichtert ueber mein neuerliches alleinsein und familienloses dasein, gleich ins buddha cafe, wo ich mir was zu essen (heute ausnahmsweise was indisches) bestellte und hinterher einen grossen fruchtsalat.
dazu trank ich einen ayurvedischen kraeutertee.
ich unterhielt mich mit zwei jungen maennern aus israel ueber deutschland, israel und indien. der eine, der mir besonders sympathisch war, gab mir zum abschied die adresse seiner homepage, auf der ich einen dreiminuetigen horrorfilm anschauen koenne, den er selbst gemacht habe.
ich sagte, ich verspreche, dass ich mir den horrorfilm anschaue, wenn ich auch horrorfilme nicht besonders mag, aber ein dreiminuetiger horrorfilm koennte hier eine ausnahme darstellen.
dann hatte ich es aber eilig, um nicht zu spaet zu meinem reiki-kurs zu kommen.
vom shivatempel hatte ich nur gehoert und dass man dorthin drei stunden bergauf laeuft (aber mit dem taxi zurueckfahren kann), deshalb lief ich sozusagen nach hoerensagen und in die richtung, in die ich gestern die pilger laufen gesehen habe, die kleine plastikflaschen mit gangeswasser vor sich hertrugen und sehr gesammelt und fromm aussahen.
vom sadhu, den ich fragte, bekam ich eine falsche wegbeschreibung, aber schliesslich war ich dann auf dem richtigen weg, einem betonierten (oder zementierten) pfad, der in den wald hineinfuehrte und auf dem ich gleich auf einen verkaufsstand stiess, an dem man u.a. affenfutter verkaufte, wozu ich mich hinreissen liess.
die ersten affen, die mir dann begegneten, sahen sofort das beutelchen in meiner hand, und jetzt war es natuerlich schluss mit possierlichem affenfuettern, koernchen-hinschmeissen usw., weil ich sofort aus angst vor dem groessten affen, der an mir hochzuklettern versuchte, das beutelchen hinwarf und seinem schicksal ueberliess (wahrscheinlich hat der grosse affe alles allein aufgefressen).
erst dachte ich, ich sei allein auf dem weg, der links und rechts eher einer muellhalde glich.
ich verstehe nicht wirklich, warum die inder allen abfall einfach an ort und stelle fallen lassen, als wuerde ihnen staendig eine grosse fegende mami hinterher laufen.
diese gleichgueltigkeit fuer umwelt und natur ging mir heute frueh ziemlich an die nieren.
als ich ungefaehr eine halbe stunde gelaufen war, hatte ich die ersten pilger eingeholt.
es war eine gruppe von vier maennern, vor denen ich angst gehabt haette, wenn nicht ein alter mann mit einem freundlichen gesicht dabei gewesen waere, mit dem ich ein paar worte wechselte. einer der maenner hatte eine sehr schlechte kondition und bewegte sich schnaufend, stoehnend und schlenkernd vorwaerts.
ich wusste nicht genau, ob es fuer sie eine provokation darstellt, wenn eine frau sie ueberholt. dass ich diese gedanken ueberhaupt dachte, sagt einiges ueber die ausstrahlung, die die indischen maenner in nordindien haben.
ich begegnete so allmaehlich einigen maennergruppen und sah ein, dass der berg nur von maennern bewandert wurde, jedenfalls heute, was natuerlich wieder gedanken in mir entstehen liess, ob sie es vielleicht unpassend fanden, dass eine frau hier herumlief.
andauernd ueberlegte ich, ob ich vielleicht angst haben sollte.
die blicke, die mir begegneten, waren selten freundlich, hauptsaechlich neugierig und ein wenig misstrauisch, wenn nicht sogar voller abneigung. ich habe es jedenfalls so wahrgenommen.
ich versuchte, immer freundlich zu sein und zu laecheln, fragte mich aber auch zwischendurch, ob das vielleicht die falsche strategie war.
ich liess ihnen den vortritt, sagte "namaste" und "tired?", wenn einer sich hinsetzte, um zu verschnaufen, ueberlegte dann gleich wieder ob diese frage vielleicht eine demuetigung und beleidigung fuer sie darstellte.
ich dachte an die geschmeidigen und sanften maenner suedindiens.
mein gehirn lief kurz gesagt auf volltouren. selten war ich auf einer wanderung so wenig entspannt. die natur konnte ich nicht geniessen, sie war auch so verschandelt.
ich machte die beobachtung, dass die meisten pilger das wandern nicht gewohnt waren, sie hatten also ueberhaupt keine technik und auch nicht viel kondition.
die jungen bewegten sich mit jugendlicher kraft vorwaerts und manchmal mit in der gruppe ausgestossenen kraftschreien, fielen aber nach ein paar hundert metern wieder ermattet zusammen und legten sich hin.
die alten bewegten sich mit willen und prustend, watschelnd und schwitzend vorwaerts, und wenn ich es wagte, einen zu ueberholen, dann erhoehte er gleich das tempo und es war mir, als floegen kleine fluchpfeile hinter mir her.
es gab ein paar zaehe, denen man ansah, dass sie in ihrem leben schon sehr viel gelaufen waren.
wegen meiner von der krankheit noch geschwaechten kondition war ich von anfang an ziemlich langsam gegangen, mit kleinen schritten, machte nur manchmal pause, um wasser zu trinken, setzte mich aber nie hin.
an manchen verfallenen mauern waren fotokopierte bilder von menschen mit text auf hindi angebracht und ich fantasierte, dass das menschen waren, die hier auf diesem weg verschwunden waren und auf diesem weg gesucht wurden. auf einem blatt konnte ich 25.000 lesen und dachte, 25.000 rupies belohnung fuer jeden sachdienlichen hinweis...
wahrscheinlich ging meine fantasie mit mir durch, jedenfalls war ich froh, dass ich, als der weg die "zivilisation" wieder erreichte, noch bei guter gesundheit war.
vielleicht war dieser pilgerweg frueher einmal bedeutender, aber am ende des waldes wartete jetzt nur eine tote stadt mit wenig bevoelkerung, verfallene und verfallende haeuser, leere strassen, leblosigkeit.
der shivatempel (der fuer mich eigentlich nur der vorwand fuer eine wanderung gewesen war) war im vergleich zu den tempeln suedindiens ziemlich popelig.
die meisten pilger waren uebrigens mit autos dorthin gekommen. man konnte opfergaben kaufen und sich dann einen roten shivadreizack mit einem metallstempel auf den kopf druecken lassen. diese aufgabe erfuellte ein brahmane mit einer fliessjacke und einer verfilzten hippiefrisur, der sich aber offensichtlich aufrichtig freute, mir einen shiva-dreizack auf die stirn druecken zu duerfen.
in einem anderen kleinen raum konnte man die russgeschwaerzten werkzeuge shivas, die aus einer feuerstelle ragten und von einem weiteren brahmanen bewacht wurden, beruehren.
ich hatte ziemlich schnell meine runde gemacht und wollte jetzt mit dem taxi zurueck fahren.
ein taxifahrer sprach mich gleich an, bot mir rishikesh fuer 50 rupies an, ich dachte nanu, und dann verfrachtete er mich in ein taxi, das bereits mit zwei frauen und zwei kindern besetzt waren, die bei meinem anblick vor schreck erstarrten (die kinder, nicht die frauen).
die frauen betrachteten mich gleich als ihr maskottchen und liessen sich von ihren noch draussen stehenden maennern mit mir fotografieren. sie legten mir die arme um die schultern und ich sollte auch die arme um ihre schultern, meine hand in die ihre legen, und auf diese weise wurden mit mehreren kameras mehrere bilder gemacht.
der taxifahrer hatte jetzt ein weiteres ehepaar aufgetrieben, die er neben mir ins taxi quetschen wollte. ich musste den schaltknueppel zwischen die beine nehmen. die beiden waren aber ziemlich beleibt, ausserdem wahnsinnig schlecht gelaunt und weigerten sich, neben mir platz zu nehmen.
es folgte ein wortwechsel auf hindi, dem ich gleichgueltig zusah, denn ich sass ja schon. dann bat mich der taxifahrer auszusteigen, frachtete das ehepaar auf den beifahrersitz und fuhr dann mit seiner fracht von insgesamt 6 erwachsenen und 2 kindern weg, begleitet von einem "fuck you!" aus meinem mund.
ich lief die lange reihe der taxis entlang, ohne zu begreifen, nach welchem prinzip sie besetzt werden, fragte hin und wieder "rishikesh?", worauf ein finger in irgendeine richtung deutete, in die ich dann auch lief, ohne erfolg zu haben.
es war ploetzlich sehr heiss, ich war ploetzlich sehr hungrig, ich war ploetzlich sehr muede, ich tat mir ploetzlich sehr leid.
da fragte mich ein mann "are you looking for something?" und ich sagte wahrheitsgemaess, dass ich ein taxi nach rishikesh suchte, und er sagte, ich koennte mit ihm und seiner familie und seinen freunden und deren familie in dem grossen gelaendewagen mitfahren, der dort drueben stand.
die sieben leute quetschten sich also zusammen, ich nahm neben den frauen platz, und der mann, der mich angesprochen hatte und, wie sich zeigte, ingenieur bei der indischen luftwaffe war, begann mich gleich auszufragen, ueber meine reise, meine meinung zu indien, meinen ehestand usw.
sie kamen aus delhi und machten eine kurze reise, um ein examen des ungefaehr fuenfzehnjaehrigen sohnes zu feiern.
auch die soehne wurden aufgefordert, mir fragen zu stellen. der aeltere sohn hatte eine sony digitalkamera, mit der er mich andauernd filmte.
sie fragten mich, was ich an indien aendern wuerde (ich sagte, die einstellung der leute zum muell), und hielten dann an einem teestand, um mich laenger bei sich zu behalten, wie sie sagten.
die frau des luftwaffeningenieurs bat mich, auf der steinstufe neben ihr platz zu nehmen, legte den arm um mich, nannte mich ihre freundin und lachte mich immer freundlich an. leider konnte sie nicht englisch reden, aber verstehen, was geredet wurde.
es wurde weiter gefilmt, und ich wurde weiter ausgefragt. wir tranken tee und assen jeder einen teller "maeggi" (instantnudelsuppe). wir redeten ueber die indische familienkultur und darueber, dass man in europa freier entscheiden kann, ob man heiratet oder nicht. der aeltere sohn sagte dann, er wolle auch nicht heiraten, und der bruder der anderen frau sagte, er auch nicht.
ich wusch mir meinen shiva-dreizack von der stirn, der inzwischen ein grosser verschmierter roter fleck war.
sie diskutierten im auto auf hindi weiter, ich schaute aus dem fenster auf den ganges, der inzwischen aufgetaucht war, mit weissen strudeln und darauf tanzenden rafting-booten, die der sohn filmte.
schliesslich liessen sie mich bei rishikesh aussteigen, obwohl der luftwaffeningenieur sagte, dass sie mich am liebsten fuer immer bei sich behalten wuerden, und ich ging, erleichtert ueber mein neuerliches alleinsein und familienloses dasein, gleich ins buddha cafe, wo ich mir was zu essen (heute ausnahmsweise was indisches) bestellte und hinterher einen grossen fruchtsalat.
dazu trank ich einen ayurvedischen kraeutertee.
ich unterhielt mich mit zwei jungen maennern aus israel ueber deutschland, israel und indien. der eine, der mir besonders sympathisch war, gab mir zum abschied die adresse seiner homepage, auf der ich einen dreiminuetigen horrorfilm anschauen koenne, den er selbst gemacht habe.
ich sagte, ich verspreche, dass ich mir den horrorfilm anschaue, wenn ich auch horrorfilme nicht besonders mag, aber ein dreiminuetiger horrorfilm koennte hier eine ausnahme darstellen.
dann hatte ich es aber eilig, um nicht zu spaet zu meinem reiki-kurs zu kommen.
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Freitag, 13. März 2009
die stirn einer kuh und weitere beobachtungen aus rishikesh
die stirn einer kuh beruehren und dann die hand zur eigenen stirn fuehren. so verschafft man sich eine art segen.
ich bin heute frueh am morgen durch rishikesh gelaufen und habe gesehen: das ist die zeit des tages, zu der die kuehe mit den resten des letzten tages gefuettert werden. danach holt man sich von der kuh seinen segen.
ich habe es natuerlich auch gemacht, gleich mehrmals. das fuettern und den segen. jedesmal, wenn ich meine tasche oeffne, um einer kuh was hinzuwerfen (ein stueck brot oder bananenschalen), dann ahnt sie gleich, dass was gutes auf dem weg ist und kommt zielstrebig auf mich zu.
leider ist meine durchfallerkrankung noch nicht voellig ausgeheilt, auch wenn es mir koerperlich ungleich besser geht. deshalb liess ich mir heute in einer ayurveda-apotheke medizin geben. sechs gruene geleekapseln und zwoelf grosse tabletten in der farbe von getrocknetem kuhfladen. die nehme ich jetzt dreimal taeglich zu mir.
die gruenen geleekapseln bewirken, dass jeder kleine ruelpser in meinem mund einen angenehmen minzgeschmack zuruecklaesst.
die mutter ganga fand wohl, dass eine aeussere reinigung bei mir nicht ausreichte und befahl auch eine innere. ich bin jetzt auch mit einer erkaeltung gesegnet, aber der herrische und etwas verschlagene verkaeufer vom gemischtwarenladen um die ecke verkaufte mir gleich ein nasenspuelkaennchen aus plastik und yogasalz aus dem himalaya. wo soll man diese dinge kaufen, wenn nicht hier?
jedesmal, wenn ich bei ihm was kaufe, versucht er mir einen kaputten oder veralteten 10-rupie-schein anzudrehen, und auch bei den preisen schaut er ein wenig zu seinen gunsten durch die finger. aber ich lass mich nicht verarschen, nicht nach zweieinhalb monaten indien. oder bloss ein bisschen.
ich habe mich gestern fuer einen reikikurs (die 2. stufe) entschieden. nach vielem herumsuchen und nachfragen und feilschen und ueberlegen habe ich mich master soma gewaehlt, dessen leuchtend rote werbeplakate mir als erstes ins auge gefallen sind (aber ich dachte, man kann ja nicht auf leuchtend rote werbeplakate hereinfallen!).
ich fange heute an und gehe dann drei tage lang taeglich zu ihm.
er sieht sehr gut aus.
er hat seine ausbildung in poona und in dharamsala gemacht und fragte mich ein wenig ueber reiki aus, was mir gefiel.
wie immer kam es mir aber vor, als wuesste ich ueberhaupt nichts und haette nie irgendwas gemacht und sowieso keine ahnung von auch nur einer sache auf der welt.
zurueck in meinem zimmer, ging ich nervoes alle auflegepositionen durch, die ich gelernt habe, kam aber beim ruecken bloss auf neun, so sehr ich mich auch anstrengte.
habe ich schon geschrieben, was mein lieblingsgetraenk in rishikesh ist? ginger lemon honey. ich trinke davon taeglich mindestens vier glaeser voll.
ich ass gestern im 'moksha cafe', das mit dem slogan 'food is god' fuer sich wirbt, was mir sehr zusagt. es ist koreanisch, ich sass auf dem boden an einem niedrigen tisch und ass ein etwas unbegreifliches gericht, das aus einer recht begreiflichen misosuppe mit spinat und tofu und ein paar extratellern mit eingelegten suess-saeuerlichen gemuese sowie einer schale reis und einem gedeckten spiegelei bestand. es war ganz interessant, aber nicht der kulinarische hoehepunkt meiner reise. neben mir lagen zwei junge japanerinnen auf den kissen ausgetreckt und fuehrten ein kichergespraech.
ein affe grabschte aufgebracht nach meinem bein, als ich vorueberlief, ich hatte keine ahnung, was ihn so empoerte, aber ich konnte ihn schnell abschuetteln.
im restaurant gestern abend sassen zwei schwedische motorradfahrer am nebentisch, die sich gegenseitig ihre heldentaten erzaehlten. es klang, als waeren sie comicfiguren, paff, splash, bumm. v.a. der eine hatte sehr viele glanztaten zu berichten und wie er immer alles richtig gemacht hat bei begegnungen mit tigern, leoparden und anderem unbill.
weitere beobachtungen aus rishikesh: am morgen werden die strassen gespuelt, vor den haeusern wird gefegt. heute ist wieder (nach holi) ein normaler arbeitstag. die bauarbeiter sind ins krishna cottage zurueckgekehrt und haemmern und bekommen um 10 uhr tee in metallbechern serviert.
am morgen machen gruppen von pilgern mit kleinen, sichtbar an ihrer kleidung angebrachten plastikflaschen, in die sie wasser des ganges gefuellt haben, und den kopf in orangefarbene tuecher gewickelt, sich auf den weg zu einem shivatempel drei stunden bergaufwaerts, wo sie dieses wasser opfern.
wenn es mir noch besser geht, morgen oder uebermorgen, mache ich diese wanderung auch.
ich sass im fruehstuecksrestaurant und las die hindustan times.
ich las, dass ein paar dutzend kinder beim holi-festival von giftiger farbe krank wurden und mit uebelkeit und erbrechen ins krankenhaus eingeliefert wurden.
ich las, das ein junger mann waehrend des holi-festivals in rishikesh im ganges ertrunken ist (sein koerper wurde nicht aufgefunden) und dass ein maedchen, ebenfalls in rishikesh, von ein paar jungen maennern in ihrem elternhaus belaestigt und der hinzukommende vater verpruegelt wurde.
ich las, dass in dehra dun tibeter im gedenken an den 50-jahrestag der fehlgeschlagenen befreiung einen protestmarsch veranstaltet haben.
ich las, dass in einem ort hier in der gegend ein rechtsanwalt auf der strasse einem mopedfahrer ins bein geschossen hat, weil dieser sein auto (einen scorpio) gerammt hat.
ich las, dass ein kleiner junge, ebenfalls hier in der gegend, vom dach seines elternhauses fiel und von einer eisenstange durchbohrt wurde (es war ein foto des kindes zu sehen. die rostige stange ragte links und rechts aus seinem koerper. seine augen waren geoeffnet und zeigten den schock), dass aber nach einer dreistuendigen operation sein zustand stabil sei und die folgenden 72 stunden von entscheidender bedeutung seien.
ich las auch, dass ein schueler in der naehe von stuttgart 15 mitschueler erschossen hat und dann selbst erschossen wurde, als er versuchte zu fliehen und kann mir vorstellen, womit die zeitungen in deutschland jetzt voll sind.
ein tourist trug einen lahmen bettler in mein fruehstuecksrestaurant, setzte sich mit ihm an einen tisch und forderte ihn auf, sich ein fruehstueck zu bestellen.
es gibt hier einen alten mann mit einer weissrot bemalten stirn, der immer auf einer steinbank sitzt (neben ihm sitzt eine alte frau) und in einem dicken, heilig aussehenden, in lumpen gebundenen buch liest.
ein bettler kritzelt immer mit winziger schrift ziffern oder heilige woerter in ein schreibbuch.
ich habe noch nicht die fotos beschriebe, die im eingangsbereich des sri ved niketan ashram hingen. darauf war der bebrillte mann zu sehen, der wohl der guru dieses ashrams ist. er trug eine art badehose, war sonst unbekleidet und unbehaart und sass auf einem leopardenfell. er hatte die beine hinter dem koerper verschraenkt (so ungefaehr), den bauch eingezogen, die arme schlangen um den ganzen oberkoerper, mit den fingern zog er sich selber an den ohren, und das mit einem voellig ernsten gesichtsausdruck.
auf mehreren eingerahmten bildern waren derartig haarstraeubende und (unfreiwillig) zum lachen reizende koerperpositionen abgebildet.
der franzose mit dem taetowierten gesicht hat uebrigens drei jahre lang in erlangen bei einer versicherung gearbeitet. ich frage mich, ob sein gesicht da auch schon taetowiert war.
ich bin heute frueh am morgen durch rishikesh gelaufen und habe gesehen: das ist die zeit des tages, zu der die kuehe mit den resten des letzten tages gefuettert werden. danach holt man sich von der kuh seinen segen.
ich habe es natuerlich auch gemacht, gleich mehrmals. das fuettern und den segen. jedesmal, wenn ich meine tasche oeffne, um einer kuh was hinzuwerfen (ein stueck brot oder bananenschalen), dann ahnt sie gleich, dass was gutes auf dem weg ist und kommt zielstrebig auf mich zu.
leider ist meine durchfallerkrankung noch nicht voellig ausgeheilt, auch wenn es mir koerperlich ungleich besser geht. deshalb liess ich mir heute in einer ayurveda-apotheke medizin geben. sechs gruene geleekapseln und zwoelf grosse tabletten in der farbe von getrocknetem kuhfladen. die nehme ich jetzt dreimal taeglich zu mir.
die gruenen geleekapseln bewirken, dass jeder kleine ruelpser in meinem mund einen angenehmen minzgeschmack zuruecklaesst.
die mutter ganga fand wohl, dass eine aeussere reinigung bei mir nicht ausreichte und befahl auch eine innere. ich bin jetzt auch mit einer erkaeltung gesegnet, aber der herrische und etwas verschlagene verkaeufer vom gemischtwarenladen um die ecke verkaufte mir gleich ein nasenspuelkaennchen aus plastik und yogasalz aus dem himalaya. wo soll man diese dinge kaufen, wenn nicht hier?
jedesmal, wenn ich bei ihm was kaufe, versucht er mir einen kaputten oder veralteten 10-rupie-schein anzudrehen, und auch bei den preisen schaut er ein wenig zu seinen gunsten durch die finger. aber ich lass mich nicht verarschen, nicht nach zweieinhalb monaten indien. oder bloss ein bisschen.
ich habe mich gestern fuer einen reikikurs (die 2. stufe) entschieden. nach vielem herumsuchen und nachfragen und feilschen und ueberlegen habe ich mich master soma gewaehlt, dessen leuchtend rote werbeplakate mir als erstes ins auge gefallen sind (aber ich dachte, man kann ja nicht auf leuchtend rote werbeplakate hereinfallen!).
ich fange heute an und gehe dann drei tage lang taeglich zu ihm.
er sieht sehr gut aus.
er hat seine ausbildung in poona und in dharamsala gemacht und fragte mich ein wenig ueber reiki aus, was mir gefiel.
wie immer kam es mir aber vor, als wuesste ich ueberhaupt nichts und haette nie irgendwas gemacht und sowieso keine ahnung von auch nur einer sache auf der welt.
zurueck in meinem zimmer, ging ich nervoes alle auflegepositionen durch, die ich gelernt habe, kam aber beim ruecken bloss auf neun, so sehr ich mich auch anstrengte.
habe ich schon geschrieben, was mein lieblingsgetraenk in rishikesh ist? ginger lemon honey. ich trinke davon taeglich mindestens vier glaeser voll.
ich ass gestern im 'moksha cafe', das mit dem slogan 'food is god' fuer sich wirbt, was mir sehr zusagt. es ist koreanisch, ich sass auf dem boden an einem niedrigen tisch und ass ein etwas unbegreifliches gericht, das aus einer recht begreiflichen misosuppe mit spinat und tofu und ein paar extratellern mit eingelegten suess-saeuerlichen gemuese sowie einer schale reis und einem gedeckten spiegelei bestand. es war ganz interessant, aber nicht der kulinarische hoehepunkt meiner reise. neben mir lagen zwei junge japanerinnen auf den kissen ausgetreckt und fuehrten ein kichergespraech.
ein affe grabschte aufgebracht nach meinem bein, als ich vorueberlief, ich hatte keine ahnung, was ihn so empoerte, aber ich konnte ihn schnell abschuetteln.
im restaurant gestern abend sassen zwei schwedische motorradfahrer am nebentisch, die sich gegenseitig ihre heldentaten erzaehlten. es klang, als waeren sie comicfiguren, paff, splash, bumm. v.a. der eine hatte sehr viele glanztaten zu berichten und wie er immer alles richtig gemacht hat bei begegnungen mit tigern, leoparden und anderem unbill.
weitere beobachtungen aus rishikesh: am morgen werden die strassen gespuelt, vor den haeusern wird gefegt. heute ist wieder (nach holi) ein normaler arbeitstag. die bauarbeiter sind ins krishna cottage zurueckgekehrt und haemmern und bekommen um 10 uhr tee in metallbechern serviert.
am morgen machen gruppen von pilgern mit kleinen, sichtbar an ihrer kleidung angebrachten plastikflaschen, in die sie wasser des ganges gefuellt haben, und den kopf in orangefarbene tuecher gewickelt, sich auf den weg zu einem shivatempel drei stunden bergaufwaerts, wo sie dieses wasser opfern.
wenn es mir noch besser geht, morgen oder uebermorgen, mache ich diese wanderung auch.
ich sass im fruehstuecksrestaurant und las die hindustan times.
ich las, dass ein paar dutzend kinder beim holi-festival von giftiger farbe krank wurden und mit uebelkeit und erbrechen ins krankenhaus eingeliefert wurden.
ich las, das ein junger mann waehrend des holi-festivals in rishikesh im ganges ertrunken ist (sein koerper wurde nicht aufgefunden) und dass ein maedchen, ebenfalls in rishikesh, von ein paar jungen maennern in ihrem elternhaus belaestigt und der hinzukommende vater verpruegelt wurde.
ich las, dass in dehra dun tibeter im gedenken an den 50-jahrestag der fehlgeschlagenen befreiung einen protestmarsch veranstaltet haben.
ich las, dass in einem ort hier in der gegend ein rechtsanwalt auf der strasse einem mopedfahrer ins bein geschossen hat, weil dieser sein auto (einen scorpio) gerammt hat.
ich las, dass ein kleiner junge, ebenfalls hier in der gegend, vom dach seines elternhauses fiel und von einer eisenstange durchbohrt wurde (es war ein foto des kindes zu sehen. die rostige stange ragte links und rechts aus seinem koerper. seine augen waren geoeffnet und zeigten den schock), dass aber nach einer dreistuendigen operation sein zustand stabil sei und die folgenden 72 stunden von entscheidender bedeutung seien.
ich las auch, dass ein schueler in der naehe von stuttgart 15 mitschueler erschossen hat und dann selbst erschossen wurde, als er versuchte zu fliehen und kann mir vorstellen, womit die zeitungen in deutschland jetzt voll sind.
ein tourist trug einen lahmen bettler in mein fruehstuecksrestaurant, setzte sich mit ihm an einen tisch und forderte ihn auf, sich ein fruehstueck zu bestellen.
es gibt hier einen alten mann mit einer weissrot bemalten stirn, der immer auf einer steinbank sitzt (neben ihm sitzt eine alte frau) und in einem dicken, heilig aussehenden, in lumpen gebundenen buch liest.
ein bettler kritzelt immer mit winziger schrift ziffern oder heilige woerter in ein schreibbuch.
ich habe noch nicht die fotos beschriebe, die im eingangsbereich des sri ved niketan ashram hingen. darauf war der bebrillte mann zu sehen, der wohl der guru dieses ashrams ist. er trug eine art badehose, war sonst unbekleidet und unbehaart und sass auf einem leopardenfell. er hatte die beine hinter dem koerper verschraenkt (so ungefaehr), den bauch eingezogen, die arme schlangen um den ganzen oberkoerper, mit den fingern zog er sich selber an den ohren, und das mit einem voellig ernsten gesichtsausdruck.
auf mehreren eingerahmten bildern waren derartig haarstraeubende und (unfreiwillig) zum lachen reizende koerperpositionen abgebildet.
der franzose mit dem taetowierten gesicht hat uebrigens drei jahre lang in erlangen bei einer versicherung gearbeitet. ich frage mich, ob sein gesicht da auch schon taetowiert war.
Donnerstag, 12. März 2009
die gerueche von rishikesh
die gerueche von rishikesh sind schwer zu beschreiben. es ist eine mischung aus kuhfladen, raeucherstaebchen, dem scharf riechenden, bereits frueher erwaehnten putzmittel, und hier, in dem internetcafe, in dem ich gerade sitze, der rauch einer mueckenspirale.
auch das krishna cottage ist nicht ganz ohne dunkle flecken. heute morgen ging ich mit einem eimer heisses wasser holen. ich zahle fuer ein doppelzimmer mit eigenem bad 150 rupies (ca. 2 euro 50), deshalb finde ich es ganz ordnung, heisses wasser ein stockwerk weiter unten zu holen. wegen der bauarbeiten ist aber der boden in dem schmalen gang, der zum heisswasser fuehrt, aufgerissen, man muss also ueber die sehr schmalen raender balancieren, sich an der wand abstuetzen, bis man den eimer unter den hahn fuer heisses wasser stellen kann.
als ich krank war, hat jemand von der pension das fuer mich gemacht.
es kam ein duennes rinnsal. das kann ja lange dauern, dachte ich. da kam schon einer der jungen pensionsbetreuer und sagte bedauernd, "no hot water ma'm".
ich balancierte also wieder zurueck.
"half an hour, ma'm", sagte er dann.
indien heisst aber auch, dass eine halbe stunde eine stunde oder drei stunden bedeuten kann.
ich verliess mich trotzdem drauf, trabte nach einer halben stunde wieder mit eimer an. wurde mit einem flehenden blick empfangen und einem "no hot water ma'm".
ich liess mich dann auf zehn, elf uhr vertroesten, wusch mich mit kaltem wasser, was nicht so schlimm war und machte mich auf den weg zu meinem alten ashram, um einer oesterreichern, die ich dort kennengelernt habe und die mit mir wandern gehen wollte, zu erklaeren, warum ich so sang- und klanglos verschwunden bin.
wenn ich aus meinem guesthouse trete, komme ich erst an einem kleinen bauernhoefchen vorbei, mit kuehen und garten und kindern, und wenn ich dann links abbiege, komme ich an einem weiteren kleinen bauernhoefchen vorbei, auch mit kuh, hund, kind und einem sauber gefegten vorplatz.
ich begegnete einem franzosen um die fuenfzig wieder, der das ganze gesicht taetowiert hat und dessen linke koerperhaelfte etwas lahmt, weshalb er am stock geht, und den ich schon an allen moeglichen orten getroffen habe.
ich gruesste ihn, wir redeten ein wenig. er erzaehlte, dass er heute aus dem krishna cottage auszieht, weil es ihm zu teuer (!) ist und er eine lange zeit in rishikesh bleiben will.
das abflusssystem rishikeshs befindet sich zu einem grossen teil noch ueber der erde in rinnen, die die ganze stadt durchziehen (nicht der toilettenabfluss, wenn ich das richtig sehe).
auf dem weg zum ashram verirrte ich mich in einen anderen ashram, der einen sehr gruenen und lauschigen garten hatte, mit vielen baeumen und parkbaenken und einer menge affen.
die affenhorde machte gerade ihre morgengymnastik. sie kletterten in die aeste der baeume, liessen sich wieder fallen, jagten einander, fingen einander am schwanz, schwangen hin und her.
ein kleiner affe hatte ein besonders begehrtes spielzeug, ein stueck gelben stoff, den er wahrscheinlich von irgendeiner waescheleine geklaut hatte (alle yogaadepten in diesem ashram sind gelb gekleidet) und mit dem er hin- und herraste, verfolgt von den anderen affenkumpanen.
eine gruppe jugendlicher yogaadepten spielten in gelben huefttuechern und gelben hemden fussball.
die oesterreicherin traf ich nicht mehr an, aber meinen alten yogalehrer, der mir mit einer leopardengemusterten ohrenmuetze entgegenkam und die haende zum gruss gefaltet vors gesicht erhob.
es geht mir schon wieder ein wenig besser als gestern, aber ich muss mich immer noch ein bisschen schonen. verbrachte den vormittag nach dem fruehstueck im bett mit jean pauls "flegeljahre", eine wunderbare lektuere, und nicht ganz unpassend, weil er auch die reise eines naiven helden beschreibt.
die putzfrau kam und fragte, ob sie mein zimmer fegen sollte. ja, danke, sagte ich erfreut und raeumte alles weg, was so auf dem boden herumstand und -lag, und als die putzfrau (die eher ein junges maedchen war, vielleicht sechzehn) fertig war, sagte sie, "cleaning, ma'am, 10 rupies". es ist eine art gesetz in indien, dass ich fast nie kleingeld habe und ein weiteres gesetz, dass die anderen auch nie kleingeld haben. wenn immer ich also mit einem groesseren schein bezahle, dann verschwindet jemand damit, um ihn woanders umzutauschen. auch hier war es wieder so. man braucht sich aber keine sorgen machen. bisher sind immer alle wieder mit meinem geld wieder gekommen.
meinen zeh habe ich schon vor ein paar tagen von seinem polster befreit. danach hing der abgerissene zehennagel eine weile ein bisschen bloed herum, bis ich ihn mit dem nagelknipser abknipste. es ist zwar immer noch ein schwarzer bluterguess an der stelle, aber er ist nicht mehr empfindlich.
eine junge frau verlaesst das internetcafe und ruft ihrem freund auf englisch zu, "hast du auch interesse an dem vortrag heute abend ueber yin-yang-diaet?" er hat.
gerade spielt der internetmann ueber ein paar kleine lautsprecher eine version des "erbarme dich" aus der mattaeus-passion von bach. es ist eines der schoensten musikstuecke, die ich kenne und bestaetigt mir gleich wieder, dass mein herz einfach in europa zuhause ist.
auch das krishna cottage ist nicht ganz ohne dunkle flecken. heute morgen ging ich mit einem eimer heisses wasser holen. ich zahle fuer ein doppelzimmer mit eigenem bad 150 rupies (ca. 2 euro 50), deshalb finde ich es ganz ordnung, heisses wasser ein stockwerk weiter unten zu holen. wegen der bauarbeiten ist aber der boden in dem schmalen gang, der zum heisswasser fuehrt, aufgerissen, man muss also ueber die sehr schmalen raender balancieren, sich an der wand abstuetzen, bis man den eimer unter den hahn fuer heisses wasser stellen kann.
als ich krank war, hat jemand von der pension das fuer mich gemacht.
es kam ein duennes rinnsal. das kann ja lange dauern, dachte ich. da kam schon einer der jungen pensionsbetreuer und sagte bedauernd, "no hot water ma'm".
ich balancierte also wieder zurueck.
"half an hour, ma'm", sagte er dann.
indien heisst aber auch, dass eine halbe stunde eine stunde oder drei stunden bedeuten kann.
ich verliess mich trotzdem drauf, trabte nach einer halben stunde wieder mit eimer an. wurde mit einem flehenden blick empfangen und einem "no hot water ma'm".
ich liess mich dann auf zehn, elf uhr vertroesten, wusch mich mit kaltem wasser, was nicht so schlimm war und machte mich auf den weg zu meinem alten ashram, um einer oesterreichern, die ich dort kennengelernt habe und die mit mir wandern gehen wollte, zu erklaeren, warum ich so sang- und klanglos verschwunden bin.
wenn ich aus meinem guesthouse trete, komme ich erst an einem kleinen bauernhoefchen vorbei, mit kuehen und garten und kindern, und wenn ich dann links abbiege, komme ich an einem weiteren kleinen bauernhoefchen vorbei, auch mit kuh, hund, kind und einem sauber gefegten vorplatz.
ich begegnete einem franzosen um die fuenfzig wieder, der das ganze gesicht taetowiert hat und dessen linke koerperhaelfte etwas lahmt, weshalb er am stock geht, und den ich schon an allen moeglichen orten getroffen habe.
ich gruesste ihn, wir redeten ein wenig. er erzaehlte, dass er heute aus dem krishna cottage auszieht, weil es ihm zu teuer (!) ist und er eine lange zeit in rishikesh bleiben will.
das abflusssystem rishikeshs befindet sich zu einem grossen teil noch ueber der erde in rinnen, die die ganze stadt durchziehen (nicht der toilettenabfluss, wenn ich das richtig sehe).
auf dem weg zum ashram verirrte ich mich in einen anderen ashram, der einen sehr gruenen und lauschigen garten hatte, mit vielen baeumen und parkbaenken und einer menge affen.
die affenhorde machte gerade ihre morgengymnastik. sie kletterten in die aeste der baeume, liessen sich wieder fallen, jagten einander, fingen einander am schwanz, schwangen hin und her.
ein kleiner affe hatte ein besonders begehrtes spielzeug, ein stueck gelben stoff, den er wahrscheinlich von irgendeiner waescheleine geklaut hatte (alle yogaadepten in diesem ashram sind gelb gekleidet) und mit dem er hin- und herraste, verfolgt von den anderen affenkumpanen.
eine gruppe jugendlicher yogaadepten spielten in gelben huefttuechern und gelben hemden fussball.
die oesterreicherin traf ich nicht mehr an, aber meinen alten yogalehrer, der mir mit einer leopardengemusterten ohrenmuetze entgegenkam und die haende zum gruss gefaltet vors gesicht erhob.
es geht mir schon wieder ein wenig besser als gestern, aber ich muss mich immer noch ein bisschen schonen. verbrachte den vormittag nach dem fruehstueck im bett mit jean pauls "flegeljahre", eine wunderbare lektuere, und nicht ganz unpassend, weil er auch die reise eines naiven helden beschreibt.
die putzfrau kam und fragte, ob sie mein zimmer fegen sollte. ja, danke, sagte ich erfreut und raeumte alles weg, was so auf dem boden herumstand und -lag, und als die putzfrau (die eher ein junges maedchen war, vielleicht sechzehn) fertig war, sagte sie, "cleaning, ma'am, 10 rupies". es ist eine art gesetz in indien, dass ich fast nie kleingeld habe und ein weiteres gesetz, dass die anderen auch nie kleingeld haben. wenn immer ich also mit einem groesseren schein bezahle, dann verschwindet jemand damit, um ihn woanders umzutauschen. auch hier war es wieder so. man braucht sich aber keine sorgen machen. bisher sind immer alle wieder mit meinem geld wieder gekommen.
meinen zeh habe ich schon vor ein paar tagen von seinem polster befreit. danach hing der abgerissene zehennagel eine weile ein bisschen bloed herum, bis ich ihn mit dem nagelknipser abknipste. es ist zwar immer noch ein schwarzer bluterguess an der stelle, aber er ist nicht mehr empfindlich.
eine junge frau verlaesst das internetcafe und ruft ihrem freund auf englisch zu, "hast du auch interesse an dem vortrag heute abend ueber yin-yang-diaet?" er hat.
gerade spielt der internetmann ueber ein paar kleine lautsprecher eine version des "erbarme dich" aus der mattaeus-passion von bach. es ist eines der schoensten musikstuecke, die ich kenne und bestaetigt mir gleich wieder, dass mein herz einfach in europa zuhause ist.
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Krishna Cottage,
Rishikesh
Mittwoch, 11. März 2009
die touristenkrankheit
es ist passiert: ich hab mir den magen (oder besser den darm) verdorben. das sagt sich jetzt so leicht dahin, aber es war nicht so besonders lustig.
nach meinem letzten eintrag hier ging ich in den ashram zurueck, machte mein bett fuer die nacht, aber alles fuehlte sich irgendwie falsch an. ich begann ploetzlich unter meinem durchhaengenden mueckennetz fuerchterlich zu frieren, dachte, nanu, ist es hier vorne wirklich kaelter als hinten im ashram, wo ich bis dahin gewohnt hatte, oder ist die nacht kaelter. auch die matratze kam mir ploetzlich viel haerter vor. ich zog alle kleider an, die mir so einfielen, merkte dabei, dass ich mich vor dem hinlegen gar nicht umgezogen hatte, konnte trotzdem nicht aufhoeren zu zittern, und allmaehlich daemmerte mir, dass irgendwas mit mir nicht stimmte.
ein furchtbares gefuehl in der gesamten darm- und magengegend. und dann folgte eine sehr lange nacht, mit sehr vielen besuchen auf der leicht EKLIGEN toilette.
ich war uebrigens nicht die einzige, der es in dieser nacht schlecht ging. draussen im hof hoerte ich jemanden andauernd kotzen, dann nachspuelen, kotzen, nachspuelen usw. ich weiss nicht, wer uebler dran war, er oder ich.
muessig drueber nachzudenken, was an meiner erkrankung schuld war, ich tippe aber auf das omelette-sandwich im "little buddha cafe", nach dem mir irgendwie schlecht war (aber vielleicht kam es auch von was ganz anderem).
ich glaube einfach, dass mir rishikesh mit seiner unseligen mischung aus heiligkeit und kommerz auf die eingeweide schlaegt und ich ploetzlich anfaellig war.
in der nacht beschloss ich, am morgen all meine verbleibende energie zusammenzunehmen, meinen rucksack zu packen und in ein nettes guesthouse umzuziehen. und das tat ich auch. es war wirklich schwer, ich ging mit kleinen vorsichtigen schritten, aber ich kam an mein ziel.
im krishna cottage bekam ich ein helles doppelzimmer mit europaeischer toilette (!! ein gluecksgefuehl, kann ich nur sagen), kaufte mir fuenf liter wasser und eine rolle klopapier und legte mich erstmal ins bett, wo ich die naechsten 20 stunden blieb und schlief, der schlaf nur unterbrochen von toilettenbesuchen, trinkpausen und sms-empfaengen und-verschickungen.
gottseidank hatte ich brausetabletten in meinem rucksack, die mineralienverlust bei durchfall ersetzen, und sogar tabletten gegen durchfall, die allerdings nicht halfen.
vor dem fenster spielten kinder mit hohen, schneidenden stimmen, bauarbeiter erweiterten das krishna cottage mit kraeftigen hammerschlaegen und rufen, am abend hoerte ich glockenlaeuten und heiliges singen aus dem benachbarten ashram, und gegen neun uhr abends kam mit trommelschlaegen und lautem rufen und gesang eine gruppe leute, die das holi-festival feierten (es ist das beruehmte farbfestival, bei der man sich gegenseitig mit farbbeuteln bewirft). ich schlief trotzdem und schlief und schlief und schlief.
ich hoffe, man sieht auf dem bild, wie krank ich bin:
heute wachte ich dann um 8 uhr morgens auf, fuehlte mich schon etwas besser, gratulierte mir zum krishna cottage, und noch mehr gratulierte ich mir, als ich feststellte, dass ich mir toast und schwarzen tee aufs zimmer bringen lassen konnte, die ich vorsichtig verzehrte.
dann las ich, zum ersten mal seit langem, und zwar die "flegeljahre" von jean paul, worauf ich mich ungeheuer nach europa im allgemeinen und deutschland im besonderen sehnte und dachte, dass ich die europaeische aufklaerung doch der oestlichen erleuchtung (wenigstens wenn sie im stil von rishikesh ist) vorziehe.
am fruehen nachmittag ging ich hinaus, um in einem hotelrestaurant reis und gekochtes gemuese zu essen und ginger-lemon-honey-tee zu trinken.
alle kuehe und hunde auf der strasse waren bunt bepudert, ein alter mann kam mir mit gruenem haar entgegen, andere hatten pinkfarbene gesichter und mein kellner ein in vielen farben beflecktes t-shirt. wegen meines zustands, der immer noch ziemlich gebrechlich war, hatte ich keine lust auf ein farbgemenge, bin aber auch darum herum gekommen und ging zurueck ins guesthouse.
die fuenf jungen maenner, die so was wie das personal von diesem guesthouse darstellen, sassen auf einer decke auf dem gras im innenhof und spielten karten.
dann las ich wieder in meinem bett, und fuehlte mich spaeter so stark, dass ich die 2 km bis nach laxmanjhula ging, um meine waesche bei der waschlady abzuholen, neue waesche abzugeben und eine cola zu trinken (das war die medizin von meinem kinderarzt doktor hoecht bei durchfall) sowie eine tomatensuppe zu essen, und das ohne irgendwelche unmittelbaren folgen.
es scheint also, dass meine krankheit zu ihrem ende kommt und dass ich hoffentlich wieder bald ganz gesund bin.
ich plane schon meine abreise von hier und blaettere im reisefuehrer...
nach meinem letzten eintrag hier ging ich in den ashram zurueck, machte mein bett fuer die nacht, aber alles fuehlte sich irgendwie falsch an. ich begann ploetzlich unter meinem durchhaengenden mueckennetz fuerchterlich zu frieren, dachte, nanu, ist es hier vorne wirklich kaelter als hinten im ashram, wo ich bis dahin gewohnt hatte, oder ist die nacht kaelter. auch die matratze kam mir ploetzlich viel haerter vor. ich zog alle kleider an, die mir so einfielen, merkte dabei, dass ich mich vor dem hinlegen gar nicht umgezogen hatte, konnte trotzdem nicht aufhoeren zu zittern, und allmaehlich daemmerte mir, dass irgendwas mit mir nicht stimmte.
ein furchtbares gefuehl in der gesamten darm- und magengegend. und dann folgte eine sehr lange nacht, mit sehr vielen besuchen auf der leicht EKLIGEN toilette.
ich war uebrigens nicht die einzige, der es in dieser nacht schlecht ging. draussen im hof hoerte ich jemanden andauernd kotzen, dann nachspuelen, kotzen, nachspuelen usw. ich weiss nicht, wer uebler dran war, er oder ich.
muessig drueber nachzudenken, was an meiner erkrankung schuld war, ich tippe aber auf das omelette-sandwich im "little buddha cafe", nach dem mir irgendwie schlecht war (aber vielleicht kam es auch von was ganz anderem).
ich glaube einfach, dass mir rishikesh mit seiner unseligen mischung aus heiligkeit und kommerz auf die eingeweide schlaegt und ich ploetzlich anfaellig war.
in der nacht beschloss ich, am morgen all meine verbleibende energie zusammenzunehmen, meinen rucksack zu packen und in ein nettes guesthouse umzuziehen. und das tat ich auch. es war wirklich schwer, ich ging mit kleinen vorsichtigen schritten, aber ich kam an mein ziel.
im krishna cottage bekam ich ein helles doppelzimmer mit europaeischer toilette (!! ein gluecksgefuehl, kann ich nur sagen), kaufte mir fuenf liter wasser und eine rolle klopapier und legte mich erstmal ins bett, wo ich die naechsten 20 stunden blieb und schlief, der schlaf nur unterbrochen von toilettenbesuchen, trinkpausen und sms-empfaengen und-verschickungen.
gottseidank hatte ich brausetabletten in meinem rucksack, die mineralienverlust bei durchfall ersetzen, und sogar tabletten gegen durchfall, die allerdings nicht halfen.
vor dem fenster spielten kinder mit hohen, schneidenden stimmen, bauarbeiter erweiterten das krishna cottage mit kraeftigen hammerschlaegen und rufen, am abend hoerte ich glockenlaeuten und heiliges singen aus dem benachbarten ashram, und gegen neun uhr abends kam mit trommelschlaegen und lautem rufen und gesang eine gruppe leute, die das holi-festival feierten (es ist das beruehmte farbfestival, bei der man sich gegenseitig mit farbbeuteln bewirft). ich schlief trotzdem und schlief und schlief und schlief.
ich hoffe, man sieht auf dem bild, wie krank ich bin:
heute wachte ich dann um 8 uhr morgens auf, fuehlte mich schon etwas besser, gratulierte mir zum krishna cottage, und noch mehr gratulierte ich mir, als ich feststellte, dass ich mir toast und schwarzen tee aufs zimmer bringen lassen konnte, die ich vorsichtig verzehrte.
dann las ich, zum ersten mal seit langem, und zwar die "flegeljahre" von jean paul, worauf ich mich ungeheuer nach europa im allgemeinen und deutschland im besonderen sehnte und dachte, dass ich die europaeische aufklaerung doch der oestlichen erleuchtung (wenigstens wenn sie im stil von rishikesh ist) vorziehe.
am fruehen nachmittag ging ich hinaus, um in einem hotelrestaurant reis und gekochtes gemuese zu essen und ginger-lemon-honey-tee zu trinken.
alle kuehe und hunde auf der strasse waren bunt bepudert, ein alter mann kam mir mit gruenem haar entgegen, andere hatten pinkfarbene gesichter und mein kellner ein in vielen farben beflecktes t-shirt. wegen meines zustands, der immer noch ziemlich gebrechlich war, hatte ich keine lust auf ein farbgemenge, bin aber auch darum herum gekommen und ging zurueck ins guesthouse.
die fuenf jungen maenner, die so was wie das personal von diesem guesthouse darstellen, sassen auf einer decke auf dem gras im innenhof und spielten karten.
dann las ich wieder in meinem bett, und fuehlte mich spaeter so stark, dass ich die 2 km bis nach laxmanjhula ging, um meine waesche bei der waschlady abzuholen, neue waesche abzugeben und eine cola zu trinken (das war die medizin von meinem kinderarzt doktor hoecht bei durchfall) sowie eine tomatensuppe zu essen, und das ohne irgendwelche unmittelbaren folgen.
es scheint also, dass meine krankheit zu ihrem ende kommt und dass ich hoffentlich wieder bald ganz gesund bin.
ich plane schon meine abreise von hier und blaettere im reisefuehrer...
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Montag, 9. März 2009
child sleeping pose
es ist jetzt bei mir neun vor neun am abend, und ich sitze in einem internetladen mit blick auf den ganges.
mein tagesprogramm habe ich bereits hinter mich gebracht. um zehn uhr wird der ashram geschlossen.
morgens yoga, dann fruestueck (heute im Tip Top Cafe), mit einer hindustan times, die ich einem fliegenden zeitungsverkaeufer abgekauft hatte. ich ass porridge mit fruechten und nuessen und trank schwarzen tee dazu.
dann erster besuch im internet, um meine mail abzurufen und zu sehen, dass ich einen platz in dem zehntaegigen kurs "einfuehrung in den buddhismus" im tibetischen kloster tushita in dharamsala bekommen habe, fuer den ich mich angemeldet habe.
dann besuch im "little buddha cafe", wo ich einen milchkaffee trank und dann ein vegetarisches sandwich mit omelette ass und postkarten schrieb.
ich gab meine waesche in einer kleinen waescherei ab. an der theke war niemand zu sehen, also rief ich und wurde dann von einer inderin, die in einem hinter der waescherei befindlichen raum auf einem bett lag und zu muede war, um aufzustehen, hineingewunken.
(eine waescherei besteht aus einer waschmaschine und einem brett zum buegeln in einer bretterbude)
sie stellte meine tuete zu den anderen tueten und sagte im liegen zu mir, dass ich die waesche morgen frueh abholen kann.
dann ging ich ein paar karmaschichten abwaschen.
ich traf meine franzoesin wieder, die jeden tag dort ist, und auch eine italienerin aus rom, die ebenfalls gestern da war.
die beiden frauen unterhielten sich (die eine sprach englisch, die andere franzoesisch) ueber die energie von rishikesh und ueber verschiedene ashrams und gurus und warfen mit namen um sich, die ich nie gehoert hatte, so dass ich immer wieder sagen musste, weiss ich nicht, kenn ich nicht, hab ich nie was von gehoert...
heute bin ich sechs mal im ganges untergetaucht und habe die franzoesin, die mich gleich wieder mit unglaublichen geschichten ueberfiel, gebeten, ein paar fotos zum beweis zu machen.
nach einem kurzen antrocknen der kleider ging ich weiter stadtauswaerts, eigentlich ohne ein besonderes ziel.
ich kam an einen kleinen tempel, stellte meine schuhe davor ab, ging hinein, sah einen orangen gott mit buntem kleid, von dem ich noch gar nichts wusste, ging wieder hinaus, zog meine schuhe wieder an.
der tempelwaechter rief nach mir. ob ich ein paar dinge ueber die tempel-etikette wissen wollte.
ok.
er zeigte mir, dass man die schuhe schon vor dem tor abstellt, nicht erst vor dem eingang in den tempel.
dann sagte er mir den namen des gottes, den ich schon wieder vergessen habe. es ist der adler, auf dem krishna (?) reitet, ich wusste nicht, dass ihm eigene tempel gewidmet sind, und ausserdem sah die orangefarbene figur ueberhaupt nicht aus wie ein adler, dazu war die nase zu klein und zu flach.
dann, sagte der tempelwaechter, nimmt man von dem heiligen roten pulver einen finger voll und tut es sich auf die stirn (auf das dritte auge). er machte das fuer mich.
dann nimmt man aus einer plastiktuete, die auf einer ablage liegt, eine handvoll suesse koernchen und isst sie. er nahm eine handvoll suesse koernchen aus der plastiktuete und forderte mich auf, sie zu essen. ich tat es.
dann trinkt man etwas heiliges wasser. er schuettete mir aus einem kleinen metallgefaess heiliges wasser auf die hand, und ich war stolz, dass ich wusste, wie man es macht: erst schluerft man ein wenig wasser, dann faehrt man sich mit der hand ueber die haare.
er nickte zufrieden.
er zeigte mir auch den orangefarbenen hanuman (affengott), der draussen in einem eigenen kleinen tempel stand, und dann den winzigen shiva und die winzige parvati mit dem stier nandi im tempelchen gegenueber.
er erzaehlte mir irgendeine lustige geschichte ueber die orange farbe, aber ich verstand sie nicht.
danke. wiedersehen.
an einem kleinen teestand trank ich tee und unterhielt mich mit zwei leuten, einem jungen mann aus england und einer jungen frau aus israel.
ein inder nahm uns in seinem kleinen auto dann zurueck zum stadtrand, wo die beiden zum ganges hinunter stiegen, um ein bad zu nehmen.
ich ging zurueck in meinen ashram, zu einer zweiten yogalektion. ich habe jetzt eingesehen, dass power yoga vielleicht nicht das richtige fuer mich ist. das sanfte yoga in meinem ashram ist fuer mich anstrengend genug. am nachmittag unterrichtet ein weissgekleideter, gut aussehender junger inder, und das training ist ein wenig anstrengender als am morgen. ich lernte die "child sleeping pose", auf dem bauch liegend, den kopf auf den haenden und das linke bein zur brust hochgezogen (klingt vielleicht nicht so anstrengend).
dann zog ich um, in ein groesseres zimmer, dass allerdings offensichtlich ein mueckenbrutplatz ist. ich verspritzte also eine menge citronella, das die muecken vertreibt und haengte wieder mein mueckennetz auf (aber die aufhaengevorrichtung ist nicht so gut, das netz haengt zu tief und haengt mir wahrscheinlich ins gesicht).
von einer oesterreicherin habe ich den tip bekommen, dass man in einem ashram in der naehe gut und billig essen kann, und das habe ich heute abend gemacht.
in einem anderen blog ueber rishikesh habe ich gelesen, dass das alter ego von rishikesh eine krake ist. wenn man weg will, haelt es einen wieder fest.
ich habe keine ahnung, wie lange ich hier noch bleiben werde. mal sehen, wie gut ich in meinem neuen zimmer schlafen kann.
ich habe heute wieder einer kuh ein chapatti zum fressen gegeben. schlurp, war es weg.
am morgen wurde ich zeugin der folgenden szene: ein "heiliger mann" verscheuchte einen stier mit einem stock, da wurde der stier wuetend und ging auf einen anderen stier los, und ein dritter stier, der die schlaegerei sah und auch mit dabei sein wollte, trabte schnaubend los.
ich kriegte ein wenig schiss und schaute, dass ich von dort wegkam.
jetzt bin ich muede. gute nacht!
mein tagesprogramm habe ich bereits hinter mich gebracht. um zehn uhr wird der ashram geschlossen.
morgens yoga, dann fruestueck (heute im Tip Top Cafe), mit einer hindustan times, die ich einem fliegenden zeitungsverkaeufer abgekauft hatte. ich ass porridge mit fruechten und nuessen und trank schwarzen tee dazu.
dann erster besuch im internet, um meine mail abzurufen und zu sehen, dass ich einen platz in dem zehntaegigen kurs "einfuehrung in den buddhismus" im tibetischen kloster tushita in dharamsala bekommen habe, fuer den ich mich angemeldet habe.
dann besuch im "little buddha cafe", wo ich einen milchkaffee trank und dann ein vegetarisches sandwich mit omelette ass und postkarten schrieb.
ich gab meine waesche in einer kleinen waescherei ab. an der theke war niemand zu sehen, also rief ich und wurde dann von einer inderin, die in einem hinter der waescherei befindlichen raum auf einem bett lag und zu muede war, um aufzustehen, hineingewunken.
(eine waescherei besteht aus einer waschmaschine und einem brett zum buegeln in einer bretterbude)
sie stellte meine tuete zu den anderen tueten und sagte im liegen zu mir, dass ich die waesche morgen frueh abholen kann.
dann ging ich ein paar karmaschichten abwaschen.
ich traf meine franzoesin wieder, die jeden tag dort ist, und auch eine italienerin aus rom, die ebenfalls gestern da war.
die beiden frauen unterhielten sich (die eine sprach englisch, die andere franzoesisch) ueber die energie von rishikesh und ueber verschiedene ashrams und gurus und warfen mit namen um sich, die ich nie gehoert hatte, so dass ich immer wieder sagen musste, weiss ich nicht, kenn ich nicht, hab ich nie was von gehoert...
heute bin ich sechs mal im ganges untergetaucht und habe die franzoesin, die mich gleich wieder mit unglaublichen geschichten ueberfiel, gebeten, ein paar fotos zum beweis zu machen.
nach einem kurzen antrocknen der kleider ging ich weiter stadtauswaerts, eigentlich ohne ein besonderes ziel.
ich kam an einen kleinen tempel, stellte meine schuhe davor ab, ging hinein, sah einen orangen gott mit buntem kleid, von dem ich noch gar nichts wusste, ging wieder hinaus, zog meine schuhe wieder an.
der tempelwaechter rief nach mir. ob ich ein paar dinge ueber die tempel-etikette wissen wollte.
ok.
er zeigte mir, dass man die schuhe schon vor dem tor abstellt, nicht erst vor dem eingang in den tempel.
dann sagte er mir den namen des gottes, den ich schon wieder vergessen habe. es ist der adler, auf dem krishna (?) reitet, ich wusste nicht, dass ihm eigene tempel gewidmet sind, und ausserdem sah die orangefarbene figur ueberhaupt nicht aus wie ein adler, dazu war die nase zu klein und zu flach.
dann, sagte der tempelwaechter, nimmt man von dem heiligen roten pulver einen finger voll und tut es sich auf die stirn (auf das dritte auge). er machte das fuer mich.
dann nimmt man aus einer plastiktuete, die auf einer ablage liegt, eine handvoll suesse koernchen und isst sie. er nahm eine handvoll suesse koernchen aus der plastiktuete und forderte mich auf, sie zu essen. ich tat es.
dann trinkt man etwas heiliges wasser. er schuettete mir aus einem kleinen metallgefaess heiliges wasser auf die hand, und ich war stolz, dass ich wusste, wie man es macht: erst schluerft man ein wenig wasser, dann faehrt man sich mit der hand ueber die haare.
er nickte zufrieden.
er zeigte mir auch den orangefarbenen hanuman (affengott), der draussen in einem eigenen kleinen tempel stand, und dann den winzigen shiva und die winzige parvati mit dem stier nandi im tempelchen gegenueber.
er erzaehlte mir irgendeine lustige geschichte ueber die orange farbe, aber ich verstand sie nicht.
danke. wiedersehen.
an einem kleinen teestand trank ich tee und unterhielt mich mit zwei leuten, einem jungen mann aus england und einer jungen frau aus israel.
ein inder nahm uns in seinem kleinen auto dann zurueck zum stadtrand, wo die beiden zum ganges hinunter stiegen, um ein bad zu nehmen.
ich ging zurueck in meinen ashram, zu einer zweiten yogalektion. ich habe jetzt eingesehen, dass power yoga vielleicht nicht das richtige fuer mich ist. das sanfte yoga in meinem ashram ist fuer mich anstrengend genug. am nachmittag unterrichtet ein weissgekleideter, gut aussehender junger inder, und das training ist ein wenig anstrengender als am morgen. ich lernte die "child sleeping pose", auf dem bauch liegend, den kopf auf den haenden und das linke bein zur brust hochgezogen (klingt vielleicht nicht so anstrengend).
dann zog ich um, in ein groesseres zimmer, dass allerdings offensichtlich ein mueckenbrutplatz ist. ich verspritzte also eine menge citronella, das die muecken vertreibt und haengte wieder mein mueckennetz auf (aber die aufhaengevorrichtung ist nicht so gut, das netz haengt zu tief und haengt mir wahrscheinlich ins gesicht).
von einer oesterreicherin habe ich den tip bekommen, dass man in einem ashram in der naehe gut und billig essen kann, und das habe ich heute abend gemacht.
in einem anderen blog ueber rishikesh habe ich gelesen, dass das alter ego von rishikesh eine krake ist. wenn man weg will, haelt es einen wieder fest.
ich habe keine ahnung, wie lange ich hier noch bleiben werde. mal sehen, wie gut ich in meinem neuen zimmer schlafen kann.
ich habe heute wieder einer kuh ein chapatti zum fressen gegeben. schlurp, war es weg.
am morgen wurde ich zeugin der folgenden szene: ein "heiliger mann" verscheuchte einen stier mit einem stock, da wurde der stier wuetend und ging auf einen anderen stier los, und ein dritter stier, der die schlaegerei sah und auch mit dabei sein wollte, trabte schnaubend los.
ich kriegte ein wenig schiss und schaute, dass ich von dort wegkam.
jetzt bin ich muede. gute nacht!
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Sonntag, 8. März 2009
dreimal ganges und einmal polizei
ich kann nicht anders, ich muss heute einfach noch was schreiben.
ich hab's getan: ich habe im ganges gebadet und bin dreimal mit dem kopf untergetaucht. so muss man es naemlich machen, wenn man sein erstes bad im ganges nimmt. natuerlich in meinen kleidern, weil es sich fuer frauen nicht schickt, leicht bekleidet ein bad zu nehmen. (ein paar frauen, die hier vor einigen tagen im bikini badeten, wurden von indern verpruegelt)
danach entstieg ich den fluten tropfnass und setzte mich auf einen stein, um in der sonne zu trocknen.
ich kam ins gespraech mit einer franzoesin, die hier jeden tag herkommt und ein bad nimmt (etwas ausserhalb von rishikesh, wo das wasser sehr sauber, der strom aber auch sehr reissend ist).
nach einer weile fragte sie mich, ob ich ihr vielleicht einen gefallen tun koennte. sie kann naemlich kein englisch, ihr handy ist weggekommen und sie will jetzt bei der polizei eine meldung aufgeben.
so kam es, dass ich am selben tag zwar ein paar schlechte karmaschichten los wurde, aber ein paar neue sammelte.
ihre geschichte war die: sie war im freedom-cafe und hatte ihr handy dabei. am naechsten tag entdeckte sie in der frueh um fuenf, dass ihr handy nicht mehr da war. also ging sie zurueck ins freedom-cafe, um nach dem handy zu fragen. es war aber nicht gefunden worden. ihr schluss: jemand muss es gestohlen haben.
wir gingen also zur oertlichen polizeistation. erst sah es so aus, als wollte sich keiner unserer geschichte annehmen, dann wurden wir gebeten, an einem tisch im hof platz zu nehmen. man brachte zwei blatt papier, die man mit stecknadel zusammensteckte und zwischen die man ein kohlepapier legte. ausserdem drueckte man mir einen stift in die hand.
ich sagte: no writing-machine? you write? (mein englisch ist hier ziemlich basic geworden) nein, wir muessten unseren bericht schon selber schreiben.
ich sagte zu der franzoesin, es ist vielleicht besser, wenn wir nicht schreiben, dass sie erst am naechsten tag bemerkt hat, dass das telefon weg war. ich dachte, es ist ja hauptsaechlich fuer ihre versicherung. wir schreiben also nur, dass das handy im freedom-cafe wegkam und wahrscheinlich gestohlen wurde.
ich dachte, wir wuerden dann einen stempel bekommen, und die polizisten wuerden das papier zu den akten legen und sie koennte ihr exemplar ihrer versicherung in paris geben.
aber so war es nicht.
auch wenn die polizisten einen so desinteressierten und unorganisierten eindruck machten, so folgten sie doch einem strengen prozedere.
es wurde also irgendein chef wahrscheinlich vom sonntaeglichen mittagessen weg- und in die polizeistation gerufen, wo er mit rotem t-shirt und gelben sturzhelm auf einem moped ankam.
er hoerte sich unsere story an, von ihr auf franzoesisch erzaehlt, von mir auf englisch uebersetzt.
erstmal mussten wir uns von ihm belehren lassen, dass andauernd touristen kommen, die den verlust irgendwelcher gegenstaende melden, und dann stellt sich heraus, dass sie diese an inder verkauft haben und nur den stempel fuer ihre versicherung brauchen. das breitete er lange und ausfuehrlich aus, verbreitete dabei sehr viel testosteron, und ich nickte dazu.
punkt eins. er glaubte unsere geschichte, weil die franzoesin eine "old lady" sei.
punkt zwei. warum kommt sie erst heute, um die meldung zu machen, obwohl das telefon schon seit drei tagen weg ist (die polizei hatte sich uebrigens im datum geirrt, die wussten wohl nicht, dass heute frauentag ist und diktierten mir den 7. maerz).
weil sie niemanden gefunden hat, der franzoesisch und englisch kann, so ich, und sie mich erst heute getroffen hat.
dieses argument wollte er ueberhaupt nicht einsehen. die polizei kann dolmetscher zur verfuegung stellen. sie haette sofort irgendeinen polizisten auf der strasse ansprechen koennen. der haette das cafe mit staatsgewalt oeffnen lassen usw.
punkt drei. unsere (meine) formulierung, dass das handy "wahrscheinlich gestohlen wurde", sei eine starke anklage, der sie nachgehen muessten usw., dazu braucht es mehr, zeugen, blabla usw.
ob es irgendeinen beweis dafuer gibt, dass das telefon wirklich existiert hat. welche telefonnummer das telefon hatte. ob sie die nummer gesperrt hat.
ich musste die ganze zeit zwischen englisch und franzoesisch hin- und heruebersetzen, aber glaubt bloss nicht, dass mein franzoesisch besonders gut ist.
ploetzlich stand der blasse besitzer des freedom-cafes vor dem tisch, herbeigeholt von ein paar nebenpolizisten. jetzt wurde das gespraech auf hindi gefuehrt, und wir verstanden natuerlich kein wort, sahen bloss, dass dem freedom-cafe-besitzer der arsch auf grundeis ging.
ich bereute schon zutiefst, dass ich das mit dem "gestohlen" geschrieben hatte, sah mich schon wegen betrugs zehn jahre in einem indischen gefaengnis sitzen (oder wegen versuchten betrugs, was vielleicht nur fuenf jahre gegeben haette).
und was ging mich eigentlich die versicherung der franzoesin an? und ihr telefon? wieso mischte ich mich eigentlich ein? wieso hatte ich nicht einfach ihre version der geschichte aufgeschrieben? wieso hatte ich versucht, superschlau und eine versicherungsbetruegerin zu sein?
der besitzer des freedom-cafes sah aus, als gingen ihm auch verschiedene gefaengnisstrafen durch den kopf sowie die zustaende in den indischen gefaengnissen.
er fragte uns (mich) dann, ob wir das wirklich so schreiben wollten, dass das handy wahrscheinlich gestohlen wurde, und ob uns klar sein, was fuer eine anklage wir da gegen sein cafe richteten.
neinnein, versicherte ich schnell, ich wollte den rueckwaertsgang einlegen. ("koennen wir bitte neues papier bekommen?")
die wortschwaelle auf hindi gingen weiter, ich hatte ueberhaupt keine ahnung, in welche richtung sich die geschichte weiterentwickelte, aber da stand schon ein polizist mit zwei neuen blatt papier in der hand da und steckte sie wieder fein saeuberlich mit stecknadeln zusammen.
inzwischen hatten ungefaehr zehn personen an unserem kleinen tisch im hof der polizei platz genommen und ungefaehr genauso viele standen herum und hoerten interessiert zu.
ich schrieb also eine neue version der geschichte, knuellte die andere zusammen und steckte sie schnell in meinen rucksack.
wir meldeten hiermit den verlust eines handys an, zuletzt gesehen im freedom cafe am soundsovielten um soundsoviel uhr.
einer der polizisten verschwand und kam dann mit der gestempelten blaupause zurueck. wir konnten gehen.
der besitzer des freedom-cafes wandte sich im gehen an uns. ob wir in einer halben stunde in sein cafe kommen koennten? er wuerde noch einmal mit allen seinen angestellten sprechen.
inzwischen war ein noch hoeherer polizist angekommen, der uns noch einmal anhielt.
was los sei.
er wollte die stempelei wieder rueckgaengig machen, weil wir die meldung viel zu spaet abgegeben haetten.
aber die anderen polizisten, die inzwischen eine art zuneigung zu uns gefasst hatten, ueberredeten ihn, die sache jetzt auf sich beruhen zu lassen.
(am nebentisch im internetcafe sitzt uebrigens ein englaender, der gerade einem freund in england ueber skype von seinen coolen indien-erlebnissen erzaehlt.)
wir gingen dann doch direkt ins freedom-cafe, weil ich inzwischen ziemlichen hunger hatte (es war halbvier geworden).
zu unserer ueberraschung wimmelte es im cafe von polizisten. wir sahen auch den beamten mit dem roten t-shirt wieder. er kam auf die franzoesin zu und hielt ihr ein handy entgegen.
ob das ihr telefon sei?
es war ihr telefon.
obwohl die franzoesin zweimal in dem cafe war, um nach ihrem handy zu fragen, hatten die angestellten offensichtlich nicht verstanden, was sie wollte (sie konnte ja kein englisch), und alle waren jetzt angepisst, dass sie zur polizei gegangen war. jedenfalls war das ihre version.
die polizisten tranken cola und assen pommes frites, bevor sie verschwanden, ohne uns noch einmal eines blickes zu wuerdigen.
und ich ass einen falafelteller und trank auch eine coca cola.
die franzoesin, die mir nur ihren spirituellen namen gesagt hat, den ich mir nicht merken konnte, war uebrigens eine total faszinierende person.
sie war zum glueck ziemlich redselig, und ich liess mir von ihr die verruecktesten geschichten erzaehlen. zum beispiel die geschichte darueber, wie sie ihre zelle besucht hat, die aussah wie eine hostie, die auf wellen schaukelt.
oder so. ich kann auch nicht behaupten, dass ich alles genau verstanden habe.
sie war seherin und heilerin und konnte ueber erleuchtungserlebnisse en masse berichten. ich glaubte ihr alles, weil sie wirklich all das ausstrahlte, was sie sagte. und weil sie dabei witzig war.
sie wollte gern, dass ich in ihrem guesthouse wohne, wenn meine zeit im ashram rum ist, und ich liess mir das guesthouse zeigen. es war wirklich total schoen, mit einer terrasse, von der aus man ueber rishikesh und den ganges blickt. ihr zimmer ist gross und hell, das badezimmer neu gekachelt und sauber, und sie zahlt genauso viel wie ich in meinem ashram.
zwei affen fauchten uns an, auch nachdem wir ihnen eine mandarine zum fressen gegeben hatten.
wir trennten uns dann. sie war total dankbar fuer meinen einsatz, aber ich hatte eher das gefuehl, alles ziemlich durcheinander gebracht zu haben.
ich glaube, ich muss bald wieder im ganges baden, um das schlechte karma des heutigen tages loszuwerden...
ich hab's getan: ich habe im ganges gebadet und bin dreimal mit dem kopf untergetaucht. so muss man es naemlich machen, wenn man sein erstes bad im ganges nimmt. natuerlich in meinen kleidern, weil es sich fuer frauen nicht schickt, leicht bekleidet ein bad zu nehmen. (ein paar frauen, die hier vor einigen tagen im bikini badeten, wurden von indern verpruegelt)
danach entstieg ich den fluten tropfnass und setzte mich auf einen stein, um in der sonne zu trocknen.
ich kam ins gespraech mit einer franzoesin, die hier jeden tag herkommt und ein bad nimmt (etwas ausserhalb von rishikesh, wo das wasser sehr sauber, der strom aber auch sehr reissend ist).
nach einer weile fragte sie mich, ob ich ihr vielleicht einen gefallen tun koennte. sie kann naemlich kein englisch, ihr handy ist weggekommen und sie will jetzt bei der polizei eine meldung aufgeben.
so kam es, dass ich am selben tag zwar ein paar schlechte karmaschichten los wurde, aber ein paar neue sammelte.
ihre geschichte war die: sie war im freedom-cafe und hatte ihr handy dabei. am naechsten tag entdeckte sie in der frueh um fuenf, dass ihr handy nicht mehr da war. also ging sie zurueck ins freedom-cafe, um nach dem handy zu fragen. es war aber nicht gefunden worden. ihr schluss: jemand muss es gestohlen haben.
wir gingen also zur oertlichen polizeistation. erst sah es so aus, als wollte sich keiner unserer geschichte annehmen, dann wurden wir gebeten, an einem tisch im hof platz zu nehmen. man brachte zwei blatt papier, die man mit stecknadel zusammensteckte und zwischen die man ein kohlepapier legte. ausserdem drueckte man mir einen stift in die hand.
ich sagte: no writing-machine? you write? (mein englisch ist hier ziemlich basic geworden) nein, wir muessten unseren bericht schon selber schreiben.
ich sagte zu der franzoesin, es ist vielleicht besser, wenn wir nicht schreiben, dass sie erst am naechsten tag bemerkt hat, dass das telefon weg war. ich dachte, es ist ja hauptsaechlich fuer ihre versicherung. wir schreiben also nur, dass das handy im freedom-cafe wegkam und wahrscheinlich gestohlen wurde.
ich dachte, wir wuerden dann einen stempel bekommen, und die polizisten wuerden das papier zu den akten legen und sie koennte ihr exemplar ihrer versicherung in paris geben.
aber so war es nicht.
auch wenn die polizisten einen so desinteressierten und unorganisierten eindruck machten, so folgten sie doch einem strengen prozedere.
es wurde also irgendein chef wahrscheinlich vom sonntaeglichen mittagessen weg- und in die polizeistation gerufen, wo er mit rotem t-shirt und gelben sturzhelm auf einem moped ankam.
er hoerte sich unsere story an, von ihr auf franzoesisch erzaehlt, von mir auf englisch uebersetzt.
erstmal mussten wir uns von ihm belehren lassen, dass andauernd touristen kommen, die den verlust irgendwelcher gegenstaende melden, und dann stellt sich heraus, dass sie diese an inder verkauft haben und nur den stempel fuer ihre versicherung brauchen. das breitete er lange und ausfuehrlich aus, verbreitete dabei sehr viel testosteron, und ich nickte dazu.
punkt eins. er glaubte unsere geschichte, weil die franzoesin eine "old lady" sei.
punkt zwei. warum kommt sie erst heute, um die meldung zu machen, obwohl das telefon schon seit drei tagen weg ist (die polizei hatte sich uebrigens im datum geirrt, die wussten wohl nicht, dass heute frauentag ist und diktierten mir den 7. maerz).
weil sie niemanden gefunden hat, der franzoesisch und englisch kann, so ich, und sie mich erst heute getroffen hat.
dieses argument wollte er ueberhaupt nicht einsehen. die polizei kann dolmetscher zur verfuegung stellen. sie haette sofort irgendeinen polizisten auf der strasse ansprechen koennen. der haette das cafe mit staatsgewalt oeffnen lassen usw.
punkt drei. unsere (meine) formulierung, dass das handy "wahrscheinlich gestohlen wurde", sei eine starke anklage, der sie nachgehen muessten usw., dazu braucht es mehr, zeugen, blabla usw.
ob es irgendeinen beweis dafuer gibt, dass das telefon wirklich existiert hat. welche telefonnummer das telefon hatte. ob sie die nummer gesperrt hat.
ich musste die ganze zeit zwischen englisch und franzoesisch hin- und heruebersetzen, aber glaubt bloss nicht, dass mein franzoesisch besonders gut ist.
ploetzlich stand der blasse besitzer des freedom-cafes vor dem tisch, herbeigeholt von ein paar nebenpolizisten. jetzt wurde das gespraech auf hindi gefuehrt, und wir verstanden natuerlich kein wort, sahen bloss, dass dem freedom-cafe-besitzer der arsch auf grundeis ging.
ich bereute schon zutiefst, dass ich das mit dem "gestohlen" geschrieben hatte, sah mich schon wegen betrugs zehn jahre in einem indischen gefaengnis sitzen (oder wegen versuchten betrugs, was vielleicht nur fuenf jahre gegeben haette).
und was ging mich eigentlich die versicherung der franzoesin an? und ihr telefon? wieso mischte ich mich eigentlich ein? wieso hatte ich nicht einfach ihre version der geschichte aufgeschrieben? wieso hatte ich versucht, superschlau und eine versicherungsbetruegerin zu sein?
der besitzer des freedom-cafes sah aus, als gingen ihm auch verschiedene gefaengnisstrafen durch den kopf sowie die zustaende in den indischen gefaengnissen.
er fragte uns (mich) dann, ob wir das wirklich so schreiben wollten, dass das handy wahrscheinlich gestohlen wurde, und ob uns klar sein, was fuer eine anklage wir da gegen sein cafe richteten.
neinnein, versicherte ich schnell, ich wollte den rueckwaertsgang einlegen. ("koennen wir bitte neues papier bekommen?")
die wortschwaelle auf hindi gingen weiter, ich hatte ueberhaupt keine ahnung, in welche richtung sich die geschichte weiterentwickelte, aber da stand schon ein polizist mit zwei neuen blatt papier in der hand da und steckte sie wieder fein saeuberlich mit stecknadeln zusammen.
inzwischen hatten ungefaehr zehn personen an unserem kleinen tisch im hof der polizei platz genommen und ungefaehr genauso viele standen herum und hoerten interessiert zu.
ich schrieb also eine neue version der geschichte, knuellte die andere zusammen und steckte sie schnell in meinen rucksack.
wir meldeten hiermit den verlust eines handys an, zuletzt gesehen im freedom cafe am soundsovielten um soundsoviel uhr.
einer der polizisten verschwand und kam dann mit der gestempelten blaupause zurueck. wir konnten gehen.
der besitzer des freedom-cafes wandte sich im gehen an uns. ob wir in einer halben stunde in sein cafe kommen koennten? er wuerde noch einmal mit allen seinen angestellten sprechen.
inzwischen war ein noch hoeherer polizist angekommen, der uns noch einmal anhielt.
was los sei.
er wollte die stempelei wieder rueckgaengig machen, weil wir die meldung viel zu spaet abgegeben haetten.
aber die anderen polizisten, die inzwischen eine art zuneigung zu uns gefasst hatten, ueberredeten ihn, die sache jetzt auf sich beruhen zu lassen.
(am nebentisch im internetcafe sitzt uebrigens ein englaender, der gerade einem freund in england ueber skype von seinen coolen indien-erlebnissen erzaehlt.)
wir gingen dann doch direkt ins freedom-cafe, weil ich inzwischen ziemlichen hunger hatte (es war halbvier geworden).
zu unserer ueberraschung wimmelte es im cafe von polizisten. wir sahen auch den beamten mit dem roten t-shirt wieder. er kam auf die franzoesin zu und hielt ihr ein handy entgegen.
ob das ihr telefon sei?
es war ihr telefon.
obwohl die franzoesin zweimal in dem cafe war, um nach ihrem handy zu fragen, hatten die angestellten offensichtlich nicht verstanden, was sie wollte (sie konnte ja kein englisch), und alle waren jetzt angepisst, dass sie zur polizei gegangen war. jedenfalls war das ihre version.
die polizisten tranken cola und assen pommes frites, bevor sie verschwanden, ohne uns noch einmal eines blickes zu wuerdigen.
und ich ass einen falafelteller und trank auch eine coca cola.
die franzoesin, die mir nur ihren spirituellen namen gesagt hat, den ich mir nicht merken konnte, war uebrigens eine total faszinierende person.
sie war zum glueck ziemlich redselig, und ich liess mir von ihr die verruecktesten geschichten erzaehlen. zum beispiel die geschichte darueber, wie sie ihre zelle besucht hat, die aussah wie eine hostie, die auf wellen schaukelt.
oder so. ich kann auch nicht behaupten, dass ich alles genau verstanden habe.
sie war seherin und heilerin und konnte ueber erleuchtungserlebnisse en masse berichten. ich glaubte ihr alles, weil sie wirklich all das ausstrahlte, was sie sagte. und weil sie dabei witzig war.
sie wollte gern, dass ich in ihrem guesthouse wohne, wenn meine zeit im ashram rum ist, und ich liess mir das guesthouse zeigen. es war wirklich total schoen, mit einer terrasse, von der aus man ueber rishikesh und den ganges blickt. ihr zimmer ist gross und hell, das badezimmer neu gekachelt und sauber, und sie zahlt genauso viel wie ich in meinem ashram.
zwei affen fauchten uns an, auch nachdem wir ihnen eine mandarine zum fressen gegeben hatten.
wir trennten uns dann. sie war total dankbar fuer meinen einsatz, aber ich hatte eher das gefuehl, alles ziemlich durcheinander gebracht zu haben.
ich glaube, ich muss bald wieder im ganges baden, um das schlechte karma des heutigen tages loszuwerden...
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